Forstbotanischer Garten

Gestalt

Die Eberesche kommt als Baum oder in Strauchform vor und besitzt eine lockere und lichtdurchlässige Krone (s. Abb. 01). Der Baum kann eine Höhe von 15 m bis 25 m erreichen. Der maximale Durchmesser in Brusthöhe beträgt ca. 50 cm (Dorenbusch, 2006).
Als Pionierbaumart hat sie ein schnelles Jugendwachstum, das in höherem Alter rasch nachlässt. Ihr Höchstalter beträgt 150 Jahre, dass sie jedoch nur im Gebirge erreichen dürfte, da dort die Konkurrenz weitgehend fehlt. Im Flachland kann die Eberesche 60 bis 80 Jahre alt werden (Erlbeck, 1982).


Knospen

Die Knospen sind spitz-eiförmig, haben eine
dunkelbraune bis schwarze Farbe und sind
im Winter zum Teil dicht weiß-filzig behaart
(Godet, 1999) (s. Abb. 03).

Knospe
Abb. 03: Knospe der Eberesche
(Foto: www.baumkunde.de)



Blätter

Die Blätter bilden sich ab Anfang April, sind 10 – 15 cm lang, sind unpaarig gefiedert und stehen wechselständig an den Zweigen. An einem Blatt sind meist 9 – 19 länglich und kurz zugespitzte Fiedern (s. Abb. 04).
Der Rand ist rundum einfach gesägt. Die oberseits dunkelgrünen und unterseits filziggraugrünen Blätter färben sich im Herbst gelb, auf trockenen Standorten rot (Erlbeck, 1998).
Die Streu der Eberesche ist sehr leicht zersetzbar und enthält relativ viel Magnesium. Sie kann so den Bodenzustand erheblich verbessern, vor allem an nährstoffarmen oder problematischen Standorten (Erlbeck, 1982).

Blatt
Abb. 04: Blatt der Eberesche
(Foto: K. EHLMANN)



Blüten

Die kleinen, in Doldenrispen zusammengefassten gelblich weißen Blüten sind für sich allein unscheinbar, in ihrer Gesamtheit aber recht auffallend (s. Abb. 05). Die Einzelblüte (s. Abb. 06) besteht aus 5 Blütenblättern, 3 Griffel und 20 Staubblättern. Den Duft des Blütenstandes der Eberesche empfinden die meisten Menschen als unangenehm. Aufgrund dieses durch Methylamin verursachten Geruches werden zahlreiche Insekten zur Bestäubung angelockt (Erlbeck, 1998).

Bluetendolde Einzelbluete
Abb. 05 und 06: Blütendolde und Einzelblüte der Eberesche
(Foto: K. EHLMANN)



Früchte

Ab August bis Oktober sind die eindrucksvollen, hängenden Fruchtstände zu erkennen (s. Abb. 07). In den etwa einen Zentimeter großen kugeligen Beeren befinden sich meist drei spitze Samen. Erst mit der Reife nehmen die zuerst grünlichen, später gelblichen Beeren ihre leuchtende, scharlachrote Farbe an (www.giffon.de). Die Früchte haben einen unangenehmen, säuerlich-bitteren Geschmack, der von dem hohen Gehalt an Apfelsäure (3 %) und Gerbstoffen stammt. Daneben sind in den Beeren auch etwa 1% Pektin und bis zu 13 % Zucker enthalten. Die Vogelbeeren haben einen relativ hohen Anteil an Vitamin C und besitzen Provitamin. Diese Eigenschaften machen die Eberesche in der Naturheilkunde recht interessant (Erlbeck, 1998).

Beeren
Abb. 07: Fruchtstand der Eberesche
(Foto: K. EHLMANN)


Die fleischigen Scheinfrüchte sind aber auch eine beliebte Nahrung zahlreicher Singvögel. Da die Früchte bis in den Winter hinein am Baum hängen bleiben sichern sie die Nahrungsgrundlage der Vögel, wenn die Insekten im Spätherbst weniger werden (www.baum-des-jahres.de). Besonders attraktiv werden die Beeren nach dem ersten Frost, da der Zuckergehalt dann angestiegen ist. Die Früchte beginnen zu gären und erreichen so Alkoholgehalte zwischen 3 und 5 Prozent. Die Vögel, die solche Früchte aufnehmen, können Spitzenwerte von 3 Promille Alkohol im Blut erreichen. Da es aber für diese Tiere bei zahlreichen Feinden wichtig ist schnell wieder auszunüchtern, hat sich bei ihnen, als Anpassung an diese Nahrungsquelle, ein Enzym entwickelt, das Alkohol 14 mal schneller abbaut als beim Menschen. Damit sind die Vögel in der Lage die Beeren ohne körperlichen Schaden zu verspeisen (Schmidt, 1998). Aber auch Säugetiere, wie Fuchs und Dachs nehmen die Früchte auf und fördern damit gleichzeitig sehr effektiv die Verbreitung der Eberesche, denn das Fruchtfleisch der Beeren enthält keimhemmende Stoffe, die beim Passieren des Magens der Tiere beseitigt werden (www.baum-des-jahres.de). Die Samen können bis zu fünf Jahre im Erdreich liegen und in dieser Zeit bei günstigen Bedingungen keimen (Erlbeck, 1998).


Stamm, Rinde

Der Stamm ist rund und schlank. Die Rinde bleibt bis ins höhere Baumalter glatt. Sie ist silber- bis gelblichgrau, matt glänzend und besitzt als auffälliges Merkmal große, länglich, quer verlaufende Korkwarzen (kleine dem Gasaustausch dienende Öffnungen) (s. Abb. 8). Erst sehr spät im Alter wird sie zu einer längsrissigen, grauschwarzen Borke (Dreyer, 2000) (s. Abb. 9).

JungerStamm alterStamm
Abb. 08 und 09: Rinde des jungen Baumes und Borke des alten Baumes
(Foto: K. EHLMANN)



Wurzeln

Die Vogelbeere hat ein typisches Senkerwurzelsystem, auf Pseudogleyen wurzelt auch sie relativ flach. Wie bei allen Sorbus-Arten sind die Wurzeln von einer Mykorrhiza, einem Pilzpartner im Wurzelraum, der die Nährstoffaufnahme erleichtert, umgeben (Erlbeck, 1982). Ihre Fähigkeit zur reichlichen Vermehrung durch Wurzelbrut, das sind Pflanzenteile, die aus oberflächennahen Wurzeln der Mutterpflanze ausschlagen, und die Tatsache, das ihre weitreichenden Wurzeln größere Tiefen durchdringen können, machen sie als Bodenschutzgehölz besonders geeignet (www.griffon.de).