Arbeitsstelle für Theorie der Literatur

Göttinger Workshops zur Literaturtheorie (2005-2009)

Die Situation auf dem Gebiet der Literaturtheorie stellt sich heute ambivalent dar: Einerseits wird - nicht allein von Studierenden - beklagt, die Vielzahl der gängigen Ansätze sei kaum überschaubar, zum anderen aber ist eine gewisse Stagnation in der theoretischen Reflexion über Literatur nicht zu leugnen. 'Zu viel' Theorie auf der einen, 'zu wenig' auf der anderen Seite. Der Eindruck einer unüberschaubaren Situation resultiert auch daraus, dass vor allem in der literaturwissenschaftlichen Praxis oftmals pragmatisch begründete Mischformen verschiedener Ansätze zu finden sind. Welche theoretischen Annahmen aber lassen sich miteinander vereinbaren, welche schließen sich gegenseitig aus? Welche Prämissen sind wesentlich für eine literaturtheoretische Position, welche lassen sich aufgrund welcher Zielsetzungen modifizieren?

Unsere "Göttinger Workshops zur Literaturtheorie" sollen dieser Situation in zweifacher Weise begegnen. Zum einen dienen sie einer Bestandsaufnahme: Vorzustellen und zu diskutieren sind literaturtheoretische Positionen, die gegenwärtig noch, wieder oder zum ersten Mal vertreten werden. Das Spektrum theoretischer Positionen in der Literaturwissenschaft soll aufgefächert, das Für und Wider der einzelnen Ansätze debattiert werden. Ziel ist auch, eine Plattform für eine Prognose zukünftiger Entwicklungen zu gewinnen.
Zum anderen soll die produktive Form des akademischen Streitgesprächs gepflegt werden. Eingeladen werden ausgewiesene Expertinnen und Experten verschiedener Positionen, die ihren Ansatz gegen Einwände verteidigen und sich klar gegen das 'anything goes' der Praxis aussprechen.


Die Veranstaltungen bestehen aus zwei Komponenten:


  • Öffentlicher Kurzvortrag mit Diskussion
    (meist im Hörsaal AP 26 der "Alten Pathologie", Goßlerstr. 10, 16:15-17:45)

  • Seminar für angemeldete Interessenten
    (SDP 116, Käte-Hamburger-Weg 3, 18:15-19:45)
    Im Seminar sollen kontroverse Annahmen des im Vortrag vorgestellten Ansatzes ausgehend von einem Korreferat eingehend diskutiert und zudem in der Praxis erprobt werden, entweder im Rahmen einer Anwendung auf literarische Texte oder in Form der Analyse eines vorliegenden, repräsentativen Analysebeispiels.



Die Reihe "Göttinger Workshops zur Literaturtheorie" lief vom Sommersemester 2005 bis zum Wintersemester 2008/09. Wir danken dem Universitätsbund Göttingen e.V. vielmals für die Finanzierung der Workshop-Reihe.