Kunstgeschichtliches Seminar
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Das unschuldige Auge. Orientbilder in der frühen Fotografie (1839-1911)



23. April bis 17. September 2017



Ausstellungskonzept und Leitung:
Prof. Dr. Manfred Luchterhandt, Lisa Marie Roemer, M.A., Verena Suchy, MA


orientZur Aus­stel­lung

Wie prä­gen visuel­le Me­dien unser Wis­sen und unsere Vor­stel­lungen von frem­den Kultur­en? Und wie ver­ändert sich dieses Wis­sen durch neue tech­nische Me­dien?

Die Aus­stel­lung unter­sucht diese Fra­ge am Bei­spiel der Foto­grafie, die seit ihrer Er­find­ung 1839 rasch zum Leit­medium einer neu­en glo­balen Wis­sen­sgesel­lschaft auf­stieg und bis heu­te die gegen­seitige Wahr­nehm­ung von Kultur­en prägt. Be­reits in den Welt­aus­stel­lungen der 1850er Jahre hatte sie ihren festen Platz durch die Fähig­keit, schnel­ler, bil­liger und schein­bar zu­ver­lässiger als bisher Wis­sen über ferne Orte und Kulturen zu ver­mitteln.

Das 'Morgen­land' war der erste Kultur­raum, mit dem Europa durch die Foto­grafie intensiv kon­frontiert wurde: eine mit Phan­tasmen auf­geladene Ge­gen­welt, die bereits in den Zeiten von Türken­gefahr und Auf­klärung visuell prä­sent war und nun in den Ra­dius einer technischen, von Touris­mus, Wis­sen­schaft und Kolonial­politik stimulierten Bild­pro­duktion ge­riet. Be­reits 1839 brach­en Amateur­foto­grafen nach Kairo, Kon­stantinopel oder Je­rusalem auf, unter ihnen Künst­ler und Wis­sen­schaftler, Jour­nalisten und Ver­leger.

Wie alle Bild­medien kann die Foto­grafie eben­so auf­klärend wirken wie manipu­lativ. Anders als Maler oder Illustrator­en konnten die Foto­grafen ihren Orient nicht visionär er­schaffen, aber doku­mentier­en, in­szenieren, ar­rangier­en und durch die Wahl der Moti­ve den Er­wartungen ihres Pu­blikums an­passen. Der größere Authenti­zi­täts­anspruch der Foto­grafie war dabei eben­so Infor­mations­quelle wie trü­gerische Ge­wissheit. Mit ihm wurde die Orient­fotografie zum Instru­ment der Wis­sen­schaft, für Archäo­logen, Ethno­graphen oder Bibel­kundler, zu­gleich aber zur Quelle neuer Stereo­typen, die in den Ge­sellschaft­en des Nahen Ostens nur das Fremde und Pit­toreske wahr­nahmen. Diese Ten­denz, kult­ur­elle Differenz­en zu über­höhen, be­her­rscht das Orient­bild bis heute.

Die Aus­stel­lung möchte über diesen Ge­brauch von Bild­ern auf­klären, in­dem sie die foto­grafische Er­schließ­ung des Nahen Ostens vor 1914 sowie dessen visu­elle Re­prä­sentation in Touris­mus, Kolonial­politik und Wis­sen­schaft unter­sucht. Zu den über 130 Ex­po­naten gehören Pionier­werke der Fotografiegeschichte von Maxime du Camp, Francis Frith, Wilhelm Hammerschmidt, Otto Schoefft, Emile Béchard oder dem arabischen Fotografen Muhammad Sadiq Bey. Hinzu kommen unpublizierte Aufnahmen von führenden Orient­wissen­schaft­lern wie Fried­rich Sarre, Gus­tav Dal­man oder Hans Herz­feld, die bei ihren Feld­forschung­en einen anderen Blick auf Men­schen und Kultur­en er­hielten. Den Ab­schluss bilden die jü­dische Foto­grafie und der 1911 ge­drehte »First Film of Pales­tine«.

Zur Aus­stel­lung er­scheint im Imhof-Verlag Peters­berg ein be­gleiten­der Kata­log.




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    Sonderausstellung

    Ausstellungsdauer:
    (23. April- 17. September)

    Ausstellungsort:
    Kunstsammlung
    Auditorium - Weender Landstr. 2

    Kontakt

    Dr. Anne-Katrin Sors
    Kustodin der Kunstsammlung
    Nikolausberger Weg 15
    37073 Göttingen

    email: asors@gwdg.de

    Tel.: 0551 / 39-5093