Department of Agricultural Economics and Rural Development
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Bachelor- und Masterarbeitsthemen

Zu vergebende Bachelor- und Masterarbeitsthemen im Arbeitsbereich Landwirtschaftliche Betriebslehre

1. Politikfolgenabschätzung für den Europäischen Milchmarkt (Masterarbeit)
Der Milchsektor in der Europäischen Union (EU) ist aufgrund der schrittweisen Ausweitung der Milchquote, bis zu ihrer endgültigen Abschaffung in 2015, derzeit von starken Änderungen der Rahmenbedingungen betroffen. Zusätzlich waren Milchviehbetriebe in den letzten Jahren extremen Milchpreisschwankungen ausgesetzt. Als Folge rufen Landwirte und Interessenvertreter nach dem Staat als Regulativ. Politische Maßnahmen wie z.B. Investitionszulagen, Preisstabilisierung durch eine Fortführung des Quotensystems, die Einführung von (höheren) Mindestpreisen für Milchprodukte etc. werden gefordert. Bislang existieren jedoch noch keine milchspezifischen Modelle, die eine detaillierte Politikfolgenabschätzung für diesen Sektor zulassen. Dementsprechend sollen im Rahmen der Masterarbeit Planannahmen (z.B. Preisparameter für Milchprodukte, Abschreibungsraten auf Anlagevermögen von Milchviehbetrieben) aus realen Daten geschätzt werden. Basierend hierauf sollen die Auswirkungen relevanter Politikmaßnahmen auf (Des)Investitionsverhalten, Firmengewinne und gesamtwirtschaftliche Effizienz, unter Berücksichtigung von Wettbewerbs- und Realoptionseffekten, analysiert werden.

2. Kurzumtriebsplantagen (KUP)
Kurzumtriebsplantagen (KUP) stellen im Unterschied zu „klassischen“ landwirtschaftlichen Fruchtarten Dauerkulturen dar, deren Umsetzung mit versunkenen Kosten verbunden ist. Bei der Umstellung auf KUP handelt es sich damit um eine Investition, deren Durchführung zumindest teilweise irreversibel ist. Hinzu kommt, dass die Rückflüsse der Umstellung auf KUP mit Unsicherheit behaftet sind und unternehmerische Flexibilität bezüglich des Umstellungszeitpunktes besteht, d.h. es kann unverzüglich oder zu einem zukünftigen Zeitpunkt in KUP investiert werden. Nach dem klassischen Kapitalwertkriterium werden gewinnmaximierende Entscheider dann auf KUP umstellen, wenn die damit verbundenen Investitionskosten durch den Barwert der zusätzlich erzielten Rückflüsse gedeckt werden. Die neue Investitionstheorie bewertet unternehmerische Flexibilität und kommt zu Ergebnissen, die sich von der klassischen Investitionstheorie unterscheiden: Vereinfacht gesagt wird bei Vorliegen von zeitlicher Flexibilität die Investitionsschwelle nach oben verschoben. Letztlich müssen die erwirtschafteten Rückflüsse nicht nur die Investitionskosten, sondern auch die Opportunitätskosten bzw. den „Gewinn“ kompensieren, den man erzielen könnte, wenn man die Investition verschieben würde. Dieser Effekt ist besonders ausgeprägt, wenn die Rückflüsse der Investition unsicher sind und mit der Durchführung der Investition hohe versunkene Kosten entstehen. Es soll bestimmt werden, inwiefern die Berücksichtigung von unternehmerischer Flexibilität die Umstellungsschwelle auf KUP verändert

3. Investitions- und Desinvestitionsverhalten landwirtschaftlicher Unternehmer
Struktureller Wandel in der Landwirtschaft wird wesentlich durch Investitions- und Desinvestitionsentscheidungen landwirtschaftlicher Unternehmer beeinflusst. Ein vielfach zu beobachtendes Phänomen in diesem Zusammenhang sind die zu zögerlichen Anpassungsprozesse wirtschaftlicher Strukturen. So ist bspw. bekannt, dass Bodenpreise oftmals systematisch über den annualisierten Rückflüssen aus der Landnutzung liegen. In solchen Situationen ist unklar, warum Landwirte weiter produzieren, anstatt ihr Land zu verkaufen. In der Masterarbeit ist das Verhalten von Landwirten bei Investitionsentscheidungen unter Anwendung eines ökonomischen Experiments zu analysieren. Der vorliegende Datensatz ist umfangreich und kann für weitere Fragestellungen genutzt werden (Risikoeinstellung von Landwirten, Staus-Quo-Effekte, Endowment-Effekte usw.).

4. Finanzierungsverhalten von Landwirten
Landwirte wechseln zur Finanzierung von Investitionen oft nicht von ihrer Hausbank zu einer anderen Bank, auch wenn diese niedrigere Sollzinsen bietet. Diese „Trägheit“ kann zum einen in den Wechselkosten begründet sein. Zum anderen kann sie aber auch das Ergebnis begrenzt rationalen Entscheidungsverhaltens sein. Menschen haben Schwierigkeiten, Relativgrößen wie z.B. Prozentangaben richtig zu interpretieren. Dies ist mit Blick auf die Finanzierungsentscheidungen relevant, weil Banken mit dem Effektivzins eine Relativkennzahl ausweisen, die Vergleiche unterschiedlicher Darlehensangebote ermöglichen soll. Begrenzte Rationalität könnte sich darin äußern, dass Landwirte den geldwerten Unterschied zwischen alternativen Finanzierungsangeboten nicht erkennen, wenn dieser als Zinsunterschied ausgedrückt wird. Sowohl aus der Sicht der Landwirte als auch aus der Sicht der Banken ist es interessant zu untersuchen, wie Finanzierungsentscheidungen in der Landwirtschaft zu erklären sind und welche Implikationen sich für die Investitionsbereitschaft ergeben.

5. Management von Klimarisiken in der Landwirtschaft
Es ist seit langem bekannt, dass das Wetter den Hauptunsicherheitsfaktor in der landwirtschaftlichen Produktion darstellt; und es ist davon auszugehen, dass Schwankungen im Witterungsverlauf infolge des globalen Klimawandels weiter zunehmen werden. In der Vergangenheit haben Landwirte versucht, sich durch den Kauf von Versicherungen gegen wetterbedingte Ertragsschwankungen abzusichern. Ein relativ neues Instrument zur Steuerung des Mengenrisikos stellen sog. „Wetterderivate“ dar. Obwohl Wetterderivate gegenüber traditionellen Versicherungen Vorteile aufweisen, ist der Markt für diese Produkte in der Landwirtschaft noch relativ klein. Dies wird u.a. darauf zurückgeführt, dass nicht klar ist, ob und in welchem Umfang Wetterderivate ein nützliches Risikomanagementinstrument in der Landwirtschaft darstellen. Daher soll für ausgewählte Betriebe die risikomindernde Wirkung quantifiziert werden, die durch den Einsatz von Wetterderivaten erzielt werden kann.

6. Besser planen mit Modellen?
Optimierungsverfahren finden bereits seit mehreren Jahrzehnten in der agrarökonomischen Forschung und Lehre starke Beachtung. Allerdings haben sie im Agrarbereich kaum Eingang in einzelbetriebliche Planungsprozesse gefunden. Insbesondere mit Blick auf die Bestimmung des Produktionsprogramms wird vielfach argumentiert, dass Landwirte basierend auf Intuition und Erfahrung optimal entscheiden, ohne in der Lage sein zu müssen, Planannahmen, wie z.B. differenzierte Fruchtfolgerestriktionen, explizit quantifizieren zu können. Bereits vorliegende Fallstudien am Fachgebiet zeigen jedoch, dass das Verbesserungspotenzial einer Planung, die sich auf formale Optimierungsverfahren stützt, von ihrem Ausmaß her bemerkenswert ist. Weitere empirische Untersuchungen werden angestrebt, um die Ergebnisse auf eine breitere Datenbasis zu stellen sowie um ggf. Unterschiede in der Höhe des Verbesserungspotenzials zwischen verschiedenen Gruppen von Betrieben (Standort, Größe, etc.) zu identifizieren.

7. Sonstige Themen:


  • Anwendungsfelder von Pflanzenwachstumsmodellen in der Agrarökonomie

  • Bestimmung des Tradeoffs zwischen Ökonomie und Ökologie bei unterschiedlichen Produktionsintensitäten

  • Wirtschaftlichkeit innovativer Produktionsverfahren, wie z.B. Kurzumtriebsplantagen, Hirse und Miscanthus, unter Berücksichtigung verschiedener Anbauformen und des Klimawandels

  • Bestimmung des optimalen Abholzungszeitpunktes einer Kurzumtriebsplantage

  • Wie funktioniert Preishedging?

  • Wirtschaftlichkeit des Anbaus der Energiepflanze Silphie als Substrat für Biogasanlagen

  • Rentabilität und Risiko des Anbaus von Stevia als Süßstoff unter unterschiedlichen Standortbedingungen

  • Welche ökonomischen Vorteile sind mit dem Maschinenleasing im Vergleich zum Maschinenkauf unter Berücksichtigung steuerlicher Wirkungen verbunden?

  • Bestimmung der optimalen Nutzungsdauer einer Milchkuh

  • Welche Rolle können Feldroboter in der pflanzlichen Produktion spielen?



Eigene Ideen und Konzepte sind ebenfalls herzlich Willkommen!





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