RICHTIK Deutsch – Realistische Fachdidaktik Deutsch Göttingen

Das Projekt RICHTIK Deutsch – Realistische Fachdidaktik Deutsch Göttingen dient der deutschdidaktischen Professions- und Unterrichtsforschung und zugleich der Professionalisierung angehender Lehrkräfte. Im Rahmen dieses Vorhabens werden zunächst einhundert Stunden Deutschunterricht aufgenommen und in Form von anonymisierten Transkripten für Forschung und Lehre archiviert. Insbesondere sollen Verfahren forschenden Lernens ermöglicht werden.

Das Projekt hat drei Ziele:


  • Einerseits werden für Forschungszwecke aktuelle Protokolle von Deutschunterricht erstellt, um eine deutschdidaktische Grundlagenforschung zu entwickeln. Die Theoriebildung ist in der Deutschdidaktik als Theorie für die Praxis weitgehend abgekoppelt von der alltäglichen Praxis. Daher soll mit Hilfe der sorgfältig zu analysierenden Transkripte eine Theorie der Praxis weiterentwickelt werden. Dazu werden strukturlogisch die typischen Praktiken im Deutschunterricht sequenzanalytisch sichtbar gemacht.
  • Im Sinne einer praxisnahen Lehrer*innenbildung werden zweitens ausgewählte Transkriptsequenzen von Deutschunterricht in Seminarveranstaltungen betrachtet, um zentrale deutschdidaktische Handlungsherausforderungen sequenzanalytisch sichtbar zu machen und die Wahrnehmung der Studierenden für fachdidaktische Unterrichtsdimensionen anzubahnen. Studierende übernehmen im verlangsamten schrittweisen Nachvollzug des Unterrichtsverlaufs fortlaufend die Perspektive von Schüler*innen und Lehrer*in und prüfen gedankenexperimentell, wie (und warum) es jeweils sinnvoll weiter gehen könnte.
  • Drittens soll aufgrund der Archivgröße Studierenden das forschende Lernen erleichtert werden. Es eignet sich zur gezielten Recherche von typischen Unterrichtsszenarien (z.B. Figurencharakterisierung, Schreibverfahren). Schulische Feldforschung im Rahmen von Bachelor- und Masterarbeiten ist alle Seiten mit erheblichem Aufwand verbunden – das Archiv will praxisnahe Forschung fördern und gezielt Entlastung schaffen.


Die deutschdidaktischen Dimensionen der Profession und Professionalisierung können und müssen über die Rekonstruktion der Strukturen von Vermittlungs- und Aneignungsprozessen in den Blick genommen werden: "Literaturvermittlung als eine pädagogische Praxis ist wie alle sozialen Praktiken selbst notwendigerweise normativ strukturiert [?] Daher lassen sich die Normen, an denen sich die Teilnehmer dieser kommunikativen Praxis orientieren, prinzipiell rekonstruieren" (Pflugmacher 2011,123).



Dank

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Lehrpersonen und Schulen für die Unterstützung unseres Projekts.

Literatur:

Pflugmacher, Torsten (2016): Deutschdidaktische Professionsforschung als Unterrichtsforschung. In: Leseräume. Zeitschrift für Literarität in Schule und Forschung 3,3. Online: http://leseräume.de/?page_id=571 (Zugriff: 13.03.2016)

Pflugmacher Torsten (2011): "Und vor allen Dingen an euren Eindrücken auch ein bisschen arbeiten." Eine Fallrekonstruktion zur Inszenierung ästhetischer Erfahrung im Unterricht. In: Kirschenmann, Johannes, Kaspar H. Spinner, Christian Richter (Hrsg.): Reden über Kunst. München. S. 121-135.