Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

Governance and Compliance

Der Forschungsschwerpunkt "Governance and Compliance" befasst sich mit der Ausgestaltung und Wirkung von Institutionen zur Steuerung von Organisationen, beispielsweise als Corporate Governance mit Fragen der nachhaltigen, verantwortungsvollen Unternehmensführung. Den Rahmen der Governance geben dabei Rechtsnormen vor.

Formale Rechtsnormen oder auch organisatorische Regeln (z.B. Unternehmenssatzungen oder Entlohnungssysteme) setzen auf Verhaltenssteuerung und greifen daher auf Verhaltensmodellierungen zurück. Aber nicht nur das Recht, sondern auch alle wirtschaftlichen Akteurinnen und Akteure benötigen für ihre Aktivität eine Vorstellung von dem Verhalten etwa der Wettbewerber, Mitarbeitenden, Kunden oder Aktionäre, um veränderte Rahmenbedingungen zu bewerten und Strategien neu auszurichten.

Mit dem "Homo Oeconomicus" bieten die Wirtschaftswissenschaften ein Verhaltensmodell an, das sie mit ausdifferenzierten Methoden empirisch überprüfen und anpassen. Die verwendeten Methoden reichen von statistisch-ökonometrischen Untersuchungen und Auswertungen großer Datensätze bis hin zu experimentellen Studien, die das Verhalten von Akteuren und deren Beweggründe analysieren. Darüber hinaus werden in der Verhaltensökonomik mittels spieltheoretischer Experimente auch alternative Verhaltensmodelle im Bereich des wirtschaftlichen Handelns erprobt und in der Folge in der Theorie berücksichtigt. Für diese Experimente hat die Fakultät das "Göttingen Laboratory of Behavioral Economics" (Göttinger Labor für Verhaltensökonomik) unter der Leitung von Prof. Dr. Claudia Keser, Professur für Mikroökonomik, eingerichtet.

Ein besonders interessantes Feld der Governance ist die Compliance und damit die Frage, wie sich Akteurinnen und Akteure nicht nur auf staatliche und überstaatliche, sondern auch auf durch freiwillige oder (Pflicht-) Zusammenschlüsse entwickelte Lenkungsvorhaben einstellen. In Unternehmen können dies zum Beispiel Selbstverpflichtungen zur fairen Vergütung oder zu einer ökologisch wie ethisch nachhaltigen Einkaufs- und Produktionspolitik sein. Die normative Entwicklung solcher Institutionen im Einklang mit dem Leitbild der "Responsible Innovation" und deren empirische Betrachtung ist ein weiterer Kernbereich der Forschungsaktivitäten in diesem Forschungsschwerpunkt.