Lichtenberg-Kolleg - The Göttingen Institute for Advanced Study
Schrift vergrößern Schrift verkleinernBarrierefreie Version
Suche | English
Sternwarte 1



Georg-August-Universität Göttingen
Lichtenberg-Kolleg
Historische Sternwarte
Geismar Landstraße 11
37083 Göttingen

Tel. +49 551 39-10623

E-Mail
















Historische Sternwarte



Die Königliche Sternwarte in Göttingen entstand in den Jahren 1803 bis 1816 nach Entwürfen des Universitätsbaumeisters Georg Heinrich Borheck (1751-1834). Das klassizistische Bauwerk setzte mit seiner an höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen orientierten Architektur neue Maßstäbe, die es deutlich von früheren Bauten dieser Art abhob. „Festigkeit, Bequemlichkeit und Schönheit“ des Gebäudes waren die Maximen der Planung und der Durchführung. Erstmals wurden Aspekte wie die erschütterungsfreie Aufstellung von Instrumenten, die Ermöglichung des bequemen (nächtlichen) Zugangs zu den Beobachtungsräumen, der Einbau eines künstlichen Horizonts usw. von vornherein konsequent bedacht und auch gegen einschränkende ökonomische Belange durchgesetzt.

Von besonderer Bedeutung (und Schönheit) sind die beiden Meridiansäle. In diesen ließ Gauß in den Jahren 1818 (östlicher Saal) und 1819 (westlicher Saal) Meridiankreise aufstellen, um Sternkoordinaten zu bestimmen und damit unter anderem auch zu einer exakten Orts- und Zeitmessung zu gelangen. Die beiden Meridiankreise von Repsold bzw. Reichenbach waren bis in das 20. Jahrhundert hinein die Hauptinstrumente der Sternwarte für die winkelmessende Astronomie. Ein Teil der originalen Instrumente aus der Zeit von Gauß ist auch heute noch im Besitz der Universität („Sammlung Sternwarte“).

Die Göttinger Universitäts-Sternwarte war von 1816 bis 1855 Wohn- und Arbeitsstätte des Gelehrten Carl Friedrich Gauß (1777 –1855). Die Sternwarte – damals mit freier Sicht vor den Toren Göttingens gelegen – war als modernes Forschungsinstitut geplant und sollte Freiraum für Forschungen geben. Nach dem Tod von Gauß wurden zunächst Wilhelm Weber und Peter Lejeune-Dirichlet kommissarische Leiter der Sternwarte; beide betrieben jedoch keine Astronomie. Nach dem Tod von Dirichlet übernahm 1859 Gauß’ früherer Assistent Wilhelm Klinkerfues neben Weber die Leitung der Sternwarte.

Im Jahre 1868 erfolgte eine Teilung der astronomischen und erdmagnetischen Forschungseinrichtungen in eine theoretische und eine praktische Abteilung, von denen erstere durch Ernst Schering geleitet wurde und (nach Scherings Tod) 1898 als „Institut für Geophysik“ auf den Göttinger Hainberg zog. Letztere wurde nach Klinkerfues’ Tod von Wilhelm Schur geleitet; mit der Berufung von Karl Schwarzschild nach Schur’s Tod 1901 begann eine Phase weltweiter Spitzenforschung im Bereich der Astrophysik in der Sternwarte. Spätere Direktoren der Sternwarte waren Johannes Hartmann, Hans Kienle, Paul ten Bruggencate, Hans-Heinrich Voigt, Rudolf Kippenhahn, Klaus Fricke, Klaus Beuermann und Stefan Dreizler.

Im Jahr 2005 ist die Astrophysik in den Neubau der Fakultät für Physik umgezogen. Das Hauptgebäude der Sternwarte ist in der Zeit von Februar 2007 bis November 2008 von Grund auf nach den alten Bauplänen renoviert worden. Soweit es möglich war, wurde der ursprüngliche Zustand aus der Zeit von Gauß bzw. von 1886 wieder hergestellt. Die 1886/87 umgebaute Kuppel ist mit Unterstützung der Gauß-Kuppel-Gemeinschaft sowie mehrerer Göttinger Firmen vollständig renoviert worden und nunmehr ein museales Schmuckstück und eindrucksvolles Beispiel früherer Forschungstätigkeit.

Der ursprünglich für den Gelehrten Gauß und seine Nachfolger vorgesehene Freiraum für ruhige und effektive (bisher astronomische) Forschung soll nun den Fellows und Assoziierten des Lichtenberg-Kollegs und damit neuen Arbeitsgebieten zugute kommen.