Institut für Regionalforschung e.V.

NIEDRIGLOHNSEKTOR:




24/06/2013:
Mehr als acht Millionen Menschen haben 2011 für Niedriglöhne gearbeitet

Nachdem das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) bereits Anfang April 2013 erste Zahlen zur Niedriglohnbeschäftigung in Ost- und Westdeutschland für das Jahr 2011 genannt hatte (siehe 10.04.2013), hat nun auch das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen eine Auswertung von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) vorgelegt, um die Entwicklung des Niedriglohnsektors im Jahr 2011 zu dokumentieren. Anders als beim IWH sind bei der IAQ-Analyse erneut (vgl. 13.03.2012) auch die Verdienstangaben von Schüler/innen, Studierenden und Rentner/innen mit einbezogen worden. Resultat: Gegenüber 2010 ist die Zahl der Geringverdiener noch einmal leicht gestiegen auf knapp 8,1 Millionen.

Wie das IAQ in einer Pressemeldung dazu bekannt gab, sei unter Zugrundelegung einer bundeseinheitlichen Niedriglohnschwelle von 9,14 Euro auch im Jahr 2011 fast jeder Vierte (23,9 Prozent) von Niedriglöhnen betroffen gewesen. Dabei hätten die durchschnittlichen Bruttostundensätze im Niedriglohnsektor mit 6,46 Euro in West- und 6,21 Euro in Ostdeutschland immer noch weit unter dieser Schwelle gelegen.

Bundesweit hätten insgesamt knapp 7 Millionen Beschäftigte für weniger als die als gesetzlicher Mindestlohn geforderten 8,50 Euro pro Stunde gearbeitet – das sei gut jede/r Fünfte (18 Prozent der Beschäftigten in West- und 32,2 Prozent in Ostdeutschland). Selbst von den Vollzeitbeschäftigten hätte gut jede/r Achte (insgesamt 2,75 Millionen) bei Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro Anspruch auf eine Erhöhung gehabt. Fast 3 Millionen Beschäftigte hätten im Jahr 2011 sogar weniger als 6 Euro pro Stunde verdient, bundesweit seien das 8,7 Prozent.

Weiterhin am stärksten von Niedriglöhnen betroffen seien die geringfügig Beschäftigten. 71,2 Prozent aller Minijobber hätten 2011 für niedrige Stundensätze gearbeitet. Sie stellten mit 36 Prozent auch einen beachtlichen Anteil aller Niedriglohnbeschäftigten in Deutschland.

Quelle: IAQ-Pressemitteilung vom 24.06.2013

Weiterlesen:
Kalina, T./ Weinkopf, C. (2013): Niedriglohnbeschäftigung 2011: Weiterhin arbeitet fast ein Viertel der Beschäftigten in Deutschland für einen Niedriglohn. IAQ-Report, Nr. 1/2013.

Kalina, T./ Weinkopf, C. (2012): Niedriglohnbeschäftigung 2010: Fast jede/r Vierte arbeitet für Niedriglohn. IAQ-Report Nr. 1/2012.