Institut für Regionalforschung e.V.

23/01/2012: Boom bei den Minijobs hält an

Nach Angaben aus der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit hat die Zahl der Minijobs im Juni 2011 mit über 7,386 Millionen geringfügig Beschäftigten einen neuen Höchststand seit der Neuregelung im Jahr 2003 erreicht. Gegenüber dem Jahr zuvor sind das gut 112.000 Personen mehr, was einem Zuwachs von 1,5 Prozent entspricht. Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten ist in diesem Zeitraum zwar von 4,916 Mio. auf 4,894 Mio. um 0,5 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig stieg aber die Zahl derjenigen, die einen 400-Euro-Job als Nebenjob ausübten, um 5,7 Prozent auf annähernd 2,493 Mio.

Spiegel Online hebt in einem diesbezüglichen Bericht hervor, dass der Anstieg vor allem darauf zurückgehe, dass sich immer mehr Menschen mit einem Minijob ein Zubrot zu ihrer Hauptbeschäftigung verdienten: wenn das Gehalt nicht ausreiche, würden sich viele Deutsche etwas Geld in einem Minijob dazu verdienen. Und dies sei nach Ansicht der Bundesagentur für Arbeit (BA) ein längerfristiges Phänomen, das nicht an Konjunkturzyklen gebunden sei. Es sei daher „nur ein Zufall“, dass Minijob-Rekord und Wirtschaftsboom zeitgleich aufträten.

Der Boom bei den Minijobs wird schon seit längerem kritisch gesehen, weil er mitverantwortlich ist für die Ausweitung prekärer und niedrig entlohnter Beschäftigung zu Lasten gut entlohnter regulärer Arbeitsverhältnisse. Erst kürzlich hat die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung neue wissenschaftliche Beiträge zum Thema Minijobs veröffentlicht, die einmal mehr zeigen, dass die Zunahme von geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen maßgeblich zur Ausweitung des Niedriglohnsektors beträgt (siehe 16.01.2012 und 19.01.2012).

Quelle: Spiegel Online vom 23.01.2012

Weiterlesen: Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2012): Beschäftigungsstatistik, Beschäftigung, Nürnberg, Januar.