Faculty of Economic Sciences

Martin Mehrgott studierte Volkswirtschaftslehre in Göttingen von 1996 -2001 und schloss sein Studium als Diplom-Volkswirt mit Prädikat ab.


1) Bei welchem Unternehmen sind Sie beschäftigt und in was für einer Position/ in welchem Bereich arbeiten Sie dort? Was sind Ihre Aufgaben?

Ich arbeite bei der Volkswagen Financial Services AG (VW FS AG), die eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Volkswagen AG ist und ihren Sitz in Braunschweig hat. Sie ist zuständig für die Koordination der weltweiten Finanzdienstleistungsaktivitäten des Volkswagen Konzerns. Die Volkswagen Financial Services AG ist der größte automobile Finanzdienstleister in Europa. Die Bilanzsumme per 31. Dezember 2010 erreichte 65,3 Milliarden Euro. Zurzeit arbeiten für die Volkswagen Financial Services AG weltweit rund 6.800 Beschäftigte, davon rund 4.300 Mitarbeiter in Deutschland.

Seit dem 1. Juli 2011 leite ich die Abteilung Planung & Steuerung mit den Unterabteilungen Restwertmanagement, Planung & Steuerung Automotive sowie Planung und Steuerung Firmenkunden. Im Bereich Restwerte bin ich für das Restwertmanagement der VW FS AG zuständig. Hierzu gehören die Themen Risikomanagement, Restwertprognose von bestehenden und neuen Produkten, wie z.B. Elektrofahrzeugen sowie die Implementierung von Restwertabsicherungsmodellen für unsere Handelsorganisation.

Meine Aufgaben in den Planungs- & Steuerungsbereichen beinhalten die Vorbereitung und Durchführung von Planungsrunden, Vorschauen, Business Financial Reviews, Sales Meetings, etc. Darüber hinaus bauen wir diese Einheit gerade als „business intelligence unit“ aus. Im Bereich Firmenkunden habe ich darüber hinaus noch die Verantwortung für die IS-Koordination sowie das Marketing.


2) Wie haben Sie diese Position erlangt bzw. wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?

Ich habe 2001 bei der Volkswagen Financial Services AG angefangen. Bis Ende 2004 war ich im Zentralen Risikomanagement als Fachreferent tätig. Von Anfang 2005 bis Ende 2007 war ich als Vorstandsreferent zunächst für den Vorstandsbereich Großkunden, Gebrauchtwagen und Informatik und anschließend für den Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Leasing GmbH tätig. Anschließend leitete ich die Abteilung Restwertmanagement in der Volkswagen Leasing GmbH. Seit 1. Juli 2011 leite ich die Abteilung Planung & Steuerung in der Volkswagen Financial Services AG.


3) Wie haben Sie Ihren Berufseinstieg erlebt bzw. wie hat das Studium auf die Praxis vorbereitet?

Ich bin nach dem Studium direkt in den Beruf eingestiegen. Das war schon eine Umstellung, da ich zuerst meine Position im Unternehmen finden und mir ein Netzwerk aufbauen musste. Glücklicherweise habe ich viele nette und hilfsbereite Kollegen gehabt, die mir dieses erleichtert haben. Fachlich ist mir der Einstieg relativ leicht gefallen, obwohl die Praxis deutlich von den modellhaften Annahmen des Studiums abweicht. Es ist vieles an individuellen Unternehmensprozessen ausgerichtet und viele Aufgaben unterliegen inhaltlichen Vorgaben. Auf der anderen Seite ist dieses jedoch sehr reizvoll, wenn man das System zu nutzen weiß.

Rein fachlich konnte ich leider nicht so viel Gelerntes anwenden. Jedoch hat sich mein erworbener Überblick über die Finanzwelt und die Entwicklung von Problemlösefähigkeiten innerhalb des Studiums als sehr hilfreich erwiesen. Auch das eigenständige Arbeiten an der Universität hat mir sehr geholfen, im Beruf Fuß zu fassen.


4) Inwiefern wenden Sie Ihre im Studium erlernten Fähigkeiten und Fachkenntnisse im Beruf an?

Wie bereits angedeutet, war bei mir eine 1 zu 1 Übertragung des Gelernten nicht möglich. Jedoch profitiere ich auch heute noch von meinem Wissen über grundlegende Zusammenhänge einer Volkswirtschaft sowie der Finanzwirtschaft. Natürlich kann ich auch manchmal mit dem einen oder anderen fachlichen Highlight glänzen. In meiner jetzigen Position steht das fachliche Arbeiten deutlich im Hintergrund. Vielmehr sind meine Personalführungskompetenz sowie die strategische Weiterentwicklung meines Aufgabenbereiches gefragt.


5) Denke ich an Göttingen zurück…

Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen an Göttingen. Insbesondere die freie Zeiteinteilung und die Möglichkeit auch fachfremde Dinge zu machen sind mir in guter Erinnerung geblieben. Da war z.B. die langjährige Mitarbeit als Tutor der WiWi-O-Phase. Mit einigen meiner Mit-Tutoren treffe ich mich noch heute. An den Klausuren- und Diplomarbeitsstress denke ich natürlich nicht so gerne zurück, aber dafür gab es auch die eine oder andere abendliche Zerstreuung. In besonderer Erinnerung sind mir die Schlagerparties in der Oper sowie die Heimparties am Ifl oder Roko geblieben.


6) Welche Tipps geben Sie Berufseinsteigern mit auf den Weg?

Meines Erachtens ist es wichtig, sich am Anfang seiner Karriere ein Spezialgebiet zu suchen und dort tiefes Fachwissen aufzubauen. Dieses kann z.B. der Bereich Controlling, Risikomanagement, Rechnungswesen auf Backoffice-Seite oder der Bereich Vertrieb oder Marketing auf Frontoffice-Seite sein. Von diesem Fachwissen innerhalb eines Bereiches wird man immer zehren können, insbesondere da sich einem viele fremde Herausforderungen stellen.