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Georg-August-Universität Göttingen


Dem kritischen Geist der Aufklärung verpflichtet, wurde die Georg-August-Universität Göttingen 1737 gegründet. Im Laufe ihrer Geschichte gelang es der Georgia Augusta immer wieder, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Weltrang an sich zu binden. Sie haben die internationale Reputation der Hochschule mit erfolgreicher Grundlagenforschung sowohl in den Naturwissenschaften als auch in den Geisteswissenschaften begründet und prägen bis heute das universitäre Profil; so ist der Name der Universität mit den Lebensläufen von über 40 Nobelpreisträgern verbunden. Das hohe Leistungsniveau in der Forschung und den starken Göttinger Akzent in der forschungsbasierten Lehre nicht nur zu erhalten, sondern weiter auszubauen - dieser Herausforderung stellt sich die Universität heute mit einer Reihe von Reformprojekten in Forschung, Studium und Verwaltung.

Forschung und Forschungsperspektiven

Als international anerkannte Forschungsuniversität profitiert die Georgia Augusta von ihren traditionellen Stärken: Nahezu alle wissenschaftlichen Disziplinen einschließlich der Medizin sind an den insgesamt 13 Fakultäten vertreten. Die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen mit einem Bestand von rund 4,5 Millionen Bänden, über 16.000 laufenden Zeitschriften, 12.635 Handschriften, 3.100 Inkunabeln und 340 Nachlässen ist eine der größten Hochschulbibliotheken in Deutschland. Die Göttinger Bibliothek war einst die erste wissenschaftliche Universalbibliothek von europäischem Rang, deren historische Bestände, wie zum Beispiel die in das UNESCO-Programm „Gedächtnis der Menschheit' aufgenommene Gutenberg-Bibel, heute durch moderne Digitaltechnik erschlossen werden. Darüber hinaus bestehen an der Universität weitere 143 selbständige Teilbibliotheken.
An der Universität Göttingen basiert Interdisziplinarität auf langjährigen Erfahrungen mit einer Reihe von disziplinenübergreifenden Forschungs- und Studienzentren, wie zum Beispiel dem seit 40 Jahren bestehenden Tropenzentrum und dem Zentrum für Europa- und Nordamerikastudien. Vor diesem Hintergrund verstärkte sich in jüngerer Zeit das erfolgreiche Zusammenwirken von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen in einer Reihe von neuen Forschungsverbünden. Die Universität bündelt ihre Kräfte in übergreifenden Forschungseinrichtungen, deren Arbeitsgebiete von der Biodiversitätsforschung und der Ökologie über die interdisziplinären Medienwissenschaften bis zur Mittelalter- und Frühneuzeitforschung reichen.
Im Göttinger Zentrum Molekulare Biowissenschaften werden Forschungsaktivitäten aus der Biologie, der Medizin, der Chemie und den Agrarwissenschaften zusammengeführt. Parallel dazu soll die Bioinformatik als Forschungsschwerpunkt an der Universität ausgebaut werden. Im European Neuroscience Institute (ENI) werden die Einzeldisziplinen der Neurowissenschaften mit Einrichtungen der Industrie zu einer interdisziplinären Kooperation zusammengeführt. Im Kompetenznetzwerk Genomforschung an Bakterien hat Göttingen die Koordination der Forschungsarbeiten übernommen. Beteiligt sind daran 22 Arbeitsgruppen von 14 Forschungseinrichtungen sowie fünf Partner aus der Industrie. Darüber hinaus ist die Göttinger Medizin in das Genomforschungsnetz Herz - Kreislauf eingebunden.
Diese Forschungsaktivitäten werden in erheblichem Maße durch Drittmittel gefördert. So lag das Drittmittelvolumen von Universität und Universitätsklinikum im vergangenen Jahr bei insgesamt rund 56 Millionen Euro. Allein die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert an der Universität Göttingen neun Sonderforschungsbereiche.
Innovative Forschungsgebiete durch die Kombination und Förderung des breiten Fächerkanons zu erschließen, gehört zu den wesentlichen Anliegen der aktuellen Hochschulplanung. Zugleich verstärkt die Universität ihre Anstrengungen auf dem Gebiet der Internationalisierung: Dazu zählen der Ausbau weltweiter Forschungsnetze - vertraglich besiegelte Kooperationen bestehen bereits zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen in rund 70 Ländern der Erde - und die kontinuierliche Verpflichtung ausländischer Spitzenforscher für eine Tätigkeit in Göttingen.
In diesem Zusammenhang fördert der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) zwei von Wissenschaftlern der Universität Göttingen initiierte „Internationale Qualitätsnetze' sowie außerdem den Export von Studienangeboten: Module des Studiengangs Agrarwissenschaften in den Tropen sollen verschiedenen Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Ausland zugänglich gemacht werden.
Begünstigt wird die universitäre Forschung in Göttingen aber auch durch wissenschaftliche Netzwerke vor Ort: Umgeben von vier Max-Planck-Instituten, dem Deutschen Primatenzentrum und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), verschiedenen kleineren, selbständigen Instituten und natürlich der 250 Jahre alten Akademie der Wissenschaften zu Göttingen bildet die Universität den Mittelpunkt eines exzellenten Forschungsverbundes.
Die Georg-August-Universität - mit mehr als 13.400 Beschäftigten einschließlich des Universitätsklinikums der größte Arbeitgeber der Region - erbringt in erheblichem Umfang Transferleistungen für die wirtschaftliche Anwendung. Zusammen mit namhaften Unternehmen hat die Universität Göttingen - als erste Hochschule in Deutschland mit einem eigenen Finanzbeitrag - die Beteiligungsgesellschaft Innovations-Capital Göttingen (InnoCap) gegründet, die mit einem Kapitalfonds in Höhe von rund 7,5 Millionen Euro erfolgreich Existenzgründungen aus der Universität heraus fördert. Der Schwerpunkt liegt dabei im Bereich der Biotechnologie.

Studienangebote und Exzellenzförderung

Mit einer Reform der Studieninhalte, der weiteren Internationalisierung der Studienangebote, gezielten Maßnahmen der Qualitätssicherung und die Entwicklung innovativer Studienfächer stärkt die Universität den Studienstandort Göttingen, an dem derzeit 23.400 junge Menschen studieren. Ein Anteil von gut elf Prozent ausländischen Studierenden belegt die internationale Anziehungskraft, die ein Studium an der Universität Göttingen traditionell besitzt. Einrichtungen wie das Göttinger Experimentallabor XLAB ermöglichen dabei schon Schülerinnen und Schülern Einblicke in das Studium, hier insbesondere in die naturwissenschaftlichen Studiengänge. 130 Studienfächer - darunter 16 in jüngster Zeit neu konzipierte Studiengänge - bietet die Universität insgesamt an.
Modular aufgebaute Lehrveranstaltungen, studienbegleitende Prüfungen, gestufte Abschlüsse und Intensivstudiengänge, unterstützt durch neue, computerbasierte Lehr- und Lernmethoden, Online-Prüfungsverwaltungssysteme und eine verbesserte studienbegleitende Beratung und Betreuung bis hin zum Career Service schaffen den Rahmen für ein erfolgreiches Studium. Gleichzeitig werden die Studienfächer und Studiengänge zunehmend international ausgerichtet - nicht nur durch die Studienabschlüsse Bachelor und Master, sondern auch durch die Integration von Auslandssemestern, die Konzeption englischsprachiger Lehrangebote und die Einbindung ausländischer Gastwissenschaftler. Studienangebote wie International Economics, International Agriculture, International Mathematics oder Euroculture reagieren im Zuge der Globalisierung auf veränderte Anforderungsprofile in der universitären Ausbildung.
Die Georg-August-Universität setzt sich in besonderem Maße dafür ein, wissenschaftlichen Nachwuchs international und auf höchstem Niveau auszubilden, zugleich aber auch Studierende arbeitsmarktorientiert für eine Berufstätigkeit außerhalb der Universität zu qualifizieren. Zu den neuen Göttinger Studienangeboten mit wissenschaftlich reflektierten, starken Praxisbezügen gehören beispielsweise das Magisterstudium Medien- und Kommunikationswissenschaft, der Zusatzstudiengang Wirtschaftsrecht oder der Intensivstudiengang Schulpädagogik und Didaktik, der Absolventen eines fachwissenschaftlichen Studiums den Zugang zum Lehrerberuf ermöglicht.
Wissenschaftliche Exzellenzförderung bietet die Universität mit ihren vielfältigen Master- und PhD-Programmen. Studienangebote wie die Graduate School of Physics, die sich in besonderem Maße durch einen engen Forschungsbezug in der Lehre auszeichnen, wenden sich an hochqualifizierte Studierende und Absolventen in aller Welt. Insgesamt arbeiten 14 von der DFG finanzierte Graduiertenkollegs an der Universität Göttingen. Die Doktorandenprogramme Mittelalter- und Frühneuzeitstudien, Molekulare Biologie und Neurowissenschaften sowie die Physik sind gleichzeitig als International Max Planck Research Schools etabliert. Elf ebenfalls mit Drittmitteln geförderte Forschernachwuchsgruppen, Habilitationsstipendien und die neuen Juniorprofessuren bilden Schnittstellen zwischen Studium und Hochschullaufbahn in der Forschung. Wichtiges Ziel ist dabei die Förderung hochbegabter Wissenschaftlerinnen. Im Jahr 2000 sind bereits knapp ein Drittel der neu zu besetzenden Professuren an Frauen vergeben worden.

Steuerungsinstrumente und Globalhaushalt

Für die Universität Göttingen ist es ein zentrales Anliegen, von den Fakultäten ausgehend Erneuerungsprozesse zu initiieren. Dazu trägt wesentlich das Reformprojekt „Rückgekoppelte Autonomie als Prinzip einer Universitätserneuerung' bei, das die VolkswagenStiftung im Rahmen ihres Förderprogramms 'Leistungsfähigkeit durch Eigenverantwortung' finanziert. An fünf Pilotfakultäten arbeiten Reformräte und Fakultätsentwickler unterstützt durch einen externen Sachverständigenrat an der Weiterentwicklung und Qualitätssicherung von Forschung und Lehre.
Als neues Steuerungsinstrument werden bereits Zielvereinbarungen zwischen Fakultäten und Hochschulleitung eingesetzt. Die Realisierung des Globalhaushaltes mit einer Kosten-Leistungs-Rechnung seit Beginn des Jahres 2001, die angestrebte Verlagerung von Finanz- und Personalverantwortung in die Fakultäten hinein (Projekt Herakles) und langfristig auch ein neues Berichts- und Controlling-System (Projekt Merlin) sind weitere Bausteine zur Optimierung der inneruniversitären Strukturen mit Modellcharakter und bundesweiter Ausstrahlung.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Göttingen, im Februar 2002





Juniorprofessoren