Das Musikwissenschaftliche Seminar im Accouchierhaus

Heute befindet sich das Musikwissenschaftliche Seminar der Georg-August-Universität Göttingen im sogenannten Accouchierhaus.

Schon im März 1933 hatte man im Erdgeschoss erste Räume beziehen können, auch, um die Seminarbibliothek unterbringen zu können, die durch den Aufkauf von 4500 Büchern des 1930 verstorbenen Professors Friedrich Ludwig stark gewachsen war. Weitere Räume kamen 1935 hinzu, als das Sinologische Seminar andere Räume bekam. Im Sommersemester 1945, nach dem 2. Weltkrieg, ruhte zunächst der Lehrbetrieb, und danach war die Musikwissenschaft vorübergehend in anderen Gebäuden untergebracht. Später ging es - zusammen mit der Kunstgeschichte un der Philosophie - zurück ins Accouchierhaus. Nachdem das Gebäude Ende der 1980er Jahre saniert worden war, ging es für die Musikwissenschaft 1989 wieder dorthin zurück - diesmal als alleinige Nutzerin.

Das Treppenhaus dieses Gebäudes gilt als eines der schönsten in ganz Göttingen; im Foyer finden regelmäßig auch Konzerte statt. Das Gebäude beherbergt außer den Büros der Mitarbeiter und einem größeren und einem kleineren seminareigenen Hörsaal auch die Bibliothek und das Schallarchiv des Seminars. Nicht nur für die Studierenden, sondern auch für Besucher von außerhalb interessant ist die umfangreiche Sammlung von Musikinstrumenten, die einerseits historische europäische Musikinstrumente, andererseits außereuropäische Musikinstrumente aus musikethnologischen Feldforschungen umfasst. Und nicht zuletzt wird das Gebäude regelmäßig im Rahmen von Stadtführungen besucht - besonders auch von Führungen zur Geschichte der Frauen in Göttingen.

Das Accouchierhaus als Geburtsklinik

Das Accouchierhaus wurd 1785-1791 als Geburtsklinik für mittellose Frauen gebaut. Die fast ausnahmslos unverheirateten werdenden Mütter bekamen hier vor der Geburt Unterkunft und Verpflegung, und sie konnten Erleichterung bei den ihnen drohenden Strafen erwarten. Kritisch wird heute bewertet, dass bei der Einrichtung dieser Institution nicht das Wohl der Frauen im Vordergrund stand, sondern man in den Schwangeren in erster Linie Demonstrationsobjekte für die gynäkologiosche Forschung und Lehre sah.