Institut für Historische Landesforschung
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Geschichtsbilder und Geschichtspolitik des Hansischen Geschichtsvereins 1870-1980


„Es geht (…) darum, (…) den Geist der Hanse als Lebens- und Kulturgemeinschaft für die heutige Politik wieder nutzbar zu machen.“ (1) Diese Äußerung des ehemaligen Lübecker Bürgermeisters Knüppel belegt die symbiotische Beziehung zwischen der Politik und den Bemühungen zur Erforschung der `Hanse´. Maßgeblichen Anteil an der Definition von ‚Hanse‘ hat der in Lübeck beheimatete Hansische Geschichtsverein, der zu den wenigen europäisch agierenden und international wahrgenommenen deutschen Geschichtsvereinen gehört, der seine Ziele und sein Selbstbildnis nicht lokal oder regional, sondern inhaltlich und damit raumübergreifend ausrichtet, und der sich seit 1871 mit Hilfe von mehreren Publikationsreihen, einer Zeitschrift und regelmäßig stattfindenden Tagungen sowohl an ein breites Laienpublikum als auch an einen großen Kreis von Fachwissenschaftlern wendet. Damit nimmt er direkt wie indirekt auf die Forschung und Vermittlung der hansischen Geschichte Einfluss und bestimmt diese in Deutschland und Europa mit.
Das Projekt fragt sowohl nach der Konstruktion und Tradierung der vom Hansischen Geschichtsverein verbreiteten Bilder und Konzepte der Hanse, indem der Inhalt und die Entwicklung zentraler Begriffe der Hansegeschichte in einschlägigen Veröffentlichungen mithilfe der Begriffsgeschichte auf Inhalt und Konnotationen untersucht werden, als auch nach der Politik des Hansischen Geschichtsvereins, also beispielsweise nach Schwerpunktsetzungen, Forschungs- und Publikationsvorhaben, Personalentscheidungen und Stellungnahmen des Vereins ebenso wie nach Einflüssen oder Zuwendungen, die auf den Verein oder auf einzelne Mitglieder ausgeübt wurden. Dabei war es von Bedeutung, dass dem Verein von 1903 bis 1926 die Bürgermeister der Hansestadt Lübeck vorstanden. Dies hat sich insbesondere seit Ende des 2. Weltkriegs wesentlich geändert, doch nutzen die politisch Verantwortlichen bis heute tradierte Bilder und rekurrieren ihrerseits bei Bedarf auf den Hansischen Geschichtsverein. Eine wesentliche Rolle spielt auch, dass die Arbeit des Hansischen Geschichtsvereins nach 1955 von der innerdeutschen Teilung und der Gründung der „Arbeitsgemeinschaft des Hansischen Geschichtsvereins in der DDR“ mitbestimmt wurde. Drittens wird die Rezeption der Arbeit des Hansischen Geschichtsvereins insbesondere durch die Politik besonders in Lübeck analysiert. So standen dem Verein von 1903 bis 1926 die Bürgermeister der Hansestadt Lübeck vor und übten bedeutenden Einfluss aus. Auch der eingangs zitierte Robert Knüppel war von 1976 bis 1985 zeitgleich Bürgermeister und Vorsitzender des Hansischen Geschichtsvereins. Trotz umfassender Änderungen im Verhältnis zwischen historischer Wissenschaft und Politik rekurrieren politisch Verantwortliche bei Bedarf noch heute auf den Hansischen Geschichtsverein und nutzen tradierte Bilder, die es zu untersuchen gilt.






(1) http://www.monumente-online.de/07/01/leitartikel/03_Interview.php?seite=1 (letzter Zugriff 18.2.2010).





Universität Göttingen

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Elisabeth Reich


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