Institut für Ethnologie und Ethnologische Sammlung

Archiv: 2008

Für schön befunden - Objekte im Spannungsfeld der Ästhetik

19.10.2008- 15.03.2009


Vorstellungen von dem, was als „schön“ gilt, findet man bei allen Menschen. Auch wenn ein „Sinn für das Schöne“ offenbar überall vorhanden ist, unterscheiden sich die Wahrnehmungen davon, welchen kulturellen Zeugnissen wir Menschen das Prädikat einer als schön empfundenen künstlerischen Schöpfung verleihen. Sieht man von den immateriellen Bezügen des Ästhetischen und seinem Performanzcharakter in der Musik, der Dichtkunst, dem Tanz oder dem Theater ab, so sind es innerhalb der Ethnologie vor allem Zeugnisse dinglicher Kultur, bei denen sich die Frage nach ihrer Ästhetik begreifen und diskutieren lässt.

Objekte wie die in der Ausstellung zu sehenden Masken, Figuren und übermodellierten menschlichen Schädel, Keramiken, Federarbeiten und Waffen aus Afrika, Asien, Ozeanien und Amerika können uns Informationen darüber liefern, welche ästhetischen Vorstellungen sich mit diesen Gegenständen für diejenigen verbinden, von denen sie stammen. Sie geben aber auch Aufschluss darüber, welchen europäisch geprägten ästhetischen Rezeptionsmustern diejenigen folgen, die diese Gegenstände ausgewählt und zu Ausstellungsexponaten gemacht haben.

Dienten diese Objekte an ihrem ursprünglichen Ort einst als Mittel der Kommunikation zwischen den Menschen untereinander bzw. zwischen den Menschen und übermenschlichen Wesen oder Mächten, entziehen sie sich aufgrund solcher sozial oder religiös bestimmten Funktionen eigentlich den europäischen tradierten Wertungen von „Kunst“ als „l´ art pour l´ art“ und ihrer Einbettung in Kategorien wie Malerei, Plastik und Grafik. Dennoch zeigen die ausgestellten Objekte, dass den Gesellschaften, die sie schufen und verwendeten, Kriterien der Beurteilung ästhetischer Leistungen keineswegs fremd waren. Wie der Schweizer Ethnologe Christian Kaufmann es einmal treffend formulierte, ist das Gute und Schöne eines solchen Objektes dabei das, „was die überlieferte Einheit von Inhalt und Form besonders einprägsam festhält und weitergibt“. So lassen sich ästhetische Parameter bei außereuropäischen Werken erkennen, die sich über deren Stil-, Form-, Farb- und bildnerische Motivgebung erschließen. Und diese formalen Merkmale in ihrem Grad von Abstraktion und funktionaler Perfektion, Prestigewertigkeit, Erhabenheit, Dauerhaftigkeit oder innerer spiritueller Kraft bestimmen, ob ein Objekt im indigenen Kontext eine besondere Würdigung als schön empfundener und künstlerisch besonders gelungener Gegenstand erfährt, ohne dass es in dieser fremden Gesellschaft ein Wort für Kunst oder Ästhetik geben mag.

Die Ausstellung ist das Resultat eines Museumspraktikums für Studierende der Ethnologie unter der Leitung von Dr. Gundolf Krüger. Zur Austellung gibt es einen Leitfaden (46 Seiten).