Lehrstuhl Prof. Dr. Hedwig Röckelein

Forschungsprojekt "Frauenstift Gandersheim"

Das vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen geförderte Projekt "Frauenstift Gandersheim" befaßt sich mit der Bestandsaufnahme, Analyse und Interpretation des Gandersheimer Schatzes und der Frühgeschichte des Konvents. Der 852 von Liudolf und Oda als Familienstift der Liudolfinger/Ottonen in Brunshausen gegründete und 881 nach Gandersheim verlegte Konvent gehörte zu den bedeutendsten Frauenstiften des Mittelalters. Er verfügte über zahlreiche kostbare liturgische Geräte, über eine Vielzahl von Reliquien und über Behältnisse zur Aufbewahrung dieser Heiltümer. Exemplarische Stücke aus diesem Schatz sind seit März 2006 in einer vom Portal zur Geschichte e.V. unter Leitung von Dr. Martin Hoernes realisierten, von Dr. Thomas Labusiak weitergeführten und jetzt von Christina Durant kommissarisch betreuten Ausstellung in der Stiftskirche Bad Gandersheim dauerhaft ausgestellt.
Flyer: Portal zur Geschichte

Im Rahmen des Forschungsprojektes werden sowohl die überlieferten Sachzeugnisse sowie die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Schriftquellen ausgewertet, die Auskunft geben über den Bestand an Reliquien, Reliquiaren und weiteren Schatzobjekten sowie über den Heiligenkult des Stiftes. Eine vertiefte Analyse der Herkunft der Reliquien und der Identität und Hierarchie der im Stift verehrten Heiligen ermöglicht Rückschlüsse auf das Selbstverständnis der Stiftsdamen und auf das Beziehungsgeflecht, in das der Frauenkonvent eingebunden war. Die vielfältigen Bedeutungsdimensionen mittelalterlicher Schätze sollen am Gandersheimer Beispiel ebenso herausgearbeitet werden wie die Veränderungen im Umgang mit mittelalterlichen Schatzobjekten in der nachreformatorischen Zeit.

Im Rahmen des Projektes werden des weiteren die Funde und Befunde der archäologischen Ausgrabungen, die 1960 - 69 in Brunshausen stattfanden, publiziert und interpretiert. Es steht zu erwarten, daß damit eine Reihe offener Fragen zur Frühgeschichte des Stifts geklärt werden können.


Die Publikationen des Projektes erscheinen in der Reihe “Studien zum Frauenstift Gandersheim und seinen Eigenklöstern” im Verlag Schnell&Steiner, Regensburg. Bislang erschienen:

gandersheim

Bd. 1 (2009): Birgit Heilmann: “Aus Heiltum wird Geschichte. Der Gandersheimer Kirchenschatz in nachreformatorischer Zeit” (= Dissertation, Universität Göttingen 2008: “Weiternutzung, Umnutzung, Nicht-Nutzung. Vom Umgang mit mittelalterlichen Bildwerken im Frauenstift Gandersheim während und nach der Reformation”).
Bd.2 (2010): Jan Friedrich Richter Gotik in Gandersheim. Die Holzbildwerke des 13. bis 16. Jahrhunderts.
Bd. 3 (2010): Christian Popp: Der Schatz der Kanonissen. Heilige und Reliquien im Frauenstift Gandersheim.
Bd. 4 (2013): Hedwig Röckelein (Hrsg.): Der Gandersheimer Schatz im Vergleich. Zur Rekonstruktion und Präsentation von Kirchenschätzen.