Jan Brinkmann - Consultant bei der Sulzer GmbH

Bei welchem Unternehmen sind Sie beschäftigt und in was für einer Position/ in welchem Bereich arbeiten Sie dort? Was sind Ihre Aufgaben?

Im Moment bin ich als IT-Projektleiter und Consultant bei der Sulzer GmbH in München tätig, einem mittelständischen IT-Dienstleister mit rund 350 Mitarbeitern. Dadurch, dass sich die Firma auf die Betreuung und Abwicklung von Projekten in Automobilindustrie und Banken spezialisiert hat, habe ich die Möglichkeit, regelmäßig neue Technologien und Aufgaben kennen zu lernen. Zu diesen gehört neben der Beratung auch die Begleitung des kompletten Softwarelifecycle beim Kunden (von Anforderungsanalyse über Konzept, Umsetzung bis zum Betrieb), wobei ein klarer Schwerpunkt bei der Implementierung und Koordination liegt.

Wie haben Sie diese Position erlangt bzw. wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?

Nach meinem Diplom habe ich bei der Sulzer GmbH als Programmierer angefangen. Bei der Einstellung wurde mehr Wert auf eine naturwissenschaftlich fundierte Ausbildung gelegt als auf konkrete Fachkenntnisse. Diese wurden mir im Betrieb beigebracht oder ich habe sie mir selbst angeeignet. Nach ca. zwei Jahren sind Beratungsaufgaben sowie Systembetreuung hinzu gekommen und ein Jahr später die Leitung verschiedener Projekte.

Wie haben Sie Ihren Berufseinstieg erlebt bzw. wie hat das Studium auf die Praxis vorbereitet?

Durch das Mathematikstudium habe ich gelernt, strukturiert zu denken, mir komplexe Zusammenhänge zu erarbeiten und die eigene Arbeit sauber zu planen.
Hilfreich für den Job war außerdem, dass ich während des Studiums einigen Nebentätigkeiten im IT-Bereich nachgegangen bin und daher schon etwas Erfahrung mitgebracht habe.

Inwiefern wenden Sie Ihre im Studium erlernten Fähigkeiten und Fachkenntnisse im Beruf an?

Meine mathematischen Kenntnisse an sich waren für die berufliche Praxis nicht entscheidend, im Gegensatz zu den Fähigkeiten, die man sich durch das Studium implizit aneignet. U.a. ein gewisses Abstraktionsvermögen und nicht zuletzt eine gewisse Frusttoleranz bei anspruchsvollen Aufgaben, sind für meine Arbeit unerlässlich.

Denken Sie an Ihre Studienzeit in Göttingen zurück…

Die Arbeit in der Fachschaft war ein wichtiger Teil meiner Zeit in Göttingen sowie die kollegiale Atmosphäre in der Fakultät. Das Wir-Gefühl an der Mathe (im Gegensatz zu „Studenten gegen Profs“) lässt sich gut mit der Stimmung vergleichen, die ich mir in einer guten Arbeitsatmosphäre wünsche und bei der Sulzer GmbH gefunden habe.

Welche Tipps geben Sie Studierenden und Berufseinsteigern/innen mit auf den Weg?

Da man als Mathematiker ein ungewöhnlich breites Spektrum an möglichen Betätigungsfeldern hat (von Versicherung bis IT), sollte man sich früh überlegen, was einem wirklich Spaß macht, dann kommt der Erfolg von alleine.
Leider konzentrieren sich aktuelle Studienpläne mehr auf das Abhaken von Themengebieten als auf die Vermittlung echter Fähigkeiten. Um nicht Gefahr zu laufen, als verschulter „Mathodiker“ ins Berufsleben zu starten, sollte man sich auch abseits von Vorlesungen und CreditPoints weiter entwickeln, egal ob in ehrenamtlicher Arbeit, Nebenjobs oder privaten Projekten.