Die Rückkehr des Luchses in die deutsche Kulturlandschaft (Heinrich-Böll-Stiftung 2016- 2019)

Nachdem der Eurasische Luchs (Lynx lynx) im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts aufgrund vielfältiger negativer menschlicher Einflüsse fast vollständig aus Deutschland verschwunden war, kehrte er in den letzten Jahren, unterstützt durch Schutzprojekte, in die deutsche Kulturlandschaft zurück. Neben den Wiederansiedlungsgebieten Harz und Bayerischer Wald häufen sich seit etwa fünf Jahren auch aus dem Raum Nordhessen Hinweise auf eine stabile, eigenständig reproduzierende Population. Dort hat sich die deutschlandweit erste (Teil-)Population etabliert, die nicht durch direkte Einwirkung des Menschen und nicht in unmittelbarer Nähe eines Wiederansiedlungsgebietes entstanden ist. Diesen Luchsen kommt aufgrund ihrer geographischen Lage eine herausragende Bedeutung zur Vernetzung bislang isolierter Populationen und damit zur Erhaltung und Ausbreitung der Art in Deutschland zu.
Im Rahmen des Forschungsvorhabens werden der Luchsbestand in Nordhessen sowie mögliche Ausbreitungstrends mit Hilfe sogenannter Fotofallen (automatischer Kameras) erfasst und verschiedene Verfahren zur nicht-invasiven Gewinnung genetischen Materials systematisch untersucht. Die gewonnen Proben dienen dazu, die genetische Variabilität der nordhessischen Population abzuschätzen und bilden die Basis für eine Rekonstruktion der mögliche Ausbreitungswege der Luchse. Mit Methoden der quantitativen Sozialforschung soll darüber hinaus die Akzeptanz des Luchses in der Bevölkerung untersucht und mit einer kürzlich durchgeführten Befragung im Bayerischen Wald verglichen werden, um damit die Einstellung der Bevölkerung gegenüber dem Luchs erstmals überregional zu untersuchen. Damit soll evaluiert werden, welche Rolle Akzeptanz in der Bevölkerung als Voraussetzung für die erfolgreiche Ausbreitung des Luchses (und anderer Großraubtiere) in Deutschland spielt. Durch kontinuierliches Monitoring und Öffentlichkeitsarbeit soll die langfristige Stabilität der nordhessischen Population abgeschätzt und gegebenenfalls Managementempfehlungen abgeleitet werden können.


Mehr zum Projekt unter: http://luchs.uni-goettingen.de
und http://www.luchs-in-hessen.de/

ProjektmitarbeiterInnen der Abteilung:
Antje Henkelmann (Doktorandin), Dr. Markus Port, Prof. Dr Matthias Waltert