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Quereinstieg Medizin (Hochschulstart)

Die Studienplätze für das erste Semester eines Medizin-Studiums in Deutschland werden derzeit bundesweit von hochschulstart.de vergeben. Tipp: Wenn Sie sich die Ergebnisse der Auswahlverfahren der vergangenen Semester unter www.hochschulstart.de ansehen, können Sie in etwa abschätzen, ob Ihre Bewerbung eher als erfolgversprechend oder nicht erfolgversprechend einzuschätzen ist (mit allen Unsicherheiten, die zu solchen Überlegungen gehören). Je unwahrscheinlicher es nun erscheint, dass Sie bei einer Bewerbung auch einen Studienplatz erhalten werden, sollten Sie sich um alternative Möglichkeiten Gedanken machen. Dazu kann - mit aller Vorsicht! - der sogenannte Quereinstieg gehören.



Ein Quereinstieg besteht aus zwei Schritten:

(1) Anerkennung fachlich gleichwertiger Leistungen.
Für einen Quereinstieg ist es erforderlich, dass Ihnen Leistungen in Höhe von mindestens einem Semester anerkannt und bescheinigt werden. Damit hätten Sie die Möglichkeit, sich bundesweit für ein zweites Semester Medizin bei den Universitäten direkt zu bewerben.

Dazu würden Sie ein anderes Fach/ einen anderen Studiengang studieren, dessen naturwissenschaftliche Grundlagen denen des Medizin-Studiums so nahe wie möglich kommen.

Sie müssen sich die Äquivalenz der Studien-und Prüfungsleistungen aus Ihrem bisherigen Studium, die Sie sich für das Medizin- oder Zahnmedizinstudium durch das Landesprüfungsamt anrechnen lassen wollen, von der Universität bescheinigen lassen, an der Sie die Leistungen erworben haben.

Sobald die inhaltliche Äquivalenz festgestellt ist, kann beim Landesprüfungsamt für Heilberufe der Antrag auf Einstufung in ein höheres Fachsemester Medizin gestellt werden.

Für Niedersachsen:

Niedersächsisches Landesamt für Soziales, Jugend und Familie
Landesprüfungsamt für Heilberufe
Berliner Allee 20
30175 Hannover
Tel.: 0511/380-2590 (Herr Geuke, weitere Telefonnummern auf der Homepage)
LPA Niedersachsen, Hannover

Sprechzeiten:
Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9.00 bis 12.00 Uhr, Mittwoch von 14.00 bis 16.00 Uhr


(2) Bewerbung in ein zweites Semester Medizin.
Da auch der Zugang in höhere Semester Medizin zulassungsbeschränkt ist, müssen Sie sich fristgerecht (15. Juli bzw. 15. Januar) direkt bei den Universitäten bewerben. Sind mehr Bewerbungen eingegangen als Plätze frei geworden sind, wird eine Auswahl vorgenommen. Dabei werden allerdings die Quereinsteiger (die aus anderen Studiengängen kommen) nachrangig hinter den Inhabern/innen von Teilstudienplätzen und Ortswechslern (die also bereits einen Medizin-Studienplatz haben und die Universität wechseln wollen) bei der Vergabe von Studienplätzen berücksichtigt; nur wenn danach noch freie Plätze vorhanden sind, werden diese nach sozialen Kriterien und per Los unter den Bewerbern vergeben.

Folgende Probleme entstehen bei dieser Vorgehensweise:

Risiko
Da es je nach Universität auch in den höheren Semestern meist deutlich mehr Bewerber als freie Plätze gibt, ist die Zulassungswahrscheinlichkeit tendenziell gering, auf jeden Fall aber unkalkulierbar. Sie müssen also mit Ablehnungen rechnen, können sich aber zum folgenden Semester wiederum bewerben; theoretisch kann auch gleich der erste Versuch erfolgreich sein.

Zeitbedarf
Daraus wird ein nicht unerheblicher Zeitbedarf erkennbar, bestehend aus den Studienzeiten in dem "provisorischen Studium" und den Zeiten für die (ggf. wiederholten) Bewerbungen.

Wartezeit
Die Studienzeiten in dem anderen Studiengang an einer deutschen Universität, werden nicht als Wartezeit gerechnet, so dass sich Ihre Zulassungschancen bei hochschulstart für das erste Semester über die Wartezeitquote im Laufe der Zeit zugelassen zu werden, nicht verbessern (die Zulassungsgrenze lag zuletzt – im Sommersemester 2012 bei 13 bis 14 Wartesemestern).

Welche Konsequenzen sind daraus zu ziehen?
Quereinstieg
Da dieses Konzept mit dem eher hohen Risiko behaftet ist, keinen Medizin-Studienplatz zu erhalten, sollten Sie sich damit auseinandersetzen, ob Sie das "provisorische Studium" ggf. auch zu Ende führen würden und was das für Ihre Studienmotivation (bezüglich Eignung und Neigungen) und Ihre beruflichen Perspektiven bedeutet. Natürlich sind diese Überlegungen auch abhängig davon, wie "unbedingt" Sie Medizin studieren möchten und wie Sie in Ihrem Leben mit Risiken umgehen.

Alternativen
Mögliche Alternativen zum Quereinstieg seien hier nur angedeutet, da sie sehr von Ihren persönlichen Bedingungen abhängig sind:

  • Sie können auf das Kriterium Wartezeit setzen; d. h., dass Sie, nach bisherigen Ergebnissen zu urteilen, eine Zeit von etwa 6-7 Jahren mit anderen Aktivitäten z.B einer Ausbildung und Berufstätigkeit überbrücken müssten;
  • Sie können überlegen, Medizin im Ausland studieren; dabei gingen Ihnen die Wartesemester nicht verloren. Je nach Land werden für ein solches Studium Studiengebühren erhoben; darüber hinaus müssen entsprechende Sprachkenntnisse nachgewiesen werden;
  • Manchmal kann es sinnvoll sein, sich mit der Wahl eines alternativen Studienfachs zu beschäftigen ...



Beratung
Eine Antwort in diesem Rahmen kann solche Handlungsoptionen nicht differenzierter erörtern. Wenn Sie dies wünschen, können Sie es in einem Gespräch mit einem Studienberater/einer Studienberaterin der Zentralen Studienberatung der Universität Göttingen tun.