Workgroup Endangered Species Conservation

Habitatnutzung und Populationsgefährdung des Rotmilans in Deutschland (2017-2020)

Der Rotmilan (Milvus milvus) ist als opportunistischer Greifvogel zur Nahrungssuche während der Brutzeit auf offene, reich strukturierte Agrar-Lebensräume angewiesen. Die Veränderung und Intensivierung der Landwirtschaft und eine drastische Abnahme von Grünland haben jedoch zu einer stark verringerten Nahrungsverfügbarkeit für die Art in Mitteleuropa geführt. Besonders im Verbreitungsschwerpunkt Deutschland hat die Rotmilanpopulation seit den 1990er Jahren deutlich abgenommen. In verschiedenen Teilen Deutschlands zeigen sich allerdings unterschiedliche Entwicklungen der Bestände, die bisher nicht hinreichend verstanden sind. Das Vorhaben untersucht den Zusammenhang der landwirtschaftlichen Nutzung mit Nahrungsverfügbarkeit, sowie Bruterfolg und Bestandsentwicklung des Rotmilans in verschiedenen Regionen Deutschlands in Anlehnung an das bundesweite Projekt „Rotmilan – Land zum Leben“ (http://www.rotmilan.org/projekt-rotmilan-land-zum-leben/). Das Ziel dieses Projektes ist es, landwirtschaftliche Maßnahmen (z.B. Feldfutteranbau und Staffelmahd, Grünland-Extensivierung, Blühstreifen und Brachen) auf ihre direkten und indirekten Auswirkungen auf die Nahrungsverfügbarkeit für brütende Rotmilane zu untersuchen. Damit soll auch festgestellt werden, ob durch solche Maßnahmen zur Verbesserung der Nahrungsversorgung langfristig der negative Bestandstrend gestoppt bzw. umgekehrt werden kann.

Die wissenschaftlichen Fragestellungen die im Rahmen dieses Promotionsvorhabens untersucht werden sollen gliedern sich in drei Teilaspekte:

1. Welche Faktoren beeinflussen die Populationsentwicklung (Bruterfolg, Bestandszahlen, Siedlungsdichte) in den verschiedenen Projektgebieten und im Laufe der Zeit?
2. Wie bestimmt das Verhalten von Individuen sowie die verfügbare Habitatausstattung bzw. Revierqualität den Verlauf und Erfolg der Brutzeit?
3. Wie entwickelt sich der deutsche Rotmilan-Bestand voraussichtlich in den nächsten Jahrzehnten und welche Rolle spielen einzelne Populationsparameter (z.B. Überlebensrate, Reproduktion) bei der modellbasierten Prognose der Bestandsentwicklung?

Zur Beantwortung dieser Fragestellungen auf Populations- und Individuen-Ebene kommen neueste Auswertungsmethoden und technische Entwicklungen der Satelliten-Telemetrie zum Einsatz. Auch wird erstmals ein überregionaler Ansatz zur Datensammlung von Bestandsentwicklung und möglicher Einflussfaktoren realisiert. Die Ergebnisse des Vorhabens dienen dem besseren Verständnis regionaler Bestandsentwicklungen des Rotmilans und können so besonders für lokale Schutzbemühungen und die Naturschutzpraxis in verschiedenen Landschaftstypen von Relevanz sein. Weiterhin kann so auch der Zusammenhang von Bewegungen einzelner Individuen mit der Siedlungsdichte und der Habitatqualität der Landschaft besser verstanden und beschrieben werden.

Projektbeteiligte der Abteilung:
Jakob Katzenberger (Doktorand), Eckhard Gottschalk, Matthias Waltert (Betreuer)