Graduiertenkolleg "Expertenkulturen des 12. bis 18. Jahrhunderts"

Dr. Sebastian Dümling

Vita


  • 04/2009-03/2012 Stipendiat des Graduiertenkollegs „Expertenkulturen des 12. bis. 16. Jahrhunderts“ der Georg-August-Universität Göttingen
  • 01/2005-10/2005 Redaktionelle Mitarbeit an der Zeitschrift Historische Anthropologie bei Prof. Dr. Hans Medick am Max-Planck-Institut für Geschichte Göttingen
  • 2003-2009 Studium der Mittleren und Neueren Geschichte und Kulturanthropologie/Europäischen Ethnologie an der Georg-August-Universität Göttingen
  • Geboren 1981 in Hamburg


Homepage am Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie der Georg-August-Universität Göttingen

Dissertationsprojekt


Träume der Einfachheit. Der Reformdiskurs im 15. Jahrhundert


    Wenn Worte Taten sind, dann kann man die Debatten im Reich des 15. Jahrhunderts als handgreifliche Auseinandersetzungen bezeichnen: In etlichen, sogenannten Reformschriften wurde über die Verfasstheit von Reich und Kirche gestritten, mal mehr, mal weniger getragen von Narrativen wunschzeitlicher Erlösungshoffnungen. Wurde auf den berühmten Konzilen und Reichstagen der Zeit rechtstheoretisch über die Machtbefugnisse von Papst und Kaiser gerungen, der moralische Zustand des Klerus theologisch hinterfragt, so gingen Teile der Reformliteratur weiter, indem sie Grundfragen stellten – Wie kann Herrschaftsmacht legitim sein? Gibt es ein gutes Recht? – und Utopien als Gegenwelten zum Ist-Weltlichen entwarfen.
    Hierin lässt sich ein Diskurs ausmachen – Diskurs eher im Sinne POCOCKS oder SKINNERS als FOUCAULTS. In den Schriften, sowohl in den lateinisch konzilsnahen (z.B. Job Vener), als auch in den volkssprachlichen (z.B. Reformatio Sigismundi), wurden Semantiken benutzt, an denen sich epochale Vorstellungen und Forderungen banden: Gemeinwohl, Rechtlichkeit, Expertentum waren Leitbegriffe der Auseinandersetzungen. Der Diskurs konstituierte, so die Arbeitsthese, dadurch einen Sagbarkeitsraum des politisch Machbaren. Die Dissertation versucht diesen Sagbarkeitsraum mit Methoden der Historischen Semantik freizulegen, indem der reformerisch-utopische Diskurs analysiert wird und seine Reziprozität mit dem Politischen angemessene Beachtung findet.



Publikationen



  • Volkstum, Wurzelrassen und Neuheidentum: Geschichte des deutschen Volkstumsbegriffs und seiner esoterischen Formationen, in: Z. für Volkskunde in Niedersachsen, Bd. 23/2006, S. 4-14.
  • Die Vita-Communis-Idee als Grundmuster utopischen Denkens? Eine Untersuchung von Thomas Morus‘ Utopia und der Reformschrift des sog. Oberrheinischen Revolutionärs, Göttingen 2008. (Veröffentlichung der Magisterarbeit)