Dr. Robert Stück - Mitarbeiter in der Entwicklungsabteilung der Continental AG

Bei welchem Unternehmen sind Sie beschäftigt und in was für einer Position/ in welchem Bereich arbeiten Sie dort? Was sind Ihre Aufgaben?

Ich bin bei der Continental AG in Lindau angestellt. Dort arbeite ich als Entwickler von Fahrassistenzsystemen. Meine Aufgaben sind die algorithmische Umsetzung und Weiterentwicklung von Verfahren aus dem Bereich der Bildverarbeitung.

Wie haben Sie diese Position erlangt bzw. wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?

Ich habe Physik in Göttingen studiert und im Anschluss in angewandter Mathematik promoviert.
Gegen Ende meiner Zeit als Postdoktorand habe ich mich auf verschiedene Stellen aus der Schnittmenge von Automobilindustrie und Bildverarbeitung beworben. Mein erstes Bewerbungsgespräch führte zu einer Anstellung beim Ingenieurdienstleister Rücker, der mich bei Continental in Lindau einsetzte. Nach erfolgreichen ersten Monaten bewarb ich mich auf eine offene Stelle bei Continental, wo ich seitdem angestellt bin.

Wie haben Sie Ihren Berufseinstieg erlebt bzw. wie hat das Studium auf die Praxis vorbereitet?

Die Studien der Physik und Mathematik bereiten wenig auf einen Beruf außerhalb der Forschung vor. Aus diesem Grund hatte ich nur wenig konkrete Vorstellungen davon, wie mein Einstieg in einen Beruf in der Industrie ablaufen würde und ob ich den an mich gestellten Anforderungen gerecht werden würde. Rückblickend kann ich jedoch sagen, dass mich meine universitäre Ausbildung gut für meine jetzige Arbeit gerüstet hat. Die Studiengänge Physik und Mathematik vermitteln problemorientiertes strukturiertes und kreatives Denken und eine gewisse Hartnäckigkeit in der Suche nach Lösungen. Außerdem setzt ein Student sich in diesen Studiengängen mit der Lösung sehr schwieriger Probleme auseinander, was dabei hilft, schwere Probleme selbstbewusst und mit wenig Berührungsangst anzugehen.

Inwiefern wenden Sie Ihre im Studium erlernten Fähigkeiten und Fachkenntnisse im Beruf an?

Am meisten nutzen mir bisher die während des Studiums erlangten Programmierkenntnisse in C++ und ein gewisses mathematisches Grundwissen und Denken. Spezielleres mathematisches Wissen benötige ich weniger – wobei es bei der Auseinandersetzung mit fachspezifischen Veröffentlichungen gelegentlich hilfreich ist auf tiefere mathematische Kenntnisse zurückgreifen zu können.

Denken Sie an Ihre Studienzeit in Göttingen zurück…

Für mich kommt Göttingen einer idealen Stadt für die Studienzeit recht nahe. Das Beste ist wohl, dass das fast alles mit dem Fahrrad erreichbar ist und durch ihre runde Form die Innenstadt recht kompakt ist, wodurch abends noch recht viel Leben in den Straßen zu finden ist. Dass jeder fünfte Einwohner ein Student ist, prägt die Atmosphäre und das kulturelle Angebot.


Welche Tipps geben Sie Studierenden und Berufseinsteigern/innen mit auf den Weg?

Zu Beginn meines Studiums fand ich die Mathevorlesungen sehr schwierig und hatte das Gefühl, dass den anderen das nicht so geht. Es hat eine Weile gedauert, bis ich bemerkt habe, dass die meisten anderen das genauso empfinden. Nicht abschrecken lassen, nach ein paar Semestern sieht alles viel besser aus! Das Konzept den Lehrstoff über Vorlesungen, Übungen und die Übungszettel zu vermitteln funktioniert sehr gut – die Übungszettel gemeinsam mit anderen zu bearbeiten erleichtert das Verständnis und verkürzt die benötigte Zeit deutlich.
Was den Berufseinstieg betrifft, ist wohl das größte Problem, erst einmal zu wissen in welchen Beruf man einsteigen möchte. Ich habe den Eindruck, dass Bewerber, die ein Mathematikstudium abgeschlossen haben, kaum Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben. Auch wenn sie oft kaum berufsspezifisches Wissen mit in die Anstellung bringen, so wird doch geschätzt, dass sie sich recht flexibel in unbekannte komplexe Probleme einarbeiten können.