Innovative Ansätze für eine „faire“ Preisgestaltung bei Bio-Milch

Wenn von fairen Preisen gesprochen wird, denken die meisten an FairTrade-Projekte in Entwicklungsländern. Aber auch hierzulande rückt das Thema zunehmend in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, nicht zuletzt stand die diesjährige BioFach unter dem Motto „bio+fair“.

Besondere Brisanz hat die faire Preisgestaltung in der Milchwirtschaft. Aus diesem Grund haben der BNN und die Universität Göttingen ein Projekt zur Gestaltung der Beziehungen in der Wertschöpfungskette Bio-Milch gestartet. Hier ist es seit dem Jahr 2007 zu ungewohnt stark schwankenden Preisen gekommen. Die öffentliche Diskussion, die teils angespannte wirtschaftliche Lage und auch der Milchstreik haben zu einer Sensibilisierung für die Thematik auf allen Seiten geführt.

Warum ist der Bio-Milchmarkt besonders stark von schwankenden Preisen betroffen? Zunächst ist der Bio-Milchmarkt deutlich kleiner als der für konventionelle Produkte, so dass sich Nachfrage- und Angebotsüberhänge stärker auswirken. Daher fällt hier der sog. „Schweinezyklus“ stärker aus. Milchlandwirte können auf Preisänderungen schlecht reagieren, denn sie können bei niedrigen Preisen Milchkühe nicht einfach aus der Produktion nehmen. Hinzu kommen die Bio-Umstellungszeiten, die verhindern, dass das Angebot bei hohen Preisen schnell hochgefahren werden kann. Zudem gibt es nur wenige Molkereien, die als Abnehmer zur Verfügung stehen. Preisrisiken sind also hier viel größer als in der konventionellen Milchwirtschaft.

Aber auch die Bio-Molkereien sind von großen Marktrisiken betroffen, da es sich um einen Premiummarkt mit einer engagierten Kerngruppe von Käufern, aber auch vielen Selten- und Gelegenheitskäufern handelt. Welche Preisabstände zum konventionellen Markt kann man diesen Käufern „zumuten“? Welche Argumente überzeugen die verschiedenen Zielgruppen?

Das Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen und der BNN haben daher ein Projekt zur Preisgestaltung in risikobehafteten Wertschöpfungsketten gestartet. Hierbei wird der Bio-Milchmarkt untersucht und eine Bestandsaufnahme zur momentanen Preisbildung vorgenommen. Im Dialog mit der Praxis soll ein Modell zum vertikalen Preisbildungsprozess entlang der Kette erarbeitet werden. Es wird ein Konzept zur Bildung „fairer Preise“ entwickelt, das den Akteuren der Kette ermöglicht, innovativ und fair mit Preisrisiken umzugehen.


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