15/07/2014:
Auch Leiharbeitsverhältnisse sind meist nur von kurzer Dauer

Seit der weitgehenden Deregulierung der Leiharbeit Anfang 2003 (Wegfall des Synchronisations- und Wiedereinstellungsverbots sowie der Überlassungshöchstdauer) setzen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen vermehrt Leiharbeiter ein, was zur Folge hatte, dass deren Zahl sich seit dem Jahr 2000 beinahe verdreifachte. Leiharbeiter sind billige Arbeitskräfte, die man nach Gebrauch schnell wieder loswerden kann. Und von dieser Möglichkeit wird gern und häufig Gebrauch gemacht. Für knapp die Hälfte der Leiharbeiter endet ihr Einsatz beim ausleihenden Unternehmen bereits nach weniger als drei Monaten. Kein Wunder also, dass Leiharbeiter ein fünfmal höheres Risiko haben arbeitslos zu werden (siehe 27.02.2014). Doch nicht nur die Einsatzzeiten sind kurz, auch die Beschäftigungsverhältnisse bei den Leiharbeitsunternehmen sind meist nur von kurzer Dauer.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat für die Jahre 2000 bis 2012 untersucht, wie lang die Zeiträume sind, in denen Leiharbeiter bei Leiharbeitsunternehmen beschäftigt sind. Wie die Studie feststellt, dauerten die Leiharbeitsverhältnisse im gesamten Betrachtungszeitraum im Mittel drei Monate, wobei ein leichter Trend zu längeren Beschäftigungszeiten zu beobachten war.

Einer Pressemitteilung des IAB zufolge seien im Jahr 2000 noch 52 Prozent der Leiharbeitnehmer weniger als drei Monate bei einem Leiharbeitsunternehmen beschäftigt gewesen. 2012 sei ihr Anteil auf 47 Prozent gesunken. Mehr als neun Monate hätten im Jahr 2000 etwa 22 Prozent der Leiharbeitsverhältnisse gedauert, 2010 habe dies für 28 Prozent gegolten.

Die Dauer der Leiharbeitsverhältnisse ist je nach Qualifikation der Leiharbeitskräfte unterschiedlich. Wie das IAB schreibt, dauerten Leiharbeitsverhältnisse von Akademikern (ihr Anteil an allen Leiharbeitskräften liegt unter 5 Prozent), aber auch von Facharbeitern länger als die von Geringqualifizierten. Etwa 36 Prozent der Leiharbeiter mit Hochschulabschluss und 26 Prozent der Leiharbeiter mit Berufsausbildung seien nach neun Monaten nach wie vor im gleichen Leiharbeitsunternehmen tätig gewesen. Hingegen hätten nur etwa 18 Prozent der Leiharbeiter ohne abgeschlossene Berufsausbildung eine Beschäftigungsdauer von neun Monaten beim gleichen Betrieb aufgewiesen.

Eine Ursache für die längeren Beschäftigungsdauern Hochqualifizierter sei vermutlich die Art der ausgeübten Tätigkeit. Sie dürften häufiger in längerfristig angelegten Projekten eingesetzt werden, die auch eine längere Einarbeitungszeit verlangten. Leiharbeiter ohne Berufsausbildung seine dagegen häufiger in kurzfristigen Helfertätigkeiten mit einer kurzen Einweisungsphase anzutreffen.

Quelle:
IAB-Presseinformation vom 15.07.2014

Weiterlesen:
Haller, P./ Jahn, E. J. (2014): Zeitarbeit in Deutschland: Hohe Dynamik und kurze Beschäftigungsdauern. IAB-Kurzbericht, Nr. 13/2014, Nürnberg.