Lichtenberg-Kolleg - The Göttingen Institute for Advanced Study
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Forschungs- und Editionsprojekt "Anne Franks Tagebücher"


in Kooperation mit dem Fritz Bauer Institut


Das Tagebuch der Anne Frank, das ihre Eintragungen im Amsterdamer Versteck zwischen dem 12. Juni 1942 und dem 1. August 1944 enthält, hat weltweit die Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust maßgeblich mitbestimmt. Das 1945 in Bergen-Belsen verstorbene Mädchen wurde zum bekanntesten jüdischen Holocaustopfer. Kein anderes Dokument hat so viele Menschen in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen für die Geschichte der Verfolgung und des Massenmords an den europäischen Juden zu interessieren vermocht. Das Tagebuch bildet mithin das bedrängte und prekäre Leben einer europäischen Flüchtlingsfamilie im Amsterdamer Versteck aus Sicht eines heranwachsenden, lebensfrohen und begabten jungen Mädchens ab. Anne Franks Aufzeichnungen thematisieren zwar nicht den Holocaust, da sie mit dem Verrat, der Verhaftung und schließlich der Deportation der Untergetauchten einen erzwungenen Abschluss erfahren. Gleichwohl liefert das Schicksal der europäischen Juden – ihre Verfolgung, Deportation in Vernichtungslager und ihre Ermordung – aber die Folie, vor der ihre Notizen überhaupt erst möglich werden, da die Familie Frank als Teil der jüdischen Bevölkerung aufgrund der tödlichen Bedrohung durch die Nationalsozialisten erst in den Untergrund gezwungen werden. Anne Franks Tagebuch, das für viele als Urtext der Auseinandersetzung mit dem Holocaust fungiert, ist demnach das meistgelesene Zeugnis eines Ereignisses, welches lediglich als fernes Echo anwesend ist.

Da der ursprüngliche Text zu weiten Teilen die historische Verankerung verlor und für recht breit gefasste menschenrechtliche oder moralische Ziele verwendet wurde – aus historischer Sicht nicht unproblematisch –, soll die Geschichte des Tagebuchs innerhalb dieses Projektes vor dem Hintergrund einer eher vergleichenden europäischen, wenn nicht sogar globalen Kultur-, Geistes-, Literatur- und Politikgeschichte interpretiert werden. Deshalb wird für die neue Edition großer Wert darauf gelegt, die ursprüngliche Sprache des 14-jährigen Mädchens Anne in den Texten historisch angemessen darzustellen. Dabei werden sowohl der deutsche Übersetzer Rolf Erdorf als auch die englische Übersetzerin Diane Webb versuchen, die Sprache von Anne in ihrer eigenen literarischen Qualität nachzuzeichnen und auf jegliche literarische Bearbeitung zu verzichten. Hauptanliegen der neuen Edition ist es demnach, das 14-jährige Mädchen Anne in den Texten wieder erkennbar zu machen.

Im Mittelpunkt dieses international angelegten Forschungsvorhabens steht somit, eine genaue Kontextualisierung des Textes zu erarbeiten und die Rezeptionsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte, sei es in Buchform, als Theaterstück, im Kino oder in musikalischen Bearbeitungen, zu untersuchen.



Fellows:

Kata Bohus
Iwona Guść
Gerben Zaagsma



Participating scholars at the Göttingen Campus:







LiKo_AnneFrank

© Anne Frank Fonds, Basel


Georg-August-Universität Göttingen
Lichtenberg-Kolleg
Historische Sternwarte
Geismar Landstraße 11
37083 Göttingen


Koordinatorin der Forschungsgruppe:
Dr. Kora Baumbach
Tel. +49 551 39-10751
E-Mail




Website des Projekts:
http://annefrank-researchproject.eu/