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Die Georg-August-Universität und die Göttinger Händel-Festspiele

Von ihren Anfängen an bestanden zwischen den Göttinger Händel-Festspielen und der Georg-August-Universität enge Verbindungen. Als Ursprung der Festspiele und gleichzeitig auch als Ausgangspunkt der sogenannten Händel-Renaissance gilt die Erstaufführung der Händel-Oper Rodelinda im Jahr 1920. Zu verdanken war diese Wiederentdeckung vor allem dem persönlichen Engagement des Göttinger Kunsthistorikers und Musikwissenschaftlers Oskar Hagen. Zum Zeitvertreib während einer längeren Krankheit hatte er sich mit Partituren Händels beschäftigt. Zusammen mit seiner Frau, die Sopranistin war, und einem befreun-deten Cellisten führte er zunächst im Rahmen der bei Göttinger Professoren beliebten Hausmusik Händels Opern im kleinen Kreis auf, bevor er sich entschloss, Rodelinda auf die Bühne und vor eine größere Öffentlichkeit zu bringen.

Die Aufführungen der Rodelinda 1920 und der Opern Ottone und Theophanu, Julius Cäsar, Xerxes, Ezio und Radamisto in den folgenden sechs Jahren gaben den entscheidenden Impuls für die weltweite Wiederentdeckung von Händels Opern, die rund 200 Jahre lang vergessen gewesen waren. Für die ersten Aufführungen bediente sich Oskar Hagen der Ressourcen, die ihm durch die Georgia Augusta zur Verfügung standen. Die Laiendarsteller der ersten Rodelinda rekrutierten sich aus den Reihen der Universitätskollegen und Studenten. Die musikalische Begleitung übernahm die Akademische Orchestervereinigung unter der Leitung Oskar Hagens.

Veranstalter war in diesen ersten Jahren der Göttinger Universitätsbund. Erst im Jahr 1931 gründete sich die Göttinger Händel-Gesellschaft als offizieller Träger der Festspiele. Ihre Zielsetzung war, die Händel-Festspiele regelmäßig stattfinden zu lassen und institutionell und organisatorisch zuverlässig zu betreuen. Mit der Gründung der Händel-Gesellschaft endete die enge Verbindung zur Georgia Augusta aber nicht. Besonders hervorzuheben ist das Engagement des ehemaligen Göttinger Universitätspräsidenten Prof. Dr. Dr. h. c. Hans-Ludwig Schreiber, der seit 1993 der Göttinger Händel-Gesellschaft vorsitzt.

Aber auch andere (derzeitige und ehemalige) Mitarbeiter der Universität engagieren sich durch Vorträge, Werkeinführungen oder Symposien weiterhin für die Händel-Festspiele und die Händel-Gesellschaft. Ihre besondere Verbundenheit mit Händel, seinen Interpreten und der Händel-Gesellschaft hat die Universität Göttingen im Juni 2006 mit der Verleihung einer Honorarprofessur an den künstlerischen Leiter der Festspiele, Nicholas McGegan, ausgedrückt. Der profilierte Dirigent und Musiker bringt sein Fachwissen seitdem regelmäßig in musikwissenschaftliche Seminare an der Universität Göttingen ein, die sich insbesondere mit der Aufführungspraxis von Opern im 17. und 18. Jahrhundert, der Rezeptionsgeschichte der Werke Händels und dem Einfluss barocker Komponisten auf die Wiener Klassik befassen.