Uniinform_April_2018_web

Seite 4 April 2018 · uni | inform I N T E R N A T I O N A L E S Neue Perspektiven dank virtueller Mobilität  Curricula: Digitale Lehr- und Lernformate fördern internationale Zusammenarbeit im Studium (her) Ein Auslandssemester ist bei Göttinger Studierenden beliebt; rund 35 Prozent von ihnen sammeln so Erfahrungen in anderen Ländern. Um aber allen Studierenden unab- hängig von einem Auslandsaufent- halt internationale Kompetenzen und globale Perspektiven zu vermit- teln, unterstützt die Universität ihre Fakultäten und Lehrenden bei der systematischen Internationalisierung der Curricula. Dafür werden mit Partnern weltweit digitale Lehr- und Lernformate entwickelt. Aktuell för- dert die Universität auch zwei Pro- jekte in den Agrarwissenschaften. Im internationalen Studienpro- gramm „Integrated Plant and Animal Breeding“ können sich die zukünfti- gen Studierenden neuerdings bereits in ihrem Heimatland inhaltlich und soziokulturell auf das Studium in Göttingen vorbereiten. Im Online- Propädeutikum werden neben nütz- lichem Fachwissen auch die Grund- züge wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt und ein interkulturelles Training angeboten. „Außerdem gibt es hier schon erste Möglichkeiten, sich mit den zukünftigen Kommilito- ninnen und Kommilitonen auszutau- schen und zu vernetzen“, erklärt Pro- jektkoordinatorin Monika Carlsson. „So wollen wir frühzeitig eine Ge- meinschaft initiieren.“ Der zweite Schwerpunkt in die- sem Projekt ist der Aufbau eines digi- talen Kern-Curriculums. Im vergan- genen Wintersemester wurden be- reits drei Vorlesungen aufgezeichnet; ergänzt durch einen Selbsttest und ein Online-Tutorial. Hier werden Aufgaben und Lösungswege aus der Begleitveranstaltung zur Vorlesung präsentiert. „Studierende können so in ihrem eigenen Tempo lernen. Der Selbsttest und das Tutorial sind über Stud.IP abrufbar“, erläutert Carlsson. Außerdem wurden bereits die ersten Interviews aufgezeichnet, in denen Dozentinnen und Dozenten aus der internationalen Züchtungspraxis über ihre Karrierewege und -ziele sprechen und Karrieretipps geben. Im zweiten derzeit geförderten Projekt sollen Studierende und Leh- rende des Masterstudiengangs „Sus- tainable International Agriculture“ vom Austausch mit den südafrikani- schen Partnerhochschulen profitie- ren. Die Partner wollen gemeinsam ein digital basiertes Modul „Crop modelling for risk management“ ent- wickeln. Damit sollen Studierende in (bie) Seit zehn Jahren arbeiten die Universitäten Göttingen, Gent, Gro- ningen und Uppsala im internationa- len Netzwerk „U4“ eng zusammen. In einer vergleichenden wissenschaft­ lichen Studie des International Centre for Higher Education Research (INCHER) in Kassel belegt das Netzwerk Spitzenplätze im Hinblick auf gemeinsame Veröffentlichungen, Drittmittelprojekte und Studien- gänge, den Austausch von Forschen- den, Studierenden und Beschäftigten sowie die Kooperation in Leitung und Verwaltung. Das INCHER untersuchte 21 in- ternationale Hochschulnetzwerke mit deutscher Beteiligung, die von 2013 bis 2016 im Programm „Strategische Partnerschaften und thematische Netzwerke“ des Deutschen Akademi- schen Austauschdienstes (DAAD) gefördert wurden. Das U4-Netzwerk schnitt als eins der erfolgreichsten Netzwerke des gesamten Programms ab. Beispielsweise organisierten die U4-Partner mit Abstand die meisten Konferenzen (17), Sommerschulen (12) und Workshops (123). Ähnlich herausragend waren die Zahlen der ausgetauschten Studieren- den (298), Promovierenden (207) und Beschäftigten (212) – die U4-Partner tauschten im untersuchten Zeitraum so viele Promovierende aus wie alle anderen evaluierten Netzwerke zu- (her) Nutzpflanzen entwickeln ver- schiedene Strategien zur Schädlings- abwehr. Die zugrunde liegenden mo- lekularen Mechanismen erforschen die Doktorandinnen und Doktoran- den der International Research Trai- ning Group (IRTG) „PRoTECT – Plant Responses To Eliminate Criti- cal Threats“ unter Leitung von Spre- cher Prof. Dr. Ivo Feußner. Das DFG-Programm ist eine Koopera- tion mit der University of British Co- lumbia (UBC) im kanadischen Van- couver. Es eröffnet den Nachwuchs- forschenden viele Möglichkeiten, sich ein internationales Netzwerk für die Zukunft aufzubauen. Diese Ausrichtung des Pro- gramms überzeugte Lara Schmitz schon zu Zeiten ihres Masterstudi- ums der Mikrobiologie und Bio- chemie. Bereits während ihrer Mas- terarbeit arbeitete sie gezielt auf eine Teilnahme hin. Seit zwei Jah- ren gehört sie nun zu der Dokto- randengruppe, deren 15 Mitglieder aus Deutschland, Polen, China, Kroatien, Indien und Simbabwe stammen. Schmitz war bisher zwei Mal an der UBC in Kanada zu Gast. „Ich arbeite mit einem Pilz, der Mais- pflanzen infiziert. Das macht auch Sean McCotter, der in meinem Part- nerlabor in Vancouver promoviert. Durch den Austausch mit den Wis- Zusammen erfolgreich U4-Netzwerk erzielt Spitzenergebnisse in Studie Blickwinkel erweitert in Kanada  PRoTECT: Promovierende forschen in Laboren in Göttingen und Vancouver sammen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der U4-Partner akquirierten mehr als die Hälfte aller eingenommenDrittmittel imDAAD- Programm; außerdem veröffentlich- ten sie mit Abstand die meisten Ko- Publikationen. „Die Zusammenarbeit im U4- Netzwerk hat die Qualität in For- schung und Lehre deutlich gesteigert. Die Ergebnisse der Studie bestätigen unsere Internationalisierungsstrate- gie“, sagt Prof. Dr. Hiltraud Casper- Hehne, Vizepräsidentin für Inter­ nationales der Universität Göttingen. „Für das Konzept der europäischen Universitäten, die der französische Staatspräsident Emmanuel Macron Ende 2017 gefordert hat, kann das U4-Netzwerk als Modell dienen.“ Der Erfolg des U4-Netzwerks setzt sich aktuell fort: Die Partner bilden ihre Studierenden mittlerweile in neun gemeinsamen Studiengängen aus. Pro Jahr organisieren sie zwölf Sommerschulen, rund 30 wissen- schaftliche Workshops und mehr als zehn Fortbildungsveranstaltungen für Führungskräfte und Beschäftigte. Hinzu kommen mehr als 300 Ko- Publikationen und Workshops zu Themen wie Data Science, For- schungs- und Informationsinfra- strukturen, Nachhaltigkeit, Museen und Sammlungen sowie Nachwuchs- förderung. www.u4network.eu senschaftlern dort habe ich neue Methoden, zum Beispiel zur geneti- schen Veränderung des Pilzes, ken- nengelernt und angewendet“, erläu- tert Schmitz. Darüber hinaus lernte sie die Arbeitsabläufe in einer größe- ren Arbeitsgruppe als in Göttingen kennen. „Dort wurde ich nicht so engmaschig betreut, was mehr Frei- heiten, aber auch mehr Verantwor- tung bedeutet“, erzählt Schmitz. McCotter wird im Sommer zwei Monate im Göttinger Labor von Juniorprofessor Dr. Kai Heimel ver- bringen, in dem auch Schmitz arbei- tet. Seine Kollegin Linda Horia- nopoulos wird in dem selben Zeit- raum im Labor von Prof. Dr. Ger- hard Braus forschen. Am 14. und 15. Juni 2018 werden sie zudem am „International Plant Immunity Symposium“ teilnehmen, das die Göttinger Promovierenden der IRTG organisieren. „Mit Unterstüt- zung der am Programm beteiligten Professorinnen und Professoren ist es ihnen gelungen, ausgewiesene Ex- pertinnen und Experten aus aller Welt als Vortragende zu gewinnen“, so IRTG-Koordinatorin Judith Wassiltschenko. www.irtg2172protect.uni-goettingen.de www.ipis2018.uni-goettingen.de #ipis2018 Im Studio: Robert Panten führt Regie bei der Videoproduktion. Vier der 15 Nachwuchsforschenden im Labor: Sven Haroth und Athanas Guzha (hinten von links) sowie Lara Schmitz und Milena Lewandowska (vorne von links). Göttingen und Südafrika unter ande- rem die Grundlagen der Pflanzenpro- duktion-Modellbildung in unter- schiedlichen klimatischen, wirtschaft- lichen und kulturellen Kontexten in virtueller Projektarbeit gemeinsam erarbeiten können. „Wir wollen bei Studierenden wie Lehrenden die Fä- higkeit fördern, die Standortgebun- denheit der eigenen Perspektive kri- tisch zu reflektieren“, sagt Projektko- ordinatorin Dr. Esther Fichtler von der Abteilung Tropischer Pflanzen- bau und Agrosystem Modellierung. Seit dem vergangenen Jahr wurden bereits Projekte in fünf Fakultäten rea­ lisiert. Weitere Ideen, insbesondere aus den Natur- und Lebenswissen- schaften, sind willkommen. Koordi- niert wird das Pilotprojekt „Internatio­ nalisierung der Curricula: Internatio- nalisierung – Digitalisierung – Diver- sifizierung“ von der Abteilung Stu- dium und Lehre. Expertinnen und Experten für Lehrentwicklung, E- Learning und Videoproduktion unter­ stützen bei der Umsetzung der Ideen für eine „virtuelle Mobilität“. Zudem bestehen Möglichkeiten der Förde- rung aus Studienqualitätsmitteln. www.uni-goettingen.de/de/ das+göttinger+projekt/537119.html Internationale Forschung Drei Postdocs in Göttingen (her) Drei internationale Postdokto- randen sind im Rahmen des DAAD- Programms „Postdoctoral Resear- chers International Mobility Experi- ence (P.R.I.M.E.)“ an der Univer­ sität Göttingen zu Gast. Der Litera- turwissenschaftler Dr. Jurrit Daal- der, vormals an der Universität Ox- ford, forscht in Göttingen gemein- sam mit Prof. Dr. Andrew Gross an der Abteilung für Nordamerika­ studien über drei US-amerikanische Essayisten des mittleren Westens. Dr. Jan Engelmann arbeitete zuletzt am Max-Planck-Institut für evoluti- onäre Anthropologie in Leipzig. In Göttingen forscht er gemeinsam mit Prof. Dr. Hannes Rakoczy vom Georg-Elias-Müller-Institut für Psy- chologie über die Rolle von Freund- schaften bei Kooperationen. Der Teilchenphysiker Dr. Vincent The- euwes, vormals State University of New York in Buffalo, forscht in Göttingen gemeinsam mit Prof. Dr. Steffen Schumann am Institut für Theoretische Physik zum Thema „Improving Strong Coupling Fits Through Use of Jet Substructure Techniques“.

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