Ein Bericht zweier Teilnehmerinnen der letzten Akademie:
Von der Universität Göttingen wurde in der 2. Woche der Herbstferien das Projekt Schülerakademie „Sprache der Wissenschaft, Wissenschaft der Sprachen“ angeboten. Die Schwerpunkte lagen in der klassischen, deutschen und slawischen Philologie sowie in der Arabistik. Die meisten Schüler denken da wahrscheinlich: „Arbeiten in den Ferien?!? Nein, danke!“ Doch wir waren insgesamt 5 SchülerInnen vom FKG, die dieses Angebot als tolle Gelegenheit empfanden, einen Einblick in die Uni zu erhalten und in ein philologisches Studium „reinzuschnuppern“. Außerdem würden wir andere Schüler kennen lernen, die ebenfalls an den angebotenen Themen interessiert sind. Doch der Hauptgrund, weshalb wir uns dazu entschlossen, an dem Projekt teilzunehmen, war, neue Bereiche zu entdecken und zu erforschen.

Die Teilnehmer der ersten Akademie Herbst 2008
Am Montag beschäftigten wir uns mit der Klassischen Philologie. Das zu erarbeitende Thema hieß „die Odyssee“. Das klingt zu Anfang nach Geschichte. Doch uns wurde das Thema sehr lebendig vertraut gemacht. Zuerst unterhielten wir uns über Literatur allgemein. Anschließend erarbeiteten wir uns mehrere ausgewählte Ausschnitte aus Homers Werk, der Odyssee, wobei wir zuerst auf die Rolle eines Sängers genauer eingingen und selbst einen Auszug auswendig vortragen sollten, woran jedoch viele wegen Zeitmangel gescheitert sind. Uns ist bei diesem Versuch aber aufgefallen, dass man sich lyrische Texte besser als Prosatexte einprägen kann. Ganz hinten kommt auditives Lernen. Außerdem beschäftigten wir uns mit dem langen Weg der mündlichen Weitergabe von den Sagen der Odyssee bis zur schriftlichen Festhaltung durch Homer.
Dienstag erhielten wir einen Einblick in die Slavische Philologie, dem Kulturraum der osteuropäischen Länder. Das Thema: Wahrnehmung. Hierbei versuchte uns der Dozent das Thema nahezulegen, indem wir ein Gemälde von Kadinskij im Sinne der Wahrnehmung betrachteten. Dann unterhielten wir uns über den Sinn und Inhalt eines Kunstwerkes am Beispiel von dem Gemälde von Claude Monet „Soleil levant“. Anschließend gingen wir über zur Literatur. Wir beschäftigten uns mit Werken von slawischen Autoren wie Cechov und analysierten diese.
Am Mittwoch kam der Bereich Deutsche Philologie an die Reihe. Zunächst ging es um die Schülerakademie, wir diskutierten über unsere Erwartungen, Wünsche, was uns verbindet und wo wir Unterschiede aufweisen können. Dann kamen wir zum eigentlichen Thema, dem Göttinger Hainbund, einem 1772 im Zeitalter der Aufklärung gegründeten Freundeskreis junger Göttinger Dichter, die Klopstock als Vorbild ansahen. Es entstanden neue Arten von Literatur, die Göttingen für einen kurzen Zeitraum zu einem Mittelpunkt deutscher Literatur werden ließen. Bekannte Mitglieder des Göttinger Hainbunds waren u.a. H. C. Boie und H. Voß.
Am Donnerstag wurde uns die arabische Sprache ein bisschen vertraut gemacht. Wir haben uns mit der Geschichte, Struktur und Bedeutung der Arabischen Sprache beschäftigt.
Arabisch ist eine semitische Sprache, die ungefähr 150 Millionen Menschen sprechen. Mit Hilfe einer Schrifttabelle haben wir versucht unsere Namen zu schreiben, was teilweise sehr schwer war, denn im Arabischen gibt es weder e noch o. Der Dozent hat uns dann auch noch mit Hilfe der Umschrift Teile der arabischen Grammatik gezeigt. Alle waren sehr überrascht, als wir erfuhren, dass es im Arabischen keine unregelmäßigen Verben gibt, aber eine Sprache ohne Ausnahmen gibt es einfach nicht und somit hat auch die arabische Sprache ihre Ausnahmen, zum Beispiel bei der Pluralbildung.
Am Freitag sollte man ein Thema auswählen, in das man vertieft einging. Wir haben uns für die slawische Philologie entschieden, denn wir fanden es interessant, die Kunstwerke zu analysieren und zu interpretieren. So haben wir uns noch mit einigen literarischen Texten und Kunstwerken, wie die Sternennacht von Van Gogh beschäftigt. Zur Hilfe haben wir uns dazu noch einmal deutlich gemacht, was den Inhalt vom Sinn eines Kunstwerkes unterscheidet, was eigentlich ein Kunstwerk ausmacht und welche Rolle die Wahrnehmung in der Kunst spielt.
Am Samstag ging es dann darum, uns gegenseitig unsere Arbeit in den Gruppen am Freitag vorzustellen.
Diese Tage waren lehrreich, spaßig, aber auch anstrengend, denn man kam teilweise an die Grenzen seiner Konzentration. Die Arbeit in kleineren Gruppen gab eine gute Arbeitsatmosphäre, weil die Schüler an dem Thema interessiert waren und man so gut mit ihnen diskutieren konnte. Der Zeitplan war durchorganisiert und straff. Von 9 bis 16 Uhr, unterbrochen von dem Mensaessen, haben wir gearbeitet. Abends gab es dann noch verschiedene Angebote wie zum Beispiel einen Grillabend bei einem der Professoren, einen Theaterbesuch und einen Filmabend. Die ganze Woche, die wir dort verbracht haben war abgesehen von dem Mensabesuch kostenfrei für uns und hier gilt auch noch einmal ein großer Dank an die Veranstalter und Mitorganisatoren dieser Schülerakademie.
Wenn euch die Themen der Schülerakademie angesprochen haben, besteht für euch die Möglichkeit, euch für die kommenden Schülerakademien in den Oster- und Herbstferien zu bewerben, auch wenn ihr bei der ersten nicht dabei wart. Es ist wirklich empfehlenswert!
So saßen wir also mit weiteren 35 SchülerInnen aus ganz Niedersachsen (es gab doppelt so viele Bewerbungen als Plätze) am Montag, den 20.10.2008, in der Aula am Wilhelmsplatz bei der prunkvollen Eröffnung mit schöner musikalischer Umrahmung. Nach der Ansprache der Kultusministerin und weiteren Reden ging dann das eigentliche Programm los. Wir wurden in zwei Gruppen geteilt, in denen wir während der nächsten drei Tage einen Einblick in 4 Bereiche der Uni erhalten würden.
Ein Bericht von Rebecca und Roxanne Pretzsch