Dieser Vortrag musste leider wegen der Evakuierung aufgrund von Bomben auf dem Schützenplatz ausfallen und wird nun nachgeholt .
Der Vortrag "Mormonen, Cops, Gladiatoren und Teenager: Schwule Männlichkeiten in aktuellen US-TV-Serien" von Uta Scheer findet am Donnerstag, den 17.06.2010 um 20 Uhr im ZHG 002 statt. Der Vortrag gehört zur Veranstaltungsreihe 'queerschnitt - perverse politik, geschichte und praxis', die von der LesBiSchwulen Hochschulgruppe Göttingen organisiert wird.
Nie zuvor gab es in US-amerikanischen TV-Serien, die für den Mainstream bestimmt sind, eine derartige Vielfalt schwuler Männlichkeiten. Die Schwulen sind jetzt nicht mehr ‚nur‘ die netten aber asexuellen besten Freunde oder zuständig für den comic relief. Sie sind nun auch in Rollen zu sehen, die zuvor einzig den heterosexuellen Protagonisten vorbehalten waren. Nun dürfen Polizisten und Gladiatoren, die eine taffe, maskuline Männlichkeit verkörpern, auch homosexuell sein. Selbst streng religiöse Mormonen erhalten schwule Identitäten. Zudem ist zu beobachten, dass die Repräsentation schwuler Männer komplexer und dreidimensionaler wird. Sie sind sowohl auf der Seite der ‚Guten‘ und der ‚Normalen‘ als auch der ‚Bösewichte‘ vertreten. Und ein weiteres bisheriges Tabuthema, schwule Teenager, wird in mehreren erfolgreichen TV-Serien aufgegriffen. Aufgrund der Vormachtstellung der US-amerikanischen Fernsehindustrie, der weltweiten Vermarktung der vorgestellten Serien und der globalen Verbreitung derselben durch Video-Internetseiten sind die in diesen Medienprodukten verarbeiteten Repräsentationen in ihrer Wirkmächtigkeit nicht zu unterschätzen.
In dem Vortrag sollen diese ‚neuen‘ Repräsentationen schwuler Männlichkeiten vorgestellt und kritisch diskutiert werden: Denn trotz dieser auf den ersten Blick positiven Entwicklung, gibt es auch in diesen Fernsehserien weiterhin altbekannte Muster, wie z. B. den tragischen, isolierten und/oder am Ende toten Schwulen. Außerdem ist zu fragen, ob es durch diese Repräsentationen auch zu einer Entwertung und Unsichtbarmachung femininer schwuler Maskulinitäten kommt.
Uta Scheer, M. A., lehrt als Dozentin im Fach Geschlechterforschung an der Universität Göttingen. Ihre Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen in den Queer/Gender Media Studies. In ihren Publikationen hat sie sich u. a. mit den Geschlechterkonstruktionen und Sexualpolitiken in Science Fiction-Serien und Horrorfilmen auseinandergesetzt. Für das Vortragsthema relevante Publikationen (Auswahl) sind dabei: Queere Monster – Repräsentationspolitik im Horrorfilm am Beispiel von Hostel (2005). In: Kraß, Andreas (Hrsg.): Queer Studies in Deutschland. Frankfurt a. M. 2009, S. 239-258.; Männlichkeiten in den Medien – ein queerer Blick. In: Medien Journal 1/2005, S. 13-22; Gefährliche Liebschaften: Formwandler und Homosexualität in Star Trek: Deep Space Nine aus einer queeren Perspektive. In: Hipfl, Brigitte/Klaus, Elisabeth/Scheer, Uta (Hrsg.): Identitätsräume: Nation, Körper und Geschlecht in den Medien. Bielefeld: transcript 2004, S. S. 292-337.
Dieser Vortrag wird gefördert aus Mitteln des Landes Niedersachsen in Zusammenarbeit mit dem Schwulen Forum Niedersachsen.