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Ringvorlesung Tradition · Autonomie · Innovation


Öffentliche Ringvorlesung im Sommersemester 2012
Dienstag, 18 Uhr c.t.
Aula am Wilhelmsplatz



Im Jubiläumsjahr lädt die Universität Göttingen im Sommersemester 2012 zu einer Ringvorlesung ein, die sich thematisch in zwei Teile gliedert: In der ersten Hälfte werden bis Anfang Juni 2012 in sieben Vorträgen die Geschichte der Universitätsgründung im Zeitalter der Aufklärung sowie die darauf folgenden Jubiläen bis zur 250-Jahrfeier im Jahre 1987 behandelt. In den historisch ausgerichteten Vorträgen werden Ziele, Motive und zeitgeschichtliche Bedingungen thematisiert, die zur Gründung und Weiterentwicklung der Georgia Augusta geführt haben. Im Zusammenhang mit den durchgängig aus unterschiedlichen Gründen missglückten Feiern zu Gründungsjubiläen sollen die dafür verantwortlichen zumeist politischen Umstände zur Sprache kommen. Ab Mitte Juni 2012 folgen fünf weitere Vorträge, die sich mit der Zukunft der Wissenschaften auseinandersetzen. Mit ihnen soll ein Ausblick in die Zukunft der Wissenschaften gewagt werden, der paradigmatisch von einzelnen Wissenschaftsgebieten vorgestellt werden wird. Damit soll auch die Weiterentwicklung der Universität in den Blick genommen werden.

  • Begleitext zur Ringvorlesung



  • Die Georgia Augusta im Spiegel ihrer Jubiläen


    17. April 2012:
    Horte der Freiheit oder der Rückständigkeit?
    Die europäischen Universitäten der Vormoderne
    Prof. Dr. Frank Rexroth (Göttingen)

    Als die Göttinger Universität ihren Betrieb aufnahm, gab es in Europa bereits seit einem halben Jahrtausend Universitäten. Frank Rexroth erörtert anhand der vormodernen Geschichte dieser Einrichtungen deren besondere – und besonders langlebige – Eigenschaften. Vor diesem Hintergrund wird es in den folgenden Vorlesungen eher möglich sein einzuschätzen, wie traditionell bzw. innovativ die Göttinger Stiftung gewesen ist.



    24. April 2012: Actus publicus academicus
    Die Gründungsfeierlichkeiten der Universität Göttingen 1737
    Prof. Dr. Marian Füssel (Göttingen)
    Grundzüge akademischer Festkultur im Zeitalter der Aufklärung werden anhand der Göttinger Inaugurationsfeierlichkeiten von 1737 beleuchtet. Die universitäre Gemeinschaft repräsentierte in zahlreichen öffentlichen Akten symbolisch ihren neu geschaffenen Status und ihre Handlungsfähigkeit. Ein Vorgang, der nicht frei von Spannungen war. Von der Abwesenheit des Landesherrn und Gründers bis hin zu studentischen Tumulten zeigt eine genauere Betrachtung der Göttinger Feierlichkeiten auch die Konfliktzonen und Machtverhältnisse einer jungen Hochschule auf.


    8. Mai 2012: »... die erste und vorzüglichste unter allen in Deutschland ...«
    Göttinger Exzellenz um 1800
    Prof. Dr. Thomas Kaufmann (Göttingen)

    Dass Göttingen eine herausragende Universität Deutschlands, ja Europas sei, entsprach um 1800 nicht mehr nur der bemüht inszenierten Selbstdarstellung, sondern auch einer verbreiteten Außensicht auf die südniedersächsische Geistesmetropole. Der Vortrag versucht die Motive und Ursachen für Göttingens Prominenz durchsichtig zu machen und ohne lokalpatriotische Stilisierung zu verobjektivieren.


    15. Mai 2012: Universität und Protest im Vormärz
    Das Jubiläum von 1837
    Prof. Dr. Rebekka Habermas (Göttingen)

    In diesem Vortrag wird es vor allem um die Frage gehen, wie sich die Universität in 1830er Jahren, die nicht zuletzt unter dem Eindruck der revolutionären Ereignisse in Paris, Brüssel und Polen und schließlich auch aufgrund des Protestschreibens der Göttinger Sieben, politisch sehr bewegt waren, präsentierte.


    22. Mai 2012: Göttingen 1887 – Talar und Pickelhaube
    Marginalisierung oder Exzellenzzentrum im Kaiserreich?
    Prof. (em.) Dr. Rüdiger vom Bruch (Berlin)

    Mit dem Untergang des Königreiches Hannover 1866 wurde die Universität Göttingen in das Königreich Preußen eingegliedert und fand sich mit diesem 1871 in einem neuen Kaiserreich wieder. Das Jubiläum 1887 markiert eine Grenzscheide: einerseits nahm die Universität einen neuen Platz in dem 1882 einsetzenden „System Althoff“ ein, mit systematisch angelegten Schwerpunktbildungen innerhalb der preußischen Universitätslandschaft, andererseits befand man sich noch am Vorabend einer ausgreifenden deutschen Weltpolitik, welche sich gemäß Adolf Harnack auf Wissenschaft, Wirtschaft und „schimmernde Wehr“ stützte. Wie sah man diese Situation in Göttingen selbst, welche Rolle spielte die vormalige Lokomotive einer ressourcenstarken Forschungsuniversität im Kaiserreich?


    Mittwoch, 30. Mai 2012 · 20.00 Uhr: Wissenschaft und Führerprinzip
    Das Jubiläum der Georgia Augusta von 1937
    PD Dr. Habbo Knoch (Göttingen)

    Der Einbruch des Nationalsozialismus in die Wissenschaft erfolgte nicht nur durch politische Säuberung und Gleichschaltung von außen. Am Göttinger Universitätsjubiläum von 1937 lässt sich zeigen, wie innere Übernahme, opportunistische Selbstanpassung und demonstrativer Rückzug zur Auflösung der akademischen Korporation beitrugen. Deren Einheit wurde gleichwohl im Widerschein des Führerkultes inszeniert. So trug die Verlockung einer zumindest symbolischen Teilhabe an der Macht in einer für das NS-System charakteristischen Weise zur Preisgabe liberaler Aufklärungsideale und akademischer Unabhängigkeit bei.

    5. Juni 2012: Die blockierte Universität
    Die 250. Jahrfeier 1987
    Prof. (em.) Dr. Horst Kern (Göttingen)

    Das Jubiläum 1987 stand unter dem Druck widerstreitender Kräfte: der Politik (speziell auch der Landesregierung), die trotz eines prekäreren Budgets den Universitäten immer größere Studentenzahlen zumutete; der Professorenschaft, die noch stark dem traditionellen Universitätsmodell anhing und sich mit den Bedingungen des Massenstudiums schwertat; den Studenten, von denen viele das Studium als Moratorium vor dem Einstieg in zunehmend ungewisse Erwerbsverläufe, kaum mehr als zweckfreien Bildungsprozess verstanden, während eine Minderheit die aufbrechenden Widersprüche zu politisieren und radikalisieren trachtete. Diese Kräfte schossen im Sommersemester 1987 in Göttingen zusammen und destruierten eine Jubelfeier, die noch ganz im klassischen Universitätsverständnis konzipiert worden war. Im Göttinger Jubiläum 1987 lassen sich auf exemplarische Weise jene Konfrontationen fassen, die die Entwicklung der deutschen Universität in den letzten Jahrzehnten blockiert haben.


    Herausforderungen für die Georgia Augusta


    12. Juni 2012: Die Zukunft der Literaturwissenschaft
    Diskussionen um Hermeneutik und Philologie
    Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Detering (Göttingen)

    Vielleicht ist das Erstaunlichste an der literaturwissenschaftlichen Hermeneutik die Zahl und Intensität der Angriffe, die sie überlebt hat. Die antihermeneutischen Gegenentwürfe der letzten Jahrzehnte bieten dafür anschauliche Beispiele. Unter den Grundfragen der literaturwissenschaftlichen Fächer, die besonders lebhaft diskutiert worden sind, gehört das Verhältnis von Hermeneutik und Philologie zu den wichtigsten; hier steht nicht weniger in Rede als die Frage nach den Aufgaben der Literaturwissenschaft.

    19. Juni 2012: Roboter mit kognitiven Eigenschaften: Möglich? Sinnvoll? Gewünscht?
    Aktuelle Entwicklung auf dem Gebiet der Robotik
    Prof. Dr. Florentin Wörgötter (Göttingen)
    Seit Jahrhunderten gibt es Gedanken zur Frage, ob man den Menschen künstlich z.B. durch Maschinen, nachbilden kann. Werden solchen Maschinen uns ersetzen, werden sie uns gar vertreiben? Wir sind nach wie vor weit davon entfernt Roboter mit menschenähnlicher Funktion zu bauen. Dennoch ist es klar, dass teilweise-selbstständige, künstliche Agenten immer mehr Einfluss auf uns ausüben: Wer von uns hat sich nicht schon über "die Entscheidungen" seines Computers oder Handies geärgert? Dieser Vortrag befasst sich also mit den Fragen: Was ist also derzeit auf diesem Sektor schon möglich und woran wird in diesem Feld derzeit geforscht?

    26. Juni 2012: Rechtswissenschaft in der globalisierten Welt
    Globalisierung und Fragmentierung als Herausforderungen der Rechtswissenschaft
    Prof. Dr. Andreas Paulus (Bundesverfassungsgericht)

    Seit der Herausbildung des souveränen Nationalstaats konzentrierten sich Rechtswissenschaft und Rechtstheorie auf das nationalstaatliche Recht als hierarchische Normenordnung und – mehr oder minder stark davon getrennt - die Herausbildung zwischenstaatlicher Rechtsbeziehungen. Im Zeitalter der Globalisierung wird das innerstaatliche Recht zunehmend durch überstaatliche und internationale, aber auch nichtstaatliche Regulierung geprägt, ohne dass es ein einheitliches hierarchisches Rechtssystem gibt, das die disparaten Ebenen zusammenfasste. Die Rechtswissenschaft wird sich sehr viel stärker mit den Beziehungen zwischen verschiedenen Rechtssystemen beschäftigen, dabei aber auch die Grenzen der Autorität nichtstaatlicher Rechtsetzung, insbesondere im Erfordernis demokratischer Legitimation aller öffentlichen Gewalt, im Blick behalten müssen.



    3. Juli 2012: Einstein’s Universe
    A Journey to the Heart of Matter
    Prof. Dr. Brian Foster (Hamburg), Humboldt-Professor an der Universität Hamburg und am Forschungszentrum DESY

    Mit Musik von Bach, Mozart und Kreisler von Jack Liebeck (Violine)
    Vortrag in englischer Sprache mit einer Einführung durch Prof. Dr. Arnulf Quadt (Göttingen) in deutscher Sprache
    Einstein's Universe is a lecture, exploring one of the main areas of Einstein's scientific work, the theory of the behaviour of atoms and subatomic particles known as "quantum mechanics". The format of the lecture links Einstein's favourite instrument, the violin, with many of the concepts of modern physics that he did so much to found. The performance begins with an introduction to Einstein's life and involvement with music and how his ideas have shaped our concepts of space, time and the evolution of the Universe. Prof. Brian Foster discusses the physics concepts and their relation to modern particle physics projects such as the Large Hadron Collider at CERN in Geneva or even future projects. These slides are accompanied by music from J.S. Bach's Sonatas and Partitas for Solo Violin, some of Einstein's favourite music as performed by the concert violonist Jack Liebeck and Prof. Brian Foster. The lecture is punctuated by other musical interludes of music related to Einstein.

    10. Juli 2012: Wie sehen wir die Welt?
    Die visuelle Aufmerksamkeit als Architektin unserer Wahrnehmung
    Prof. Dr. Stefan Treue (Göttingen)

    Die Verarbeitung von Sinnesinformationen ist ein aktiver Prozess der Filterung, Verstärkung und Umformung, der es uns ermöglicht, eine effiziente und hilfreiche interne Repräsentation unsere Umwelt zu erzeugen. Der Vortrag stellt Unter-suchungen an Menschen und Rhesus-Affen vor, die grundlegende und überraschende Erkenntnisse über die Bedeutung, sowie die Stärken und Schwächen dieses Konstruktionsprozess erlauben.






    Koordination der Ringvorlesung:
    Prof. Dr. Dr. h.c. Gerd Lüer, Prof. Dr. Horst Kern
    Mit Unterstützung des Universitätsbundes Göttingen e.V.



    Die Aufzeichnungen der Vorträge werden jeweils am darauf folgenden Mittwoch um 12 Uhr im Stadt Radio Göttingen (107,1 MHz) ausgestrahlt sind anschließend langfristig unter der Internet- Adresse des Universitätsverlages aufrufbar: http://www.univerlag.uni-goettingen.de/

    Kontakt:
    Öffentlichkeitsarbeit
    Wilhelmsplatz 1 (Aulagebäude)
    37073 Göttingen
    Tel. + 49 (0)551 / 39-4342
    Fax + 49 (0)551 / 39-4251
Flyer Ringvorlesung