Seit dem Beginn des Lehrbetriebs an der Universität Göttingen im Wintersemester 1734/35 ist hier Unterricht in romanischen Sprachen (zunächst vor allem im Französischen und Italienischem, in geringerem Umfang im Spanischen) erteilt worden. Es gab gerade im 18. Jahrhundert eine beträchtliche Zahl von Sprachmeistern und Lektoren. Einige von ihnen stiegen zum Rang von Professoren auf: Antoine Rougemont (1699-1751), Isaac von Colom du Clos (1708-1795), François Solange d'Artaud (1769-1837), Jean François César (1795-1855).
Im Rahmen der allgemeinen "Litterärgeschichte" wurden gerade in Göttingen im 18. und frühen 19. Jahrhundert die romanischen Literaturen intensiv berücksichtigt. Die Lehrer waren Theologen, Historiker, Philosophen wie Johann Gottfried Eichhorn (1753-1827), Ludwig Heeren (1760-1842), Friedrich Bouterwek (1766-1828).
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Göttingen romanische Philologie als akademische Fachdisziplin. Es gab seitdem keine Professoren mehr für Französisch wie die vorher genannten, aber natürlich Lektoren.
Der erste der Göttinger Romanisten, der aber zugleich die englische Philologie vertrat, Theodor Müller (1816-1881), habilitierte sich 1845 in Göttingen und erhielt hier 1852 eine außerordentliche Professur für das Fach der neueren Sprachen und Literaturen. 1867 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt. Ihm folgte, ebenfalls als Professor für romanische und englische Philologie, Karl Vollmöller (1848-1922), der in Göttingen von 1881 bis 1893 lehrte. Auf Antrag Vollmöllers wurde im Wintersemester 1882/83 das Seminar für neuere Sprachen errichtet.
Neben dem Lehrstuhl Vollmöllers, dessen wissenschaftlicher Schwerpunkt in der Romanistik lag, gab es ein Extraordinariat für englische Philologie. Als dieses in ein Ordinariat umgewandelt wurde und der neue Lehrstuhl mit Prof. Alois Brandl (1855-1940, Professor in Göttingen von 1888 bis 1892) besetzt wurde, machte man die beiden Abteilungen zu selbständigen Seminaren. Bis 1912 waren diese in gemeinsamen Räumen untergebracht und wurden sogar erst zum l. April 1913 auch finanziell getrennt.
Die Nachfolger Vollmöllers hatten nur noch die romanische Philologie zu vertreten: Albert Stimming (1846-1922), Alfons Hilka (1877-1939), Wilhelm Kellermann (1907-1980). Von 1912 bis 1953 lehrte in Göttingen Walter Suchier (1878-1963) als Privatdozent, Lektor und seit 1921 außerplanmäßiger Professor.
Die Sprachwissenschaft vertrat von 1948 bis 1963 Rudolf Hallig (1902-1964) als Lektor und Privatdozent, seit 1953 als außerplanmäßiger Professor.
In den sechziger Jahren kam es zur Einrichtung neuer Lehrstühle: für Literaturwissenschaft 1961 (Heinrich Bihler, romanische Philologie mit besonderer Berücksichtigung der iberoromanischen Philologie) und 1964 (Jürgen von Stackelberg, Romanische Philologie und Komparatistik), für Sprachwissenschaft 1967 (Gustav Ineichen); dieser blieb der einzige Lehrstuhl für romanische Sprachwissenschaft in Göttingen. Hinzu traten Assistentenstellen und die neue Kategorie der Ratsstellen. Auch die Zahl der Lektoren wurde erhöht. 1987 wurde der Lehrkörper des Seminars durch Umsetzung um eine Professur für Sprachlehr- und -lernforschung mit besonderer Berücksichtigung der Didaktik des Französischen erweitert. Im Jahre 2000 wurde eine weitere Professur für Sprachwissenschaft eingerichtet.
Die Mittelalterabteilung des Seminars wurde 1983 mit der Professur für lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit zum Institut für Romanische und Lateinische Philologie des Mittelalters vereinigt. Die Bibliothek blieb dabei als romanistische Gesamtbibliothek erhalten. In ihr fand auch die mittellateinische Bibliothek ihren Platz.
Hermann Krapoth
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