Die Ausstellung ist von Freitag (04.06.2010) ab 14 Uhr bis Samstag (05.06.2010) Abend auf dem Gelände des Antifee-Festivals (hinter dem MZG/Blauer Turm) zu sehen.
Was in der deutschen Medienöffentlichkeit an aktuellen Anstrengungen der „homosexuellen Bürgerrechtsbewegung“ Aufmerksamkeit bekommt, ist zumeist einzig der Kampf um die so genannte „Homo-Ehe“. Keine andere Forderung wurde seit den 1990er Jahren so sehr durch führende konservative Schwulen- und Lesbenverbände (vorrangig der LSVD und weitere Vereinigungen um Volker Beck) so sehr vertreten, wie die rechtliche Gleichstellung homosexueller mit heterosexuellen Zweierpaaren, die heiraten möchten.
Die Schwulen- und Lesbenbewegung hatte allerdings seit ihren Anfängen viel mehr gefordert als das. Eine grundsätzliche Ablehnung heterosexueller Vormachtstellung und sexistischer Geschlechterhierarchien gehörten in weiten Teilen ebenso zu einem homopolitischen Konsens wie eine ständige Auseinandersetzung mit anderen Herrschaftsverhältnissen, etwa Rassismus oder Antisemitismus. Es wurde darum gekämpft, der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft homosexuelle Standpunkte gegenüber zu stellen, nicht darum, sich den Heten anzubiedern indem man sie kopiert.
Heutige politisch queer oder homosexuell Bewegte haben oftmals – so scheint es – ein nur marginales Interesse an homosexueller Bewegungsgeschichte. Allerdings sind viele lesbische und schwule Selbstverständlichkeiten ohne die Schwulen und Lesben der 70er und 80er Jahre undenkbar. Viele Standpunkte, die queere Gruppen scheinbar neu erfinden, wurden bereits durch die Schwulen- und Lesbenbewegung ausgesprochen und umkämpft.
Gegen das Vergessen schwuler und lesbischer Geschichte und für eine weiterführende emanzipatorische Politik soll diese Ausstellung einen nur kurzen Einblick in die Geschichte der Homosexuellenbewegung in der BRD geben. Damit soll der Anreiz gegeben werden, sich weiter mit der Geschichte der Bewegung auseinanderzusetzen. Nur mit einem Bewusstsein über jene, auf deren Aktivismus und Kampf unser heutiger Kampf und moderne Theorien zur Homosexuellenemanzipation aufbauen, kann progressive homosexuelle und queere Politik gemacht werden.