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Seite 6 Februar 2018 · uni | inform S t u d i u m Das bessere Argument zählt  Physikstudent Alexander Osterkorn ist Mitglied im Göttinger Debattierclub (nav) Alexander Osterkorn studiert Physik im Master. In seiner Freizeit treibt er gern Sport, geht Laufen, fechtet im Hochschulsport, liest deutsche Gedichte, lernt Franzö- sisch und debattiert. Der letzten – für Studierende sicherlich nicht per se ungewöhnlichen Tätigkeit – geht er etwas professioneller nach als die meisten seiner Kommilitoninnen und Kommilitonen, nämlich als Mit- glied des Göttinger Debattierclubs. Im Göttinger Debattierclub kommt wöchentlich eine äußerst diverse Gruppe zum Meinungsaus- tausch zusammen. Einig sind sich die den unterschiedlichsten politi- schen Strömungen zugehörigen Mitglieder laut Osterkorn nur in einem: „Der Debattierclub hat den Anspruch, sich mit aktuellen Streit- fragen auseinanderzusetzen. Dabei ist unser Ideal, dass das bessere Ar- gument zählt und nicht eine be- stimmte Denkrichtung, der man sich unterordnen muss.“ Bereits zu Schulzeiten entdeckte Osterkorn durch den Wettbewerb „Jugend debattiert“ seine Freude am geregelten Schlagabtausch. Wäh- rend der ersten Semester nahm ihn noch sein Doppelstudium der Ma- thematik und Physik vollständig in Beschlag. Im vierten Semester zog es ihn zum Debattierclub: „Ich wollte mich wieder mit politischen The- men beschäftigen, aber erstmal, ohne mich konkret einer politischen Strömung zuzuordnen.“ Zusätzlich reizte ihn, freies Reden und Präsen- tieren zu üben. „Dazu kam, dass der Debattierclub eine studentische Gruppe ist, in der man auch Leute kennenlernt und Freundschaften schließen kann.“ Der Göttinger Club debattiert nach verschiedenen Regelwerken, aber immer mit einer Jury, die ent- scheidet, wer die Auseinanderset- zung gewonnen hat. Dabei kann derjenige punkten, der gut auf die Argumente der anderen eingeht, seine eigene Stellungnahme ein- leuchtend begründet und mit sei- nem Beitrag am Ende die größte Überzeugungskraft hat. Neben dem wöchentlichen Disput, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind, organisiert der Debattierclub auch öffentliche Turniere. So zum Beispiel einen jährlichen Wettstreit, in dem Studierende gegen Professo- rinnen und Professoren antreten. „Solche Gruppen leben natürlich vom Engagement der Mitglieder“, erklärt Osterkorn, der selbst zwei Jahre lang die Leitung des Vereins innehatte. Außer gut zu organisieren und zu argumentieren hat Osterkorn dem Debattierclub aber noch viel mehr zu verdanken: „Ich habe gelernt mich gut auszudrücken, mich zu trauen eine eigene Meinung zu haben und diese zu vertreten, aber auch andere Meinungen zu hören und mich von guten Argumenten überzeugen zu lassen.“ http://debattierclub-goettingen.de Abschlussarbeit im Unternehmen Projekt „PraxisArbeit“: SNIC unterstützt Studierende Jobbörse für 42 Länder Career Service hilft bei der internationalen Stellensuche (bie) Ihre Abschlussarbeit in Koope- ration mit einem Unternehmen zu schreiben, kann für Studierende ei- nige Vorteile haben: Sie bekommen fundierten Einblick in den betrieb­ lichen Alltag, profitieren von Exper- tise, Netzwerk und Infrastruktur des Unternehmens und können frühzei- tig wertvolle Kontakte für ihre wei- tere berufliche Laufbahn knüpfen. Im Projekt „PraxisArbeit“ hilft der SüdniedersachsenInnovationsCam- pus (SNIC) angehenden Absolven- tinnen und Absolventen bei der Suche nach einem geeigneten Ko- operationspartner. „Die Initiative für eine anwen- dungsbezogene Abschlussarbeit kann von beiden Seiten ausgehen“, erläu- tert Caroline Heck, SNIC-Referentin für Wissenstransfer und Fachkräfte- bindung. „Unternehmen suchen oft nach passgenauen Lösungen oder neuen Strategien für die Zukunft, sind aber häufig aufgeschlossen, wenn Studierende ein eigenes Thema mitbringen.“ Eigenes Engagement ist also durchaus gefragt, das betont auch Rena Pfeiffer, kaufmännische (gb) Die Zahl der internationalen Studierenden wächst, ebenso das In- teresse von deutschen Studierenden an einem Praktikum oder Gastauf- enthalt im Ausland: Mit dem Jobpor- tal „GoinGlobal“ präsentiert der Ca- reer Service der Universität Göttingen allen Studierenden ein wichtiges Ein- stiegstool für den internationalen Ar- beitsmarkt. Die Jobbörse listet täglich aktualisierte Stellenausschreibungen aus 42 Ländern, die anhand von per- sönlichen Filtereinstellungen durch- forstet werden können. Umfangreiche länderspezifische Informationen zu Gehaltsstrukturen, Visafragen, Bewer- bungsmodalitäten und vielem mehr runden das Portal ab. „Wir hatten in den vergangenen Jahren einen steigenden Bedarf an Informationen zu einzelnen Län- dern“, sagt Stefanie Heidenreich vom Career Service. „Das kostete uns viel Zeit für Recherche und lau- fende Aktualisierung.“ Seit dem Wintersemester 2016/2017 können die Studierenden nun über einen ge- schützten Link im eCampus auf das Portal zugreifen. Das Angebot wird gut angenom- men: Mehr als 4.000 Besuche aus der Universität Göttingen zählten die Be- Geschäftsführerin der PSL System- technik GmbH in Osterode: „Als Unternehmen erwarten wir, dass un- sere Absolventinnen und Absolven- ten auch größere Projekte selbststän- dig und strukturiert angehen.“ Folge einer PraxisArbeit in einem Unternehmen kann im Idealfall sogar eine spätere Beschäftigung sein, im Mittelpunkt steht aber vor allem der Wissenstransfer zwischen den Hochschulen und der regiona- len Wirtschaft. „Wir helfen nicht nur bei der Vermittlung und Kon- taktaufnahme, sondern stehen auch im Verlauf der Arbeit beratend zur Seite“, erklärt SNIC-Referent Phi­ lipp Bäumle, dessen eigene Master- arbeit die erste vom SNIC geförderte PraxisArbeit war. Wie viel Zeit Stu- dierende im Unternehmen verbrin- gen und ob ein Mitarbeiter der Firma als Zweitprüfer fungiert, hängt vom Einzelfall ab. Neben der Betreuung unterstützt der SNIC die Studierenden im Rahmen des Pro- jekts mit einem Budget von bis zu 400 Euro pro Arbeit, beispielsweise für Fahrtkosten. www.snic.de treiber allein im vergangenen Studien- jahr. „GoinGlobal nimmt mir viel Recherchearbeit ab“, sagt Nika Moz- afari. Sie studiert im vierten Semester Marketing und Distributionsmanage- ment (M.Sc). „Manchmal weiß man gar nicht, wo man anfangen soll, nach Auslandspraktika zu suchen.“ Der Career Service bietet Work- shops und Webinare zur Nutzung des Portals an. Diese Veranstaltungen sind eingebettet in das Gesamtange- bot des Career Service. „Am Anfang jeder Suche sollte erstmal eine Aus­ einandersetzung mit den eigenen Kompetenzen, Interessen und beruf- lichen Zielvorstellungen stehen“, er- klärt Heidenreich. „Danach kann man entscheiden, welche Suchfilter für einen sinnvoll sind.“ Der Zugang zu „GoinGlobal“ ist für Studierende und Promovierende bis zu einem Jahr nach dem Ab- schluss kostenlos möglich. Im ersten Jahr wurde die Nutzung der Platt- form durch die Abteilung Studium und Lehre finanziert; derzeit werden die Kosten für zwei weitere Jahre aus Studienqualitätsmittel übernommen. www.career.uni-goettingen.de/ goinglobal www.goinglobal.com Alexander Osterkorn Studierende bereiten eine Ausstellung in der Kunstsammlung der Universität vor. Wissen in Ausstellungen inszeniert  VolkswagenStiftung fördert neues Graduiertenkolleg mit 1,7 Millionen Euro (kp) Welches Wissen findet Ein­ gang in eine Ausstellung? Wie wird es verändert, inszeniert und vom Publikum aufgenommen? Wer sind die entscheidenden Akteure in die­ sem Vermittlungsprozess? Sieben Promovierende und ein Postdoc werden diesen Fragen im Rahmen des Promotionskollegs „Wissen/ Ausstellen. Eine Wissensgeschichte von Ausstellungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ an der Universität Göttingen nachgehen. Die VolkswagenStiftung fördert das Projekt ab Oktober 2018 vier Jahre lang mit 1,7 Millionen Euro. „Mit dem Kolleg können wir im Rahmen unserer Initiative ‚Wissen- schaft und berufliche Praxis in der Graduiertenausbildung‘ eine neue Art der Doktorandenausbildung umsetzen, die sich durch besonderen Praxisbezug auszeichnet,“ so Dr. Cornelia Soetbeer von der Volkswa- genStiftung. Die Promovierenden werden über vier Jahre nicht nur von Professorinnen und Professoren der Universität Göttingen betreut. Zum Konzept gehört auch die enge Zu- sammenarbeit mit sieben verschie- denen Museen, unter anderem dem Gustavianum in Uppsala, dem Mu- seum of the Second World War in Danzig oder dem Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe. Ein Jahr lang können die Forschen- den in den Partnereinrichtungen praktische Erfahrungen sammeln. „Sie lernen die Ausstellungspraxis kennen und erfahren so in eigener Anschauung, was es heißt, Wissens- bestände auszuwählen, neu zu ord- nen und zu vermitteln“, betont die Sprecherin des Kollegs, Prof. Dr. Margarete Vöhringer. Auf diese Weise wird die von einer historischen Distanz geprägte Arbeit über Ausstel- lungen durch die praktische Arbeit an Ausstellungen angereichert. Vöhringer hat im vergangenen Jahr den Ruf auf die neu geschaffene Professur „Materialität des Wissens“ an der Universität Göttingen ange- nommen. Ihr Fokus richtet sich darauf, wie materielle Bedingungen die Produktion und Zirkulation von Wissen beeinflussen. Die Objekte aus den 39 akademischen Sammlun- gen sind daher eine willkommene Grundlage ihrer Forschung und Lehre. Der Lehrstuhl der Kunst- und Wissenschaftshistorikerin ist eng mit dem Promotionskolleg und der Zentralen Kustodie verbunden und wird zukünftig im Forum Wis- sen angesiedelt sein. „Das im Bau befindliche Museum bietet einen idealen Forschungsraum für die Promovierenden“, so Dr. Marie Luisa Allemeyer, Direktorin der Zentralen Kustodie und Mitan- tragstellerin des Projekts. Sie profi- tieren nicht nur von den praxisorien- tierten Lehr- und Forschungsstruk- turen, sie arbeiten auch interdiszi­ plinär. Darüber hinaus erhalten sie im Forum Wissen zukünftig die Chance, ihre eigenen Ausstellungen zu entwickeln und zu kuratieren.

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