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Das Bioenergiedorf Jühnde im Landkreis Göttingen.





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Presseinformation: Bioenergiedörfer fordern mehr Unterstützung durch Politik


Nr. 304/2015 - 09.12.2015


„Jühnder Erklärung“ kritisiert rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen in Deutschland

(pug) Die Betreiber von mehr als 20 Bioenergiedörfern und -initiativen in Deutschland haben in einer gemeinsamen Erklärung mehr Unterstützung für bestehende und neue Bioenergieprojekte gefordert. Die Unterzeichner der so genannten Jühnder Erklärung kritisierten die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für Bioenergiedörfer in Deutschland. Sie fordern unter anderem eine Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), finanzielle und personelle Unterstützung von ehrenamtlichen Initiativen durch Länder, Landkreise und Kommunen sowie ein flächendeckendes Programm zur effizienteren Nutzung von bestehenden Biogasanlagen.

Zu den Initiatoren der Erklärung gehört auch das Interdisziplinäre Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (IZNE) der Universität Göttingen. „Wir verstehen die Erklärung als einen Appell an Politiker, die Bedingungen für Bioenergiedörfer zu verbessern“, so der Leiter des IZNE, Prof. Dr. Hans Ruppert. „Biogasanlagen müssen auch künftig eine wichtige Rolle bei der Energiewende spielen, insbesondere zur bedarfsorientierten Lieferung von Strom bei Sonne- und Windflauten, und vor allem während des Winters, wenn auch noch der Aspekt der Wärmenutzung hinzukommt.“

Konkret fordern die Unterzeichner der Erklärung eine Überarbeitung des EEG von 2014 mit höherer Förderung von neuen Biogasanlagen mit sinnvollen Wärmekonzepten und nachhaltiger Biomasseerzeugung, längeren Förderzeiträumen und eine Fortsetzung der Flexibilitätsprämie für die Spitzenlastfähigkeit von Anlagen. Kommunen und Landkreise sollen ehrenamtliche Initiativen fachlich beraten, finanziell fördern und durch die Übernahme von Bürgschaften bei der Kreditaufnahme unterstützen. Klimaschutzaktivitäten sollen in den Kommunen nicht mehr den freiwilligen Leistungen, sondern den Pflichtaufgaben zugerechnet werden. Das sogenannte 1.000-Dörfer-Programm soll Fehlsteuerungen der bundesweit mehr als 8.000 Biogasanlagen korrigieren, sie effizienter machen und die Entwicklung der Anlagen zu Bioenergiedörfern vorantreiben. Gleichzeitig sollen die Rahmenbedingungen zur regionalen Vermarktung von Strom verbessert und die bestehende Wettbewerbsverzerrung auf dem Energiemarkt korrigiert werden.

Den Inhalt der Jühnder Erklärung erarbeiteten die Unterzeichner während einer Tagung zum zehnjährigen Bestehen des Bioenergiedorfes Jühnde im Sommer dieses Jahres. Das Bioenergiedorf Jühnde im Landkreis Göttingen hatte 2005 seinen Betrieb aufgenommen. Damit war der 1.000-Einwohner-Ort in Südniedersachsen Wegbereiter für mehr als 150 weitere Bioenergiedörfer in ganz Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IZNE haben das Projekt konzipiert, angestoßen und begleitet und darüber hinaus weitere Bioenergiedörfer auf den Weg gebracht.

Die Jühnder Erklärung hat bereits mehr als 20 Initiativen und Dörfer als Unterstützer und wird zurzeit weiter verbreitet. „Mit der Jühnder Erklärung entsteht ein ganz neuer Zusammenhalt zwischen den Dörfern, so dass wir unsere Erfolgsgeschichte fortsetzen können“, so Eckhard Fangmeier, Vorstand und Sprecher der Bioenergiedorf Jühnde e.G. Weitere Informationen über das IZNE und die Jühnder Erklärung im Wortlaut sind im Internet unter www.bioenergiedorf.info und www.bioenergie.uni-goettingen.de zu finden.

Kontaktadresse:
Dr. Benedikt Sauer
Georg-August-Universität Göttingen
Interdisziplinäres Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (IZNE)
Goldschmidtstraße 1, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-13736
E-Mail: bsauer@gwdg.de
Internet: www.izne.uni-goettingen.de