Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

Die Geschichte der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät

Bereits seit der Gründung der Georg-August-Universität Göttingen im Jahr 1737 ist die wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung der Studierenden ein Kernelement der universitären Forschung und Lehre. Für den Aufbau der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät waren die Gründungen des ersten deutschen Seminars für Versicherungswissenschaft im Jahr 1895 und des Staatswissenschaftlichen Seminars, der Vorgänger des heutigen Volkswirtschaftlichen Seminars, im Jahr 1899 von entscheidender Bedeutung. Die Tendenz zur Differenzierung in Volkswirtschaftslehre (VWL) und Betriebswirtschaftslehre (BWL) begann im Jahr 1922 mit der Gründung des Seminars für Wirtschaftslehre der Unternehmungen, dem Ausgangspunkt der späteren Betriebswirtschaftlichen Seminare. Diese beiden Richtungen wurden bis zum Zweiten Weltkrieg kontinuierlich weiter ausgebaut.

Der Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg im Herbst 1945 und die folgenden Jahre waren mühsam. Doch schon Anfang der 1950er Jahre begann der Ausbau der wirtschaftswissenschaftlichen Studien in Göttingen in einem Umfang und einer Geschwindigkeit, wie sie in den früheren Perioden undenkbar gewesen war: Im Jahr 1951 erfolgte die Einrichtung eines viersemestrigen Studiums der BWL und Wirtschaftspädagogik, ab 1954/55 das Vollstudium der Betriebswirtschaftslehre mit dem Abschluss des Diplom-Kaufmanns und ab 1961 das Vollstudium der Wirtschaftspädagogik mit dem Abschluss des Diplom-Handelslehrers. Zudem wurde ab den 1950er Jahren eine Vielzahl neuer Professuren gegründet. 1962 entstand die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, die sich in den 1960er Jahren stark ausdehnte und fachlich differenzierte. Zu der abermals wachsenden Zahl der Professuren für Volks- und Betriebswirtschaftslehre kamen die Professuren für Statistik und Ökonometrie, Wirtschaftspädagogik, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Mathematische Verfahrensforschung und Datenverarbeitung und schließlich die wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung für Juristen hinzu. 1970 erfolgte die Untergliederung in die Fachbereiche Wirtschaftswissenschaften und Sozialwissenschaften, bis die gemeinsame Fakultät 1981 schließlich aufgelöst und der Wirtschaftswissenschaftliche Fachbereich selbständig geworden ist. Seit 1997 führt er die Bezeichnung Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät.

Heute ist die Fakultät eine der größten wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten Deutschlands: Eingeschrieben sind zurzeit rund 4.500 Studierende. Aktuell arbeiten etwa 30 Universitätsprofessorinnen und -professoren sowie Juniorprofessoren und sechs Honorarprofessoren an unserer Fakultät. Darüber hinaus sind gut 200 Personen als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie mehr als 40 Post-Docs und etwa 50 Personen im Verwaltungsdienst beschäftigt.


Vgl. die Angaben zur Historie der Fakultät ausführlich bei: Kaufhold, Karl Heinrich (1987). 250 Jahre Wirtschaftswissenschaften an der Georgia Augusta, in: Georgia Augusta. Nachrichten aus der Universität. Hochschulpolitik – Forschungsgeschichte – Universitätschronik, Band 47, S. 51-57.
Prof. em. Dr. Karl Heinrich Kaufhold war von 1974 bis 1999 Inhaber der Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Georg-August-Universität sowie 1976-1978 Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät und 1992-1993 Dekan des Wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereichs.