Studienbüro Mathematik

Dr. Ruth Hübner - SAP-Beraterin bei der Talentschmiede Personal- und Unternehmensberatung GmbH & Co. KG

Bei welchem Unternehmen sind Sie beschäftigt und in was für einer Position/ in welchem Bereich arbeiten Sie dort? Was sind Ihre Aufgaben?

Ich arbeite bei der Talentschmiede GmbH & Co. KG in Frankfurt am Main. Die Talentschmiede ist eine IT-Unternehmensberatung, die sich darauf spezialisiert, gezielt Uni-Absolventen ohne Berufserfahrung einzustellen und diese auszubilden, aber parallel auch direkt schon beim Kunden einzusetzen. Ich wurde als SAP Beraterin eingestellt.

Im Moment bin ich bei einer großen Bank im SAP Bank Analyzer-Support eingesetzt. Der Bank Analyzer ist ein Modul von SAP, welches unter anderem die Nebenbuch Funktionalitäten für Finanzprodukte liefert. Kurz gesagt, hilft der Bank Analyzer bei der Erstellung von Bankbilanzen, indem er tägliche Buchungen aus dem operativen Geschäft aggregiert an das Hauptbuch übergibt. Außerdem bewertet er zum Monatsende die Finanzprodukte.

Ich arbeite im Support für dieses Modul. Anders als bei anderen Supporteinheiten ist unser "Nutzer" dabei die Finanzabteilung. Daher liegt ein Fokus unserer Arbeit auf dem selbstständigen Incident- und Problemmanagement (ohne dass ein aufgeregter Nutzer bei uns anruft und sich darüber beschwert, dass er sich nicht ins Online-Banking einwählen kann oder so was ;-) ). D.h., wir verbringen viel Zeit damit, zu überprüfen, ob die Tagesendverarbeitung korrekt durchläuft, ob alle Buchungen korrekt sind und wie fehlerhafte Buchungen korrigiert werden können.

Im Studium hätte ich nie gedacht, dass es mich mal in so einen Bereich verschlägt, ich meine, Software-Support und dann noch in einer Bank??? Aber meine Tätigkeit macht mir wirklich sehr viel Spaß, ich lerne jeden Tag viel Neues und an die Blusen hab ich mich inzwischen auch gewöhnt ;-)

Wie haben Sie diese Position erlangt bzw. wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?

Ich habe an der Uni Göttingen in angewandter Mathematik, genauer gesagt in Optimierung bei Frau Schöbel promoviert. Nach meiner Promotion habe ich noch ein halbes Jahr als Postdoc an der NAM gearbeitet und das interdisziplinäre Studentenprojekt PILZ betreut. In dieser Zeit habe ich mich beworben und dann auch direkt bei der Talentschmiede angefangen.

Wie haben Sie Ihren Berufseinstieg erlebt bzw. wie hat das Studium auf die Praxis vorbereitet?

Natürlich war beim Berufseinstieg alles neu, aufregend und ungewohnt. Allein schon, dass man jetzt jeden Morgen in Bluse und ordentlich frisiert in der Arbeit auftauchen muss. Dazu kam bei mir, dass ich weder von SAP noch von Bankbilanzen irgendwas gehört hatte, bevor ich meinen neuen Job begonnen habe. Ich habe also im Prinzip wieder bei 0 angefangen, was das wirkliche Fachwissen angeht.

Ich hatte allerdings während meines Studiums schon einige Praktika in ganz verschiedenen Bereichen absolviert und hatte daher schon eine gewisse Ruhe entwickelt, da ich wusste, dass 1. keiner erwartet, dass man am ersten Tag schon alles kann und man 2. in die meisten Aufgaben recht schnell reinwächst. So war es dann bei mir auch.

Außerdem kam mir natürlich das Konzept der Talentschmiede zugute: Ich habe mit 12 neuen Kollegen zusammen angefangen und die ersten 2 Monate hatten wir erst mal intensive SAP und BWL-Schulungen bevor wir auf die Kunden losgelassen wurden.
Aber natürlich gibt es auch jetzt noch viele Dinge, die ich noch nicht weiß und mache parallel zu meinem Einsatz viel Weiterbildung.

Inwiefern wenden Sie Ihre im Studium erlernten Fähigkeiten und Fachkenntnisse im Beruf an?

Meine Fachkenntnisse brauche ich im Prinzip gar nicht (obwohl letztens ein Kollege sehr zufrieden war, sich mal mit jemandem zu unterhalten, der bei der Erwähnung der e-Funktion nicht sofort abschaltet). Auch wenn es abgedroschen klingt, sind es eher die Fähigkeiten und die "geistige Haltung", die ich mir im Laufe meines Studiums und meiner Promotion angewöhnt habe, die mir jetzt helfen. Ich musste mich von Anfang an in immer neue Dinge hinein denken, analytisch an Probleme gehen und es hilft mir schon, dass ich ein bisschen VBA-Programmieren kann und zumindest die Grundlagen der C-Programmierung mal gehört habe. Auch dieses Gefühl von "ich hab mich schon in viel abgedrehtere Dinge hinein gedacht, da werde ich damit jetzt wohl auch klar kommen..."

Aus meiner Promotion hilft mir vor allem, dass ich inzwischen daran gewöhnt bin vor größeren Gruppen zu reden, Sachverhalte zielgruppengerecht zu erklären und die Tatsache, dass ich während meiner Promotion mein Englisch sehr verbessert habe und mich vor allem inzwischen einfach traue zu reden.

Denken Sie an Ihre Studienzeit in Göttingen zurück...

Denke ich an gefühlt nie endendes Zettelrechnen, viel Teamarbeit, die Hörsäle in der Mathe und der Physik, die Willi-Mensa, Fahrradfahren und sehr viele sehr gute Freunde.

Welche Tipps geben Sie Studierenden und Berufseinsteigern/innen mit auf den Weg?

Sich selbst was zutrauen! Die meisten Stellenangebote sind völlig unrealistisch, was die Erwartungen an die Bewerber angeht. Die meisten Personaler wissen auch, dass sie den beschriebenen Kandidaten nie finden werden. Mir hat mal eine Personalerin gesagt, dass, wenn man 7 von 10 geforderten Kriterien erfüllt, soll man sich auf jeden Fall bewerben. Das gilt auch für das Kriterium Berufserfahrung!

Ansonsten macht sich in Bewerbungen alles gut, was man außerhalb von reinen Fachveranstaltungen gemacht hat. Seien es Praktika, interdisziplinäre Veranstaltungen, ehrenamtliche Tätigkeiten oder ähnliches.