Seminar für Ägyptologie und Koptologie

Die ägyptologische und orientalistische Korrespondenz Paul de Lagardes (1869-1891)

Ansprechpartner: Heike Behlmer, Thomas Gertzen, Orell Witthuhn

Die Gelehrtenkorrespondenz des außerhalb seines Fachgebiets vor allem durch seine politischen ("Deutschen") Schriften bekannten Orientalisten Paul de Lagarde (1827-1891) mit fachgeschichtlichem Bezug sowie weitere ägyptologiegeschichtlich relevante Archivbestände der ersten Hälfte des 20. Jh. sollen in Zusammenarbeit mit der NSUB Göttingen aeiner kritischen wissenschaftsgeschichtlichen Auswertung unterzogen werden. Das Projekt verfolgt dabei einen neuen Ansatz zur Einschätzung der Rolle Lagardes in der Geschichte des Faches, welches sich gegen Ende des 19. Jh. im Umbruch von einer "romantischen" Denkmälerwissenschaft hin zu einer positivistischen Philologie nach dem Vorbild der Semitistik und klassischen Altertumswissenschaften befand. Es geht dabei auch den Fragen nach, inwieweit durch Lagarde Antisemitismus und völkisches Denken in der deutschen Wissenschaft salonfähig gemacht worden sind, wie sich bei ihm philologische Forschung und politische Weltanschauung miteinander verschränken und ob in der Ägyptologie eine "longue durée" rassekundlich-völkischen Gedankengutes vom Ende des 19. Jh. bis in die Zeit des Nationalsozialismus nachzuweisen ist. Dazu sollen v.a. die Materialien des Nachlasses des seinerzeitigen Fachvertreters Hermann Kees (1886-1964) komplementär herangezogen werden. Das Projekt knüpft damit an die langjährigen Forschungen des Seminars für Ägyptologie und Koptologie zur Geschichte des Faches, inbesondere im Raum Göttingen an. Hierzu kann bereits auf die virtuelle Ausstellung "Hermann Kees" auf der Homepage des Institutes verwiesen werden.