Seminar für Romanische Philologie

Olga Kellert, M.A.

Zusammenfassung des DFG-Projekts ?Quantification in Old Italian? (mit Prof. Dr. Guido Mensching von der Universität Göttingen, Prof. Dr. Cecilia Poletto und Dr. Irene Franco von der Universität Frankfurt a.M.)

Hauptziele des Projekts:


  • Beschreibung des altitalienischen Quantifizierersystems und seines diachronen Wandels in Mittelalter und Renaissance. Ziel ist die Erstellung eines exhaustiven Inventars von Quantifizierern und hiermit in Verbindung stehenden Elementen sowie die detaillierte Analyse, insbesondere der internen und externen Syntax von Quantifiziererphrasen. Untersucht werden soll ihr Verhalten im Hinblick auf Wortstellung, bewegungsauslösende Faktoren/Merkmale, Diskontinuität, Kongruenz-verhalten und Semantik in Abhängigkeit von o.g. Faktoren.
  • Im Rahmen des Projekts wird das altitalienische Quantifizierersystem mit dem bereits sehr gut erforschten heutigen Standarditalienisch und mit entsprechenden Daten aus heutigen italienischen Dialekten verglichen. Wie das ASIt-Projekt (Syntaktischer Sprachatlas italienischer Dialekte) bereits gezeigt hat, verhalten sich bare quantifiers heute vielfach anders als komplexe quantifizierende Ausdrücke. Es gilt im Rahmen des Projekts u.a. zu zeigen, ob ein solcher Unterschied auch im Altitalienischen festzustellen ist. Dieses Vorgehen basiert auf der Annahme, dass sich in einer bestimmten diachronen Sprachstufe vorhandene Phänomene später noch in diatopischen Varietäten nachweisen lassen. Die Integration von diachroner und synchroner Variation stellt einen wichtigen Mehrwert des Projekts dar.



?Prosodie von Satztypen? (Projekt mit Dr. Caterina Petrone (Univ. Aix-Marseille) und Dr. Daniele Panizza (Univ. Göttingen), im Rahmen des CRC Forschungszentrums ?Text-strukturen? der Universität Göttingen)

Das Projekt verfolgt folgende Ziele: Ein Hauptaspekt des Projekts liegt auf der akustischen Analyse von morphosyntaktisch identischen exklamativen und interrogativen Äußerungen (z.B. italienisch Quanto è lungo!/? ?Wie lang ist er?/Wie lang er ist!?) anhand von Parametern wie Dauer und F0. Dabei gilt es, die Akzenttypen und die Akzentpositionen exklamativer Äußerungen von Akzenttypen und Akzentpositionen interrogativer Äußerungen zu unterscheiden. Die Zielsprache ist das in Cosenza gesprochene Regionalitalienisch. Der Schwerpunkt liegt auf einer Kombination der Erforschung von Produktion und Perzeption. Auf der Basis von Produktionsdaten werden Hypothesen für eine systematische Manipulation von Stimuli generiert, anhand derer sich die perzeptuelle Relevanz der phonetischen Parameter überprüfen lässt. Erste Produktionstests haben bereits einen signifikanten Unterschied in der nuklearen Intonationskontur sowie in den initialen und finalen Grenztönen gezeigt. Außerdem wurde ein signifikanter Unterschied in der Dauer der betonten Silbe festgestellt. Die Relevanz der besagten Parameter wird im nächsten Schritt auf der Ebene der Perzeption im Labor des CRC Forschungszentrums ?Textstrukturen? in Göttingen und im Labor der Universität Kalabrien getestet. Dabei werden psycholinguistische Experimente durchgeführt, in denen Reaktionszeiten von Versuchs-personen in unterschiedlichen Aufgaben, die der Satztypidentifizierung dienen, gemessen werden.


?Syntaktischer und semantischer Wandel in (Alt)Romanischen Sprachen, unter der besonderen Berücksichtigung des (Alt)Spanischen?

Ziel des Projekts ist die Untersuchung des Wandels von definiten/nominalen zu indefiniten/quantifizierenden Kategorien. Dabei wird vor allem die Frage untersucht, inwieweit der semantische und der syntaktische Kontext (z.B. Polarität) den semantischen und syntaktischen Wandel von einer definiten zu einer indefiniten Nominalphrase vorantreiben. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Untersuchung und Verwendung definiter Pronomen in freien Relativsätzen (z.B. altspanisch dil? que enbío mis fijas a tierras de Carrión, de lo que ovieren huebos, sírvalas a so sabor ?Sag ihm, dass ich meine Töchter in die Länder(eien) von Carrión schicke; was sie brauchen sollten, davon soll er ihnen geben nach ihrem Geschmack? (Poema de Mio Cid, 2639)). Es sollen zunächst folgende Fragen beantwortet werden: Welche syntaktischen und/oder semantischen Bedingungen haben zu der Entwicklung von definiten Pronomina zu indefiniten bzw. Fragepronomina beigetragen und wie lässt sich das kompositionell-semantische Problem solcher Strukturen lösen? Fragestrukturen werden in klassischen formal-semantischen Modellen als eine Menge von Alternativen interpretiert, während Definitheitsmarker wie lo in definiten Ausdrücken gebraucht werden, die referentiell oder zumindest spezifisch interpretiert werden. Dieses Spannungsfeld zwischen definiten und quantifizierenden Ausdrücken in altromanischen Sprachen wird in dem Projekt genauer untersucht.