Archäologisches Institut

Archäologische Ringvorlesung WS 2017/18

Montag 19:15 Uhr - Altes Auditorium, HS 11 - Weender Landstraße 2

 

Stand: 13.10.2017

 

06.11.

Dr. Christine Stephan-Kaissis (Heidelberg)

Byzantinische Medienpolitik: Visuelle Kommunikation in der Buchkunst des neunten Jahrhunderts

13.11.

Dr. Florian Knauß (München)

Ein Paradies im Kaukasus. Persische Residenzen an der Peripherie des Reiches

20.11.

Prof. Dr. Susanne Sievers (Ingolstadt-Frankfurt)

Manching. Aufstieg und Niedergang einer Keltenstadt

27.11.

Im Rahmen des internationalen Kolloquiums über „Römisches Sizilien: Stadt und Land zwischen Monumentalisierung und Ökonomie, Krise und Entwicklung“

Prof. Dr. Monika Trümper (Berlin)

Morgantina unter römischer Herrschaft: eine Stadt in der Krise?

04.12.

Prof. Dr. Christiane Vorster (Köln)

Die Zeichnungsalben des Alphonsus Ciacconius. Neue Dokumente zu Antikensammlungen des 16. Jahrhunderts

11.12.

Dr. Daniel Graepler (Göttingen)

Winckelmann und Heyne, oder: Wie die Archäologie zum Universitätsfach wurde

18.12.

Dr. Gabriel Zuchtriegel (Paestum)

Neue Forschungen in Paestum und das ‚Grab des Tauchers‘

08.01.

PD Dr. Dietrich Raue (Leipzig)

Die Ägyptisch-deutsche Ausgrabungen im Sonnentempel von Heliopolis in Kairo

15.01.

Dr. Manuel Flecker (Kiel)

Gravitas oder Totenmaske. Zur Deutung des sog. Dresdner Alten

22.01.

Prof. Dr. Wolf-Dietrich Niemeier (Athen)

Das Heiligtum der Hera auf Samos von seinem minoischen Ursprung bis zur Zeit des Polykrates

29.01.

Prof. Dr. Johannes Bergemann und Mitarbeiter (Göttingen)

Was haben die Surveys in Gela, Agrigent und Kamarina für die Archäologie und Geschichte Siziliens ergeben? Bericht über die Göttinger Projekte

 

 

Dr. Christine Stephan-Kaissis (Heidelberg)

Byzantinische Medienpolitik: Visuelle Kommunikation in der Buchkunst des neunten Jahrhunderts

In byzantinischen Bilderhandschriften wurden Wort und Bild sorgfältig aufeinander abgestimmt, um die dargebotenen Wissensinhalte nachhaltig zu vermitteln. Anhand einer Reihe berühmter Prachthandschriften zeigt der Vortrag, wie die Buchkünstler die Rezeption des Stoffes gezielt steuerten.

 

Dr. Florian Knauß (München)

Ein Paradies im Kaukasus. Persische Residenzen an der Peripherie des Reiches

Das traditionelle (von Griechen entworfene) Bild des im 5. und 4. Jh. angeblich fragilen und schlecht regierten Perserreiches wird von achaimenidischen Anlagen, die in den vergangenen Jahren in Aserbaidschan, Georgien und Armenien freigelegt worden sind, in Frage gestellt. So gleicht etwa die Residenz von Karacamirli in Westaserbaidschan, die der Vortragende 2001 entdeckt hat und seit 2006 mit Kollegen aus Baku untersucht, dem Xerxes-Palast in Persepolis hinsichtlich Größe und Raumplanung in frappanter Weise. Die großartigen toreutischen Erzeugnisse, die damals im Kaukasus unter persischem Einfluss entstanden sind, ergänzen den Architekturbefund in eindrucksvoller Weise.

 

Prof. Dr. Susanne Sievers (Ingolstadt-Frankfurt)

Manching. Aufstieg und Niedergang einer Keltenstadt

Der Vortrag gibt Einblick in die bewegte Geschichte einer der größten Keltensiedlungen Europas und fragt nach den Gründen, weshalb sich gerade Manching zu einem mächtigen Zentralort entwickelt hat, der schließlich mit einer Stadtmauer versehen wurde. Die einzigartige Fülle von hervorragenden Funden und Baugrundrissen erlaubt es, Manching als Stadt darzustellen, die den Handel kontrollierte, als politische Schaltstelle eigene Münzen prägte, die unterschiedlichsten Handwerker beherbergte, die aber auch ein kultisches Zentrum war und sogar Raum für Landwirtschaft bot.

 

Im Rahmen des internationalen Kolloquiums über „Römisches Sizilien: Stadt und Land zwischen Monumentalisierung und Ökonomie, Krise und Entwicklung“

Prof. Dr. Monika Trümper (Berlin)

Morgantina unter römischer Herrschaft: eine Stadt in der Krise?

Die sizilische Stadt Morgantina erlebte im 3. Jh. v. Chr. eine ungeahnte Blüte, die sich in umfassender öffentlicher wie privater Bautätigkeit manifestierte. Literarischen Quellen zufolge ergriff die Stadt im Zweiten Punischen Krieg die falsche Partei, wurde 211 v. Chr. von den Römern erobert und bestraft. Ob und wie sich die materielle Kultur und soziale Struktur der Stadt nach 211 v. Chr. änderte, ist umstritten. Ziel des Vortrags ist, die römische Phase der Stadt neu zu bewerten und die gängigen Vorstellungen eines kontinuierlichen Niedergangs zu hinterfragen. Dabei steht die jüngst beendete Ausgrabung (2013-2017) einer öffentlichen Badeanlage und eines Hauses am Westrand der Stadt im Mittelpunkt. Es wird deutlich, daß die Häuser vielfach verschönert und gemäß zeitgenössischen Moden ausgebaut wurden.

 

Prof. Dr. Christiane Vorster (Köln)

Die Zeichnungsalben des Alphonsus Ciacconius. Neue Dokumente zu Antikensammlungen des 16. Jahrhunderts

Die Zeichnungen antiker und antikisierender Skulpturen, die der Antiquar Alphonsus Ciacconius im späteren 16. Jahrhundert in Rom anfertigen ließ, bilden ein reiches, bislang noch gänzlich unediertes Corpus zu den Antikensammlungen der Spätrenaissance. Durch die präzisen Beschriftungen des Ciacconius bieten die Zeichnungen neuen Aufschluss zu Verständnis, Präsentation und Restaurierung antiker Skulpturen in der Spätrenaissance.

 

Dr. Daniel Graepler (Göttingen)

Winckelmann und Heyne, oder: Wie die Archäologie zum Universitätsfach wurde

2017 feiert die Archäologie zwei Jubiläen: Am 9.12. jährt sich zum 300. Mal der Geburtstag Johann Joachim Winckelmanns. Er gilt allgemein als Begründer der Klassischen Archäologie als eigenständiger Fachdisziplin. Vor 250 Jahren, im Sommersemester 1767, begann Christian Gottlob Heyne in Göttingen seine berühmten Vorlesungen über die Kunst der Antike. Der Vortrag wägt die Bedeutung Winckelmanns und Heynes für die Fachwerdung der Archäologie kritisch gegeneinander ab.

 

Dr. Gabriel Zuchtriegel (Paestum)

Neue Forschungen in Paestum und das ‚Grab des Tauchers‘

Das Grab des Tauchers gilt seit seiner Entdeckung im Jahr 1968 als singuläres Zeugnis spätarchaischer griechischer Malerei. Höchst umstritten ist dabei die kulturelle und kunsthistorische Einordnung der Grabmalereien zwischen griechischen, kolonialen und italisch-etruskischen Traditionen. Neue Ausgrabungen, archäometrische Untersuchungen und Forschungen zu Heiligtümern, Nekropolen und Häusern im spätarchaischen Paestum werfen nun neues Licht auf einige der mit dem Grab des Tauchers verbundenen Fragen.

 

PD Dr. Dietrich Raue (Leipzig)

Die ägyptisch-deutsche Ausgrabungen im Sonnentempel von Heliopolis in Kairo

Heliopolis ist nach altägyptischer Vorstellung der Ort der Weltentstehung durch den Schöpfer- und Sonnengott. Über gut 2400 Jahre kann hier kontinuierlich königliche Initiative in Gestalt von Bauten und Denkmälern wie z.B. Obelisken nachgewiesen werden. Die Lage im Umkreis von Kairo hat jedoch schon früh zur Nutzung der Tempel als Steinbruch, wie auch zur Überbauung geführt. Seit 2012 können die Ergebnisse der ägyptisch-deutschen Unternehmung erstmals konkrete Schlaglichter zu einzelnen Epochen liefern. Hierzu gehört die Zeit der Ramessiden, die Renaissancezeit des 7. Jhs. und 4. Jhs. v. Chr.

 

Dr. Manuel Flecker (Kiel)

Gravitas oder Totenmaske. Zur Deutung des sog. Dresdner Alten

Die Frage nach dem Einfluss von Gesichtsabdrücken lebender und toter Personen auf das antike Porträt wurde für die Antike bisher nur im Zusammenhang mit den berühmten imagines maiorum, also den Ahnenmasken der römischen Aristokratie thematisiert. Der Vortrag möchte dagegen ganz allgemein nach dem Verhältnis von Bildnis und Abdruck fragen. Damit steht auch das methodische Fundament zur Diskussion, auf welchem der Nachweis einer Verwendung von Gesichtsabdrücken bei der Konzeption antiker Porträts gegründet ist.

 

Prof. Dr. Wolf-Dietrich Niemeier (Athen)

Das Heiligtum der Hera auf Samos von seinem minoischen Ursprung bis zur Zeit des Polykrates

Auf die Geschichte des Heiligtums der Hera auf Samos werfen unpubliziert gebliebene Grabungen der 30er und 60er Jahre des 20. Jhs. sowie neue Grabungen in vieler Hinsicht ein neues Licht. Der Vortrag behandelt die Geschichte des Heiligtums von der Gründung im 17. Jh. v. Chr. durch Minoer aus Kreta über seine Erneuerung während der ‚Ionischen Wanderung‘ um 1000 v. Chr. und die Errichtung eines ersten Tempels im frühen 7. Jh. v. Chr., für das reiche Votive aus dem Orient die weitreichenden Handelsbeziehungen der Insel bezeugen, bis zur Monumentalisierung durch die Erbauung des ersten Großtempels Griechenlands um 580 v. Chr. und - nach dessen Zerstörung - eines unter dem berühmten Tyrannen Polykrates errichteten zweiten Großtempels, nach Herodot des größten Tempels der griechischen Welt.

 

Prof. Dr. Johannes Bergemann und Mitarbeiter (Göttingen)

Was haben die Surveys in Gela, Agrigent und Kamarina für die Archäologie und Geschichte Siziliens ergeben? Bericht über die Göttinger Projekte

Auf Sizilien wurden von Göttinger Archäologen seit 2002 großflächige Surveys bei Gela, Agrigent und Kamarina durchgeführt. Dadurch wurde die Umgebung der griechischen Kolonien und des von Einheimischen besiedelten Hinterlandes weiträumig erforscht. Es wurden Bauernhöfe, Heiligtümer, Friedhöfe, Steinbrüche, Höhensiedlungen und ganze Phasen prähistorischer Besiedlung entdeckt. Der Gela-Survey wurde 2011 umfangreich veröffentlicht, das Buch über den Agrigent-Survey ist in Vorbereitung. Was hat sich dadurch an unserem Bild über die Griechen und die Einheimischen auf Sizilien, ihre Siedlungsformen und Kontakte geändert?