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Ist es vernünftig, willensschwach zu werden? Zum Problem inverser Akrasie

Titel der Veranstaltung Ist es vernünftig, willensschwach zu werden? Zum Problem inverser Akrasie
Reihe Vortragsreihe: Philosophische Wintervorträge
Veranstalter Philosophisches Seminar
Referent/in Prof. Dr. Monika Betzler
Einrichtung Referent/in Ludwig-Maximilians-Universität München, Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie, Lehrstuhl für Philosophie V - Praktische Philosophie und Ethikorie
Veranstaltungsart Vortrag
Kategorie Forschung
Anmeldung erforderlich Nein
Beschreibung Wenn ein Akteur aus einem Gefühl heraus gegen sein bestes Urteil handelt, wird er nach einer Standardauffassung praktischer Rationalität als willensschwach und damit als irrational betrachtet. Sofern das, was das Gefühl ihn bewegt zu tun, sich jedoch auf lange Sicht als das Richtige erweist, scheint die Handlung, so eine mittlerweile verbreitete Diagnose, „invers“ akratisch. Sie bleibt zwar willensschwach, erweist sich jedoch als rational bzw. vernünftig.
Das Phänomen inverser Akrasie führte zu einer veritablen Debatte. Manche PhilosophInnen glauben, dass dieses Phänomen zeige, dass (i) beste Urteile nichts anderes als Überzeugungen sind (Arpaly), und (ii) Gefühle ähnlich wie Überzeugungen Gründe aufspüren können (Brady). Allerdings gibt der erste Vorschlag die Idee der Handlungsführung, die durch ein bestes Urteil erfolgt, auf. Der zweite Vorschlag verfügt über keine Ressourcen, die erlauben würden, zwischen Gefühlen, die Gründe aufspüren, und solchen, die dies nicht tun, zu unterscheiden. Die weiteren Versuche, diese Schwierigkeiten zu beheben, sind jedoch ihrerseits mit Problemen behaftet. Nach einer Diskussion dieser Vorschläge werde ich die These verteidigen, dass das Phänomen inverser Akrasie zwar nicht rational ist, uns aber etwas über unser rationales Überlegen lehren kann: Es lädt den Akteur dazu ein, sein bestes Urteil erneut zu bewerten und ggf. zu revidieren. Ich werde hierbei zeigen, welche Wege es gibt, rational über unsere Gefühle nachzudenken. Diese Wege erlauben uns, zu einer gesicherteren Basis darüber zu gelangen, unter welchen Bedingungen wir uns bestes Urteil beibehalten und unter welchen Bedingungen wir vielmehr unsere Gefühle ernst nehmen und unser bestes Urteil revidieren sollten.
Zeit Beginn: 29.11.2017, 18:00 Uhr
Ende: 29.11.2017 , 20:00 Uhr
Ort Auditorium
Hörsaal AUDI 11
Kontakt 0551 39-4722
philosophisches_seminar@phil.uni-goettingen.de