Sprachwissenschaftliches Seminar
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Profil: Indogermanische Sprachwissenschaft


Zentrale Fragestellung


Sprachwandel geschieht ständig. Wenn Sie einen Text aus dem 19.
Jahrhundert mit einem unserer Zeit vergleichen, werden Sie feststellen,
dass manche Wörter heute eine andere Bedeutung haben als damals. Im
frühen 19. Jahrhundert z.B. hat das Wort "englisch" auch die Bedeutung
"von den Engeln", heute nicht mehr. Das Wort "Kopf", das mit englisch
"cup" verwandt ist, bezeichnet ursprünglich ein Trinkgefäß. Sprachwandel
betrifft aber nicht nur einzelne Wörter und ihre Bedeutung, sondern
auch grammatische Formen und Laute. Was im Mittelhochdeutschen "mn"
hieß, lautet heute "mein", wo man früher "muosen" sagte, heißt es heute
"mussten".


Die Indogermanische Sprachwissenschaft beschäftigt sich mit
Sprachwandel. Sie beschränkt sich aber nicht auf das Deutsche, sondern
geht von der Hypothese aus, dass ungefähr um 5000 vor unserer Zeit eine
Sprache existiert hat, aus der sich eine Vielzahl der modernen
europäischen und indisch-iranischen Sprachen entwickelt haben. Ziel der
Indogermanischen Sprachwissenschaft ist es, die
Verwandtschaftsbeziehungen zwischen diesen Sprachen zu dokumentieren und
die gemeinsame Ursprache, die uns nicht überliefert ist, zu
rekonstruieren. Zu diesem Zweck untersucht man in der indogermanischen
Sprachwissenschaft die ältesten überlieferten Sprachstufen z.B. des
Griechischen, Lateinischen, Slawischen, Altindischen und einiger anderer
Sprachen. Der systematische Vergleich der Laute und Formen dieser
Sprachen erlaubt es, Wege des Sprachwandels zu dokumentieren und den
gemeinsamen Vorläufer der Laute und Formen zu finden. So führt z.B. der
Vergleich von griechisch pate:r, lateinisch pater, gotisch fadar, altirisch athir und altindisch pitar (alle "Vater") zum Ansatz eines indogermanischen Wortes pəter (bzw. ph2ter),
ebenfalls mit der Bedeutung "Vater". Dieses Wort ist so nicht belegt,
kann aber aufgrund regelmäßiger Lautentsprechungen zwischen den
einzelnen Sprachen sicher rekonstruiert werden.


Studienverlauf


Interessenten an dem Profil "Indogermanische Sprachwissenschaft" des
Studiengangs "Allgemeine Sprachwissenschaft" sollten eine Neigung zur
Beschäftigung mit Altsprachen haben. Neugier auf alte und aus heutiger
Sicht mitunter sehr fremdartige Texte ist ebenso Voraussetzung wie ein
reges Interesse an grammatischen Strukturen und jeder Form von
Sprachwandel. Lateinkenntnisse sind eine notwendige Voraussetzung für
das Studium. Altgriechisch und die altindische Sprache Sanskrit gehören
zu den wichtigsten Sprachen, mit denen Sie sich im Studium beschäftigen
werden. Je nach Interesse kommen weitere wie das Altkirchenslavische,
das Gotische oder das Hethitische hinzu.



Entscheidungsprobleme?


Falls Sie sich noch nicht sicher sind, welches Profil für Sie das
Richtige ist und Sie das Indogermanistische Profil definitiv in Betracht
ziehen, dann sollten Sie die Sprachen für dieses Profil belegen. Sollte
sich herausstellen, dass Sie dann doch lieber das Sprachbeschreibende
Profil machen möchten, ist das kein Problem. Die altindogermanische
Sprache, die Sie dann gelernt haben, können Sie ohne Probleme
"mitnehmen". (Der umgekehrte Fall ist leider nicht möglich, d.h. Sie
könnten sich z.B. Finnisch nicht als altindogermanische Sprache
anrechnen lassen.)








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