Faculty of Business and Economics

Probieren geht über und Studieren: Stipendien für zukünftige Wirtschaftsinformatikerinnen

The content is not available in English, as the offer is aimed at German-language courses of study.


Den Spruch "Probieren geht über Studieren" hat bestimmt jede von euch schon einmal gehört. Mit einem Projekt, das durch Gelder aus dem Gleichstellungs-Innovations-Fonds der Universität Göttingen und der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät finanziert wird, ist beides möglich:
Probieren geht über und Studieren!

Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät vergibt zum ersten Mal im Wintersemester 2018/19 Stipendien in Höhe von 350 € pro Monat an Studentinnen, die testen wollen, ob Wirtschaftsinformatik ein für sie passender und machbarer Studiengang ist. Wir sind uns sicher, dass dies bei viel mehr Studentinnen der Fall ist, als so manche von euch denkt.

Aus vielen Gesprächen in der Studienberatung wissen wir, dass sich einige, die für BWL oder VWL immatrikuliert sind, auch für Wirtschaftsinformatik interessieren. Ihr traut euch nur manchmal nicht zu, dies zu studieren. Fragen wie "Wie schwer ist Informatik I ?", "Muss ich vorher schon programmieren können?", "Was mache ich später damit?", "Muss ich dafür schon vorher IT-Nerd sein?" und so weiter, schwirren dir im Kopf herum. Viel Unsicherheit liegt vor und die Befürchtungen sind mehrheitlich unbegründet. Das Stipendium ermöglicht es dir, das Wirtschaftsinformatik Studium auszutesten, indem du Module aus dem Studiengang wählst, ohne im Studiengang Wirtschaftsinformatik immatrikuliert zu sein. In den Bachelorstudiengängen sind die meisten Module sogar im Wahlbereich einbringbar.

Warte nicht länger und probiere dich aus. Dies ist eine einmalige Chance fürs Herumprobieren und Herausfinden, ob dir Wirtschaftsinformatik liegt und dabei finanziell unterstützt zu werden. Bewirb dich bis zum 30. September 2018!

... und warum nur für Studientinnen?

Digitalisierung, die Verwendung von Daten und Informationen sowie die Nutzung von Informationssystemen (z.B. Software und Hardware) sind Hauptbestandteile der zukünftigen Arbeits- und auch eigenen Lebenswelt. Nur 14.8% der Studierenden in unserem Bachelor und Master Wirtschaftsinformatik sind Frauen, obwohl vermutlich 100% der Studentinnen jeden Tag mit (Wirtschafts-)Informatik zu tun haben.

Du hast ein Smartphone, Tablet oder Laptop bei dir, nutzt damit Video- und Musik-Streaming Dienste, bedienst Social-Media Accounts, kaufst in Online-Shops ein, buchst Flüge und Reisen, rufst Studienunterlagen auf Internetplattformen ab oder surfst einfach so im Internet. Aber mit (Wirtschafts-)Informatik hast du nicht zu tun? Du merkst schon, es stimmt nicht!

Obwohl die Digitalisierung eines der großen gesellschaftlichen Zukunftsthemen ist und der Bereich des E-Business hervorragende Karrierechancen und kreative Gestaltungsspielräume bietet, sind Frauen stark unterrepräsentiert. Das liegt nicht daran, dass Frauen dies nicht können. Manchmal liegt es einfach daran, dass sich Frauen seltener zutrauen, in so genannte „Männerdomänen“ einzusteigen.

Viele verschiedene Gründe können hier genannt werden: Schon in der Schule geht es los mit Klischees wie Mädchen können keine Mathe, Physik oder haben keine Ahnung von Computern (längst statistisch widerlegt, Schülerinnen sind oft besser) oder noch früher: Kleine Jungs spielen mit Lego-Technic und Mädchen?; Sie kriegen Puppen und Barbies.

Auch wenn du glaubst, dass es bei dir anders war: Deine gesellschaftliche Umwelt prägt dich und hat Auswirkungen. Dazu kommt, dass viele Frauen abgeschreckt werden, wenn Sie wissen, dass ein Studiengang vor allem von Männern studiert wird. Die Role-Models (Vorbilder) fehlen. Studentinnen sind dann etwas besonderes, glauben, dass sie auffallen oder besonders kritisch beäugt werden, was sie nicht wollen. Es ist für viele einfacher, das zu machen, was alle machen, als den außergewöhnlicheren Weg zu gehen und dabei eine Studentin unter vielen Studenten zu sein. Dies soll durch ein solches Stipendienprogramm behoben werden (auch langfristig).

Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzt (AGG, §5) ist ein Stipendium nur für ein Geschlecht erlaubt, wenn durch geeignete und angemessene Maßnahmen bestehende Ungleichgewichte verhindert oder ausgeglichen werden sollen.

Wir an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät glauben fest daran, dass Frauen und Männer in gleichem Maße für Wirtschaftsinformatik geeignet sind und wollen daher Frauen fördern, um bestehende Ungleichheiten zu verringern.
Wirtschaftsinformatik hat etwas damit zu tun, dass betriebswirtschaftliche Fragestellungen mit Hilfe von computergestützten Programmen und Systemen gelöst und optimiert werden. Daten und Informationen sollen und müssen in einer Organisation durch Informationssysteme (z.B. Software und Hardware) effektiv und effizient genutzt werden. Ein aktuelles Beispiel sind die sich scheinbar unregelmäßig ändernden Preise in Online-Shops oder die grundsätzliche Digitale Transformation. Um IT-Lösungen zu erstellen, müssen Datenbestände und die Geschäftlogik aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen zusammengeführt (Marketing, Vertrieb, Controlling etc.) und in einem Informationssystem abgebildet werden. Daher werden Fachkräfte gesucht, die sich in beiden Bereichen auskennen und diese miteinander verbinden können.

Wirtschaftsinformatik ist ein interdisziplinäres und anwendungsorientiertes Fach, das insbesondere die Inhalte der Betriebswirtschaftslehre mit denen der Informatik verbindet. Nach einem solchen Studium besitzt du auf der einen Seite fundierte Kenntnisse über die Funktionen, Daten und Prozesse in Unternehmen sowie Verwaltungen und auf der anderen Seite weißt du über die Möglichkeiten und Problemlösungswege der Informatik Bescheid.

Technische Lösungen zum Selbstzweck zu erstellen ist nicht der Sinn der Wirtschaftsinformatik. Es geht immer darum, die Systeme so zu gestalten, dass die Personen, die sie anwenden, einen Nutzen davon haben, z.B. in Form von Kosten- oder Zeitvorteilen. Daran kannst du als Wirtschaftsinformatikerin mitwirken. Eine Wirtschaftsinformatikerin ist nur in seltenen Fälle diejenige, die im Berufsleben den ganzen Tag programmiert oder Software entwickelt.

Derzeit sind ca. 55.000 Stellen für IT-Fachkräfte unbesetzt. Der Fachkräftemangel zeigt sich immer mehr. Die Arbeitslosenquote unter IT-Fachkräften liegt bei 2,5%. Das ist sehr gering.

Wirtschaftsinformatik ist unter den TOP 5 der Studienfächer mit den höchsten Einkommen, hinter Medizin, Rechtswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen. Das Brutto Durchschnittsgehalt liegt bei 64.837 € (Einstiegsgehälter liegen bei 40.000 bis 45.000 €). Im Vergleich dazu hier einige Durchschnittgehälter aus anderen Bereichen: Einkauf und Logistik 54.867 €, Personalwesen 56.830 €, Banken und Versicherungen, Finanzen 61.173 €, Marketing 56.132 € [Stepstone Gehaltsreport 2018].

Einsatzbereiche und Berufsfelder sind:

  • Projektmanagement
  • Implementierung von IT-Systemen
  • Betriebsorganisation und –planung
  • IT-Koordination, -Organisation, -Management
  • Vertrieb und Marketing
  • Logistik
  • Unternehmensberatungen
  • Softwareentwicklung, z.B. Design und Anwendung von Software
  • Geschäftsmodellentwicklung für digitale Produkte und Dienstleistungen
Nein! Die Rede und das Klischee von "Nerds" und "Geeks" selbst tragen dazu bei, dass sogenannte MINT Fächer als weniger attraktiv wahrgenommen werden. Hier findet eine ungewünschte Kategorisierung vieler verschiedener Menschen statt, die sich für bestimmte Themen interessieren. Ähnliche Vorurteile und Klischees gibt es über WiWi-Studierende. Treffen die zu?

Programmieren ist nur ein überschaubarer Teil des Studiums und muss später nicht das sein, was du den ganzen Tag machst. Aber um professionell im Bereich IT arbeiten zu können, musst du wissen was dahintersteckt und es daher im Studium lernen.

Wirtschaftsinformatik hat was damit zu tun, dass betriebswirtschaftliche Fragestellungen mit Hilfe von computergestützten Programmen und Systemen gelöst und optimiert werden. Daher werden Fachkräfte gesucht, die sich in beiden Bereichen auskennen und sie miteinander verbinden können.

Nein. Du lernst alles in den Modulen, die du belegen musst. Vorwissen ist nicht notwendig. Allerdings solltest du Interesse, ein mathematisch-logisches Grundverständnis mitbringen (Mathekenntnisse aus dem Abi sind ausreichend) sowie eine anwendungsbezogene, praktische Arbeitsweise spannend finden.

Am allerwichtigsten: Du solltest dich einfach trauen es auszuprobieren, wenn dich das Fach und die Berufsperspektiven grundsätzlich interessieren. (Wirtschafts-)Informatik ist keine Zauberei, auch wenn es von außen manchmal so aussehen kann. Obwohl Gabe Newell in diesem Video behauptet: „Programmer’s of tomorrow are the wizards of the future.”


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Über die Gründe wie Fachkräftemangel, Zukunftsthema Digitalisierung und die wenigen Wirtschaftsinformatikerinnen steht oben schon viel.

Die 350 € pro Monat sollen dich animieren, den Schritt zu wagen, etwas auszuprobieren, von dem du dir nicht sicher bist, ob es was für dich ist oder es dir liegt.

Wir wissen, dass für die meisten Studentinnen die finanziellen Mittel begrenzt sind und daher ein Risiko damit verbunden ist, wenn du Module belegst, die du im Zweifel nicht bestehst. Vor allem ein zeitintensives Modul wie Informatik I. Falls also das „Probieren geht über und Studieren“ nicht erfolgreich ist, wird der finanzielle Verlust durch das Stipendium ein wenig aufgefangen. Vor allem, wenn sich dadurch deine Studienzeit verlängern sollte.
Der Betrag von 350 € ist ungefähr die Hälfte des Bafög Höchstsatzes, also die Hälfte des Lebensunterhalts eines Monats. Die Hälfte deswegen, weil du im Wintersemester 16 Credits belegst und bei Erfolg sowie weiterer Förderung im Sommersemester dann mindestens 12 Credits. Das ergibt also ca. die Hälfte der Credits, die du in einem Semester oder einem Studienjahr belegen sollst.

Die Module, die du während des Stipendium belegst, sind in den Wahlbereich der Studiengänge BWL und VWL einbringbar. Dies gilt nicht für Wirtschaftspädagogik, da es dort keinen Wahlbereich gibt. Wenn du schon im Master studierst, können die Module zwar belegt werden, dafür haben wir gesorgt, können aber nicht als Credits in den Studiengang eingebracht werden. Du machst diese Module und Credits also zusätzlich zu deinem Masterstudium.
Jetzt aber bitte keine Angst bekommen! Die Durchfallquote im Modul Informatik I liegt nur bei ca. 26%.

Du musst dich bewerben! Am besten sofort, aber spätestens bis zum 30. September 2018. Wie und wo du dich bewerben kannst, findest du hier oder im Link auf der rechten Seite.

Dort steht, welche Bewerbungsunterlagen du brauchst und welche Module du im Wintersemester belegen musst, um das Stipendium zu erhalten. Eines der Module ist Informatik I und bei dem anderen Modul kannst du aus zwei Grundlagenmodulen der Wirtschaftsinformatik wählen. Wenn du diese beiden Module im Wintersemester bestehst, kannst du eine Verlängerung des Stipendiums um 6 Monate für das Sommersemester beantragen.

Da wir aus den Erfahrungen lernen wollen, sieht die Richtlinie zum Stipendium vor, dass du dich bei Annahme des Stipendiums verpflichtest, an Feedbackgesprächen und Evaluationen teilzunehmen. Freuen tun wir uns, wenn du für andere Interessierte (ja, auch zukünftige Wirtschaftsinformatik Studenten) einen Beitrag auf unseren Social-Media Accounts verfasst, damit Sie aus deinen Erfahrungen lernen können.