Skandinavisches Seminar

Von goldenen Tafeln und magischen Schachbrettern. Studien zur Geschichte strategischer Brettspiele im mittelalterlichen Nord- und Nordwesteuropa.

Gegenstand des Forschungsprojektes ist eine systematische Auswertung des umfangreichen archäologischen, literarischen und mythologischen Quellenmaterials zur Geschichte des Schach (skáktafl), Backgammon (kvátra oder kvátrutafl), hnefatafl und verwandter tafl-Spiele in den nordischen Ländern einschließlich kolonisierter Gebiete. Im Mittelpunkt der Arbeit soll neben historischen Aspekten vor allem die Analyse von sozialen und kulturellen Funktionen von Spielen im mittelalterlichen Norden – auch im Vergleich zur Spielkultur des mittelalterlichen Kontinentaleuropas – stehen. Methodische Basis sind neben literaturwissenschaftlichen, linguistischen und archäologischen Ansätzen allgemeine und brettspielspezifische Spieltheorien. Zentrale Themen des Projektes sind: die wikingerzeitliche Brettspielkultur vor und außerhalb des Schachspiels; die Übernahme und Akkulturation des Schachspiels in Skandinavien sowie dessen Rolle in der historischen Entwicklung der Schachfiguren-Ikonographie; die Schachterminologie des Nordgermanischen in synchroner und diachroner Perspektive; die vergleichende Sozialtopographie der verschiedenen Brettspiele in Nordeuropa; die einheimischen Brettspiele, das Schachspiel und Backgammon (Tricktrack) als literarisches und mythologisches Motiv in fiktionalen Texten sowie Schach als Thema von Sachtexten; die Beziehungen von Brettspiel zum Würfel-, Karten- und Ballspiel im untersuchten geographischen und historischen Raum.