Archäologische Ringvorlesung Wintersemester 2020/21

Montag 19:15 Uhr - Altes Auditorium, HS 11 - Weender Landstraße 2

 

Auch die nunmehr 55. Göttinger Archäologische Ringvorlesung steht unter dem Vorzeichen der Pandemie. Gerade deshalb haben wir uns entschlossen, die Ringvorlesung im Wintersemester 2020/2021 unseren Studierenden und unserem treuen Publikum aus der Stadt Göttingen wiederum anzubieten. Nicht zuletzt wollen wir andere Themen ansprechen als das Virus.
Wir haben für Sie ein abwechslungsreiches Programm aus der klassischen, christlichen, ur- und frühgeschichtlichen und natürlich der ägyptischen Archäologie zusammengestellt. Ägypten steht einmal mehr geradezu im Zentrum. Seine lange Geschichte wird in verschiedenen Vorträgen im Hinblick auf die pharaonische, die griechisch-römische und die christliche Phase beleuchtet. Am Ende gibt es ein ganz besonderes Angebot: den ArchaeoSlam.
Erstmals haben Sie die Möglichkeit, die Archäologische Ringvorlesung 2020/2021 online zu verfolgen.
Wir haben zugleich eine Präsenzveranstaltung im gewohnten Hörsaal 11 im Alten Auditorium am Weender Tor, Weender Landstr. 2, vorbereitet. Allerdings kann diese erst stattfinden, wenn die epidemische Situation sich nachhaltig verbessert hat.
Das wird erst nach dem Ende der ab 2.11. von Bund und Ländern beschlossenen Einschränkungen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus möglich sein.
Bitte informieren Sie sich Anfang Dezember auf der Webseite des Archäologischen Instituts oder telefonisch unter 0551-397502, ab wann eine Präsenzveranstaltung möglich sein wird.
In jedem Falle finden Sie die Ringvorlesung von Anfang November bis Februar regelmäßig unter diesem link:
https://meet.gwdg.de/b/joh-fb9-cas-wjm
in einer „BigBlueButton“-Umgebung. Dazu brauchen Sie
- kein Passwort
- keine Anmeldung,
- sondern nur einen üblichen Browser z. B. Edge oder Firefox auf Ihrem Computer.
Und schon haben Sie die Ringvorlesung zuhause.
Mit dem Programm wünschen wir Ihnen ob zuhause oder hoffentlich im Laufe des Semesters im gut gelüfteten Hörsaal viel Freude und Erbauung.

 

 

09.11.

Prof. Dr. Rüdiger Krause (Frankfurt)
Großsiedlungen der jüngeren Bronzezeit am Unterlauf der Mureş am Ostrand des Karpatenbeckens

16.11.

Dr. Lara Weiss (Leiden)
Die ‚Walking Dead‘ in Sakkara: Der Friedhof als Ort des Lebens

23.11.

Dr. Marion Heumüller (Hannover)
Faszination Moorarchäologie: Mobilität und Alltag in Torf konserviert

30.11.

Dr. Max Engel (Heidelberg)
Dynamisches Klima und weichende Küsten im Nahen Osten – Grundlagen der biblischen Sintflut?

07.12.

Prof. Dr. Marietta Horster (Mainz – Berlin)
Das Corpus Inscriptionum Latinarum im 21. Jh.: Lateinische Inschriften der Antike – von der Werkstatt zur Edition

14.12.

Dr. Fedor Schlimbach (Göttingen)
‚La Losilla‘ bei Añora (Córdoba): Eine spätantike Basilika im ländlichen Bereich der Baetica

11.01.

Prof. Dr. Katharina Lorenz (Gießen)
Gruppenbilder. Von der Kunst des Gemeinsam-Seins in der römischen Kaiserzeit

18.01.

Prof. Dr. Ruth Bielfeldt (München)
„Der Erde an Größe gleich“. Rhodos und sein Koloss

25.01.

Dr. Ina Eichner (Wien)
Klause, Kloster, Mönchskolonie - Archäologische Spurensuche zum Alltagsleben in den spätantiken und mittelalterlichen Klöstern Ägyptens

01.02.

Prof. Dr. Katja Lembke (Hannover)
Schöner sterben in Ägypten. Stadt und Nekropole in ptolemäisch-römischer Zeit am Beispiel Hermopolis

08.02.

Prof. Dr. Johannes Bergemann (Göttingen)
Die Inseln des Lichts: Archäologie auf den Kykladen

18.02.

Annemarie Schantor M.A. (Organisatorin) u. a.
ArchaeoSlam

Achtung abweichender Ort am 18.2.: Adam-von-Trott-Saal (Alte Mensa), Wilhelmsplatz 3, 37073 Göttingen

 

 

09.11.

Prof. Dr. Rüdiger Krause (Frankfurt)

Großsiedlungen der jüngeren Bronzezeit am Unterlauf der Mureş am Ostrand des Karpatenbeckens

Am Ostrand der ungarischen Tiefebene und im rumänischen Banat befinden sich mehrere befestigte Mega-Sites der jüngeren Bronzezeit. Die größte befestigte Großsiedlung Corneşti-larcuri umschließt eine Fläche von fast 18 Quadratkilometern. Spektakuläre Neufunde in der Befestigung von Sântana sind Großbauten und das Konfliktereignis eines Angriffs. Die Genese und Bedeutung der Großsiedlungen bleibt zu diskutieren, zumal mykenische Einflüsse im Karpatenbecken greifbar sind.

 

16.11.

Dr. Lara Weiss (Leiden)

Die 'Walking Dead' in Sakkara: Der Friedhof als Ort des Lebens

Nach fast einem halben Jahrhundert Leidener Ausgrabungen in der Memphitischen Nekropole des Neuen Reichs werden in Zusammenarbeit mit dem Museo Egizio, Turin, neue Forschungsfragen gestellt und moderne Techniken angewandt. Die lange Grabungstätigkeit und die vielen Funde und Ergebnisse bieten die Möglichkeit einer ersten Synthese sowie einer Kontextualisierung des aktuellen Grabungsareals in der kulturellen Geographie von Sakkara. Das von der Niederländischen Forschungsgesellschaft finanzierte Walking Dead Projekt zielt dabei vor allem auf die Erforschung des Friedhofs als Ort des täglichen Lebens.

 

23.11.

Dr. Marion Heumüller (Hannover)

Faszination Moorarchäologie: Mobilität und Alltag in Torf konserviert

Archäologische Funde aus Mooren zeichnen sich häufig durch eine hervorragende Erhaltung organischer Substanzen aus. In Mooren blieben aus Holz gebaute Wege, Bruchstücke von Fahrzeugen, Häuser und Siedlungen, Einbäume, verloren gegangene oder absichtlich im Moor deponierte Gegenstände und sogar Moorleichen jahrtausendelang erhalten. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Moorarchäologie in Niedersachsen und stellt zwei aktuelle Ausgrabungen vor. In der Diepholzer Moorniederung und im Teufelsmoor wurden mehrere Wege, Straßen und Brücken freigelegt und einige ungewöhnliche Fundstücke am Wegesrand geborgen. Sie bringen uns das Leben der Menschen ein Stück näher.

 

30.11.

Dr. Max Engel (Heidelberg)

Dynamisches Klima und weichende Küsten im Nahen Osten – Grundlagen der biblischen Sintflut?

Sintflut-Mythen sind ein globales kulturgeschichtliches Gut, wenngleich die tatsächliche Rekonstruktion und Lokalisierung der Geschehnisse, auf denen sie basieren, oft unklar bleiben. Dieser Vortrag überprüft die geowissenschaftliche Plausibilität der populärsten Sintfluthypothesen aus dem nahöstlichen Raum. In diesem Zusammenhang liefert er direkte Einblicke in neueste Forschungsergebnisse zum Umweltwandel in Mesopotamien und auf der Arabischen Halbinsel sowie zur rasanten Entstehung des Arabischen Golfs seit dem Neolithikum. Beide Phänomene hatten über Jahrtausende hinweg großen Einfluss auf Siedlungsstrategien, Wirtschaftsweise und soziale Organisation in der Region.

 

07.12.

Prof. Dr. Marietta Horster (Mainz – Berlin)

Das Corpus Inscriptionum Latinarum im 21. Jh.: Lateinische Inschriften der Antike – von der Werkstatt zur Edition

Inschriften im öffentlichen Raum begegnen uns auch heute an vielen Orten und aus vielen Jahrhunderten. So sind bspw. die 191 bekannten Inschriften vom 14. bis 17. Jh. aus Göttingen und Umgebung im 19. Band der „Deutschen Inschriften“ ediert worden. Im 20. und 21. Jh. sind vor allem steinerne Ehrendenkmäler, Grabinschriften, vor allem auch die erschütternden und mahnenden metallenen Stolpersteine, für alle sichtbar. In der Antike waren Inschriften geradezu omnipräsent. Das Editionsvorhaben Corpus Inscriptionum Latinarum, von Theodor Mommsen gegründet, existiert nun seit fast 170 Jahren, denn die Aufgabe der Erfassung aller lateinischen Inschriften der Antike bis ins 5./6. Jh. ist nicht abgeschlossen. Der Vortrag bietet einen Werkstattbericht und wird die modernen Herausforderungen für eine solche Mammutaufgabe thematisieren.

 

14.12.

Dr. Fedor Schlimbach (Göttingen)

‚La Losilla‘ bei Añora (Córdoba): Eine spätantike Basilika im ländlichen Bereich der Baetica

Der Vortrag widmet sich dem Grabungsprojekt der Abteilung Christliche Archäologie: Am Fundplatz ‚La Losilla‘ im Norden der spanischen Provinz Córdoba wird eine spätantikwestgotenzeitliche Basilika mit ihrer Nekropole sowie Resten profaner Bebauung ausgegraben und untersucht. Trotz Steinraubs und Plünderungen seit dem Mittelalter bieten Funde und Befunde vielfältige Einblicke zur Gründung, Nutzung und zum Untergang einer ‚Landkirche‘ im westgotischen Königreich von Toledo.

 

11.01.

Prof. Dr. Katharina Lorenz (Gießen)

Gruppenbilder. Von der Kunst des Gemeinsam-Seins in der römischen Kaiserzeit

Unser Gemeinsam-Sein in Zeiten einer Pandemie kennzeichnet, dass wir uns als Individuen voneinander distanzieren müssen, um als Gemeinschaft bestehen zu können. Der Vortrag stellt unserer aktuellen Erfahrung antike römische Darstellungen entgegen, die Menschen gemeinsam zeigen. Diese Bilder konnten die herrschenden Vorstellungen von Gemeinschaft abbilden, formen und sogar hinterfragen. In einer Analyse des früh-kaiserzeitlichen Gruppenporträts im Vergleich zu den Strategien zeitgenössischer Theater-Praxis wird sondiert, welche Einblicke in die Selbst- und Außenwahrnehmung einer historischen Gesellschaft uns diese Choreographien des Gemeinsam-Seins geben können – und welche Unterstützung, um unsere Gegenwart auf Distanz besser zu bewältigen.

 

18.01.

Prof. Dr. Ruth Bielfeldt (München)

„Der Erde an Größe gleich“. Rhodos und sein Koloss

283 v. Chr., gut zwei Jahrzehnte nach der erfolgreich abgewehrten Belagerung durch Demetrios Poliorketes, errichteten die Bewohner der Insel Rhodos dem Helios eine gigantische Bronzestatue: den Koloss von Rhodos. Das einstige Weltwunder ist heute eine archäologische Schimäre. Der Ort der Aufstellung, das Aussehen und die Gusstechnik der Figur sind bislang ungeklärt. Der Vortrag fragt nach der Ästhetik und Bedeutung der Übergröße des Rhodischen Kolosses und nähert sich diesen Fragen über eine Serie von frühhellenistischen poetischen Texten, die anhand einer archäologischen Philologie analysiert und auf die historischen Betrachtungs- und Verstehensweisen des Monuments befragt werden.

 

25.01.

Dr. Ina Eichner (Wien)

Klause, Kloster, Mönchskolonie - Archäologische Spurensuche zum Alltagsleben in den spätantiken und mittelalterlichen Klöstern Ägyptens

In Ägypten waren es zunächst Anachoreten (Einsiedler), die am Wüstenrand ein asketisches Leben führten, aber schon bald erwuchs daraus eine Massenbewegung. Im 4. Jh. gründete Pachomius den ersten Klosterverband, in dem die Mönche gemeinschaftlich zusammenlebten. Bis heute sind die Ruinen zahlreicher Klöster und Eremitagen am Wüstenrand erhalten. Nur die wenigsten sind archäologisch erforscht. Der Vortrag gibt anhand der archäologischen Überreste einen Einblick in die verschiedenen Formen der asketischen Lebensweise.

 

01.02.

Prof. Dr. Katja Lembke (Hannover)

Schöner sterben in Ägypten. Stadt und Nekropole in ptolemäisch-römischer Zeit am Beispiel Hermopolis

Unter dem Namen Chemenu war das mittelägyptische Hermopolis eine der ältesten Städte Ägyptens und beherbergte das Heiligtum des Gottes Thot. Noch in ptolemäischer und römischer Zeit hatte es etwa 25.000 bis 45.000 Einwohner, die in Gebäuden mit bis zu sieben Stockwerken wohnten. Auch die dazugehörige Nekropole von Tuna el-Gebel ist außergewöhnlich, denn die Verstorbenen wurden zumeist in mehrstöckigen Grabhäusern bestattet, die teilweise reich dekoriert waren. In dem Vortrag werden die aktuellen Ergebnisse der Grabungen in Tuna el-Gebel vorgestellt. Sie haben eine spätantike Nachnutzung ergeben, welche in unmittelbarer Beziehung zum Kirchenbau in Hermopolis stehen könnte.

 

08.02.

Prof. Dr. Johannes Bergemann (Göttingen)

Die Inseln des Lichts: Archäologie auf den Kykladen

Mehrere Reisen und eine Exkursion mit Studierenden haben in den letzten Jahren auf die Kykladen geführt. Die Inseln, die im Kreis (Kyklos) um das kleine, heilige Delos liegen, haben nicht nur eine sehr frühe, sondern auch eine lang andauernde, kontinuierliche Geschichte, die immer wieder kulturelle Einflüsse aus Europa und Kleinasien mit Eigenständigem verbindet. Ein Schwerpunkt des Vortrags liegt auf der archaisch-griechischen und der hellenistisch-römischen Epoche. Es werden Befunde u.a. aus Naxos, Andros, Delos, Syros, Seriphos, Siphnos, Melos, Thera (Santorin) und Therasia gezeigt.

 

18.02.

Annemarie Schantor M.A. (Organisatorin) u. a.

ArchaeoSlam

Die Ringvorlesung endet mit einem ganz besonderen Angebot: Ein ArchaeoSlam, organisiert von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Frau Annemarie Schantor M.A.: Junge Archäologen stellen in nur wenige Minuten langen bebilderten Kurzvorträgen ihre Projekte und Ergebnisse vor. Am Ende stimmt das Publikum darüber ab, wer es am besten gemacht hat.

Achtung abweichender Ort am 18.2.: Adam-von-Trott-Saal (Alte Mensa), Wilhelmsplatz 3, 37073 Göttingen