Heimerziehung in Niedersachsen 1949-1975

Projektbeschreibung

Das Projekt „Heimerziehung in Niedersachsen 1949-1975“ soll einen Beitrag zur empirischen Klärung und Bewertung der Heimerziehung in Niedersachsen für den Zeitraum von der Gründung der Bundesrepublik Deutschland bis zum Umbruch der 1970er Jahre leisten.

Eine erste Bestandsaufnahme zu Trägerstrukturen, vorhandenen Einrichtungen, Strukturen der Unterbringung und Aufsicht sowie zu Beschwerden und besonderen Vorkommnissen unter Beachtung des zeitgeschichtlichen Kontextes und der Erfahrung von bereits geleisteter Aufarbeitung erfolgt auf der Basis eines vom Niedersächsischen Landtag beschlossenen Fragenkatalogs. Seine Einzelfragen richten sich auf die Zahl und Art der Heime, das Profil der Heiminsassen und des Heimpersonals, auf die Arbeitsverpflichtung der Heiminsassen, ihre medizinische und psychische Betreuung und auf die Todesfälle in den Heimen und ihre Ursachen.
Damit verbunden ist eine vorläufige historische Einordnung und Bewertung der Heimerziehung, die vor dem Hintergrund des pädagogischen Diskurses der Zeit die Leitlinien, Programmatik und die Praxis der Heimerziehung analysiert. Der Fokus richtet sich auf das Handeln der Träger, der staatlichen Instanzen auf den verschiedenen Ebenen und die Erfahrungen der ehemaligen Heimkinder.
Dazu soll die Erziehungspraxis in verschiedenen Institutionen auf der Basis einer Analyse der Erziehungsdiskurse, der rechtlichen Grundlagen sowie Interviews mit damaligen Jugendlichen und ihren LehrerInnen, ErzieherInnen und Eltern für erste Fallstudien rekonstruiert werden. Zudem sollen im Kontext der allgemeinen Erziehungsdiskussion jene Prozesse analysiert werden, die seit den 60er Jahren – zumindest auf der Diskursebene – zu einem Paradigmawechsel in der Heimerziehung geführt haben. Dabei wird auch überprüft, inwiefern neue Formen institutionalisierter Erziehung entstanden sind.