Konzept zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses


1. Selbstverständnis in der Nachwuchsförderung

In ihrem Selbstverständnis als Förderin des wissenschaftlichen Nachwuchses sucht die Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern bestmögliche Arbeits- und Forschungsbedingungen zu bieten. Mit ihrem Konzept zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zeigt sie einen verbindlichen Rahmen auf, innerhalb dessen eine Karriere in Forschung und Wissenschaftsmanagement an der Fakultät verfolgt werden kann.

2. Beschreibung des Ist-Zustandes und der fachspezifischen Karrierewege

Promotionsphase
Ziel eines Promotionsstudiums ist die Erlangung eines Doktortitels. Hierzu bearbeitet die Doktorandin bzw. der Doktorand im Rahmen eines Promotionsprogramms, eines Promotionsstudiengangs oder eines Graduiertenkollegs eine wissenschaftliche Fragestellung.
Die Beschäftigung der Promovierenden erfolgt überwiegend drittmittelfinanziert . Die Anzahl der Doktorandinnen und Doktoranden hängt folglich mit der Höhe der bewilligten Drittmittelprojekte zusammen. Die Fakultät deckt in Forschung und Lehre den gesamten forstwissenschaftlichen Fächerkanon ab, sodass vielfältige Möglichkeiten zur Promotion sowohl in natur- als auch in gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen bestehen. Stellen für die Beschäftigung des wissenschaftlichen Nachwuchses werden grundsätzlich ausgeschrieben. Ausnahmen hiervon sind nur begründet möglich. Die Dauer der Promotionsphase bis zur abschließenden Promotionsprüfung beträgt an der Fakultät zwischen drei und fünf Jahren. Die große Spreitung ist der Natur des Erkenntnisobjekts „Wald“ geschuldet, da Waldforschung überwiegend im Freiland, teils in tropischen Regionen stattfindet und nicht selten mit einem besonderen Aufwand bei der Datenerhebung verbunden ist.
Die Betreuung der Promovierenden erfolgt durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Graduiertenschule Forst- und Agrarwissenschaften (GFA). Die GFA stellt eine strukturierte Ausbildung von hoher fachlicher Qualität und mit exzellenter Betreuung bereit. Die Angebote reichen von Veranstaltungen zum Onboarding der Studierenden, über solche zur Vermittlung von Methodenkompetenz und Schlüsselqualifikationen bis hin zur Vorbereitung auf eine berufliche Karriere innerhalb und außerhalb der Wissenschaft. Damit ist in der Regel eine engmaschige und intensive Begleitung der Doktorandinnen und Doktoranden während des ersten Schritts ihrer wissenschaftlichen Karriere gewährleistet.
Die formale Einbindung der Doktorandinnen und Doktoranden in die Gremien der Fakultät erfolgt über die Vertretung der Promovierenden im Fakultätsrat.
Der großen Breite an wissenschaftlichen Disziplinen entsprechend finden Promovierte ihre berufliche Zukunft überwiegend in Forst- und Naturschutzverwaltungen und Naturschutzorganisationen, Consultingunternehmen, in der Holz- und Holzwerkstoffindustrie sowie der Forschung und Wissenschaftsadministration. Nicht selten knüpfen sie bereits während der Promotionsphase Kontakte zu ihren späteren Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern in Wissenschaft, Industrie und Verwaltung.

Postdoc-Phase
Unter der Postdoc-Phase oder dem Postdoktorat werden all die Beschäftigungsverhältnisse in der Forschung nach abgeschlossener Promotion gefasst. Dies kann einerseits der Einstieg in eine akademische Karriere auf dem Weg zu einer Professur mit tenure sein, andererseits aber auch eine Phase der individuellen Qualifizierung zur Vorbereitung auf eine andere berufliche Tätigkeit als die der Übernahme einer Professur. Die Gestaltung der Postdoc-Phase ist bislang formal wenig geregelt. Klassischerweise bearbeitet die Postdoktorandin bzw. der Postdoktorand ein Forschungsprojekt mit dem Ziel der Habilitation oder einer habilitationsähnlichen Leistung, das nach sechs Jahren erreicht sein sollte. Diese Zeit ist in zwei Phasen gegliedert, in der die Postdoktorandin beziehungsweise der Postdoktorand zunehmend an Selbständigkeit gewinnt. Am Ende der ersten Postdoc-Phase nach rund drei Jahren werden Karrierewege, Eignung und Perspektiven zwischen der Postdoktorandin bzw. dem Postdoktorand und der Arbeitsgruppenleitung eingehend besprochen. Die Finanzierung erfolgt über Drittmittelprojekte und das Fakultätsbudget.
An der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie kommen aufgrund der disziplinären Vielfalt, Disziplinen mit hohem Anwendungsbezug eingeschlossen, auch Qualifizierungen jenseits der klassischen Karriere in der Wissenschaft eine nennenswerte Bedeutung zu. Sie dienen der Kontakthaltung mit zukünftigen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, der Schaffung von Karrieren in Industrie und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie nicht zuletzt der Vernetzung von Forschung und Praxis.
Der Stand der Qualifizierung, Entwicklungsmöglichkeiten und Arbeitsfortschritte werden zwischen der Postdoktorandin bzw. dem Postdoktoranden in mindestens jährlichen Gesprächen mit der Betreuerin bzw. dem Betreuer erörtert. Üblicherweise ist das Arbeitsverhältnis von einer Qualität, die es ermöglicht, aufkommende Fragen und Probleme unmittelbar zu besprechen.
Die beruflichen Perspektiven sind ähnlich derjenigen der Promovierten. Die Bereiche Forschung und Wissenschaftsadministration spielen in dieser Phase der beruflichen Karriere allerdings eine größere Rolle.

3. Verbesserungspotential / Zielsetzungen

Promotionsphase
Die Fakultät hat die Betreuung der Doktorandinnen und Doktoranden in die Hände der Graduiertenschule Forst- und Agrarwissenschaften gelegt. Deren Angebot wird kontinuierlich ausgebaut. Derzeit arbeiten die dortigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an einem Programm zum Onboarding der Studierenden. Die Sicherstellung der Qualität ihrer Arbeit ist Aufgabe des Graduiertenausschusses, in dem zwei Vertreterinnen bzw. Vertreter der Promovierenden Mitglied sind.

Postdoc-Phase
Die Postdoc-Phase ist bislang wenig strukturiert. Aber auch hier hat die Fakultät Schritte unternommen, um eine passgenaue Förderung auf den Weg zu bringen. Die Erfordernisse in dieser Phase der Wissenschaftskarriere liegen in der Gewährleistung einer gewissen Selbständigkeit des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Zukünftig wird jede Postdoktorandin und jeder Postdoktorand das Recht haben, neben der Betreuerin bzw. dem Betreuer eine zusätzliche Mentorin oder einen zusätzlichen Mentor aus der Universität zu bestimmen, mit der oder dem sie oder er sich mindestens einmal jährlich hinsichtlich der Qualifizierung austauscht. Die Begleitung der Forschungsarbeit ist hierbei von untergeordneter Bedeutung. Vielmehr soll die Entwicklung eines persönlichen Profils gefördert und Karrierewege eröffnet werden.
Als wesentliches Element der Qualifizierung von Postdoktorandinnen und Postdoktoranden werden diese verstärkt dazu ermuntert, als Antragstellerin bzw. Antragsteller eigenständig Forschungsprojekte einzuwerben, zu leiten und zu verantworten. Die Wahrnehmung dieses Rechts erfolgt in Abstimmung mit der Leitung der Abteilung, die für das Projekt die Grundausstattung bereitstellt.
Über die universitären Beratungs- und Qualifizierungsangebote hinaus stellt die Fakultät Mittel bereit, die auf Antrag den Postdoktorandinnen und Postdoktoranden für individuelle Schwerpunktsetzungen im Hinblick auf ihre Karriereplanung (externer Lehrgang, Short-term Scientific Mission, Coaching) zur Verfügung stehen. Über die Höhe der Mittel entscheidet die Haushalts- und Planungskommission der Fakultät auf der Grundlage der jeweiligen Haushaltslage. Das Verfahren regelt eine fakultäre Richtlinie.