Archäologische Ringvorlesung WS 2019/20

Montag 19:15 Uhr - Altes Auditorium, HS 11 - Weender Landstraße 2

 

Stand: 09.10.2019

 

21.10.

Prof. Dr. Philipp Stockhammer (München)
Wein oder Bier? Naturwissenschaftliche Analysen zur attischen Keramik und zum Symposion bei den frühen Kelten

28.10.

Prof. Dr. Achim Arbeiter (Göttingen)
So eloquent, so verschwiegen: Theodosius und seine dubiosen Mitkaiser auf der größten erhaltenen Silberplatte der Antike

04.11.

Dr. Sabine Feist (Halle/München)
Aus Alt mach Neu. Innovatives Byzanz versus Dunkle Jahrhunderte

11.11.

Prof. Dr. Tonio Hölscher (Heidelberg)
Der Taucher von Paestum. Das Meer und andere liminale Orte griechischer Epheben und Mädchen

18.11.

Prof. Dr. Thomas Schäfer (Tübingen)
Der Reliefzyklus Medinaceli (Sevilla - Budapest) – Ein Ehrenmonument des Augustus zwischen der Schlacht von Actium und dem Tod des ersten Kaisers

25.11.

Dr. Ulrike Brinkmann – Prof. Dr. Vinzenz Brinkmann (Frankfurt)
Ästhetik und Erzählung der Bronzen vom Quirinal in Rom. Ein archäologisches Experiment am sog. ‚Boxer‘ und ‚Thermenherrscher‘

02.12.

Prof. Dr. Helmut Brückner (Köln)
Deltas, Flussauen und Häfen als Archive der Landschaftsgeschichte – 7000 Jahre Mensch-Umwelt-Interaktion in Westanatolien

09.12.

PD Dr. Holger Baitinger (Mainz)
Fernkontakte Siziliens im Spiegel der Metallobjekte zwischen dem 7. und 1. Jahrhundert v. Chr.

16.12.

Prof. Dr. Adelheid Otto (München)
Wie lebte man vor 3900 Jahren in Mesopotamien? Neue Ausgrabungen im Haus des Tempelintendanten in Ur (Irak)

06.01.

Prof. Dr. Mark Janse (Gent und Harvard)
Die Wiedergeburt einer ‘toten’ Sprache: Der Fall des kappadokischen Griechisch

13.01.

Dr. Uroš Matić (Münster/Wien)
Neue Forschungen aus Tell el-Dab'a im Nildelta

20.01.

Dr. Sarah Japp (Deutsches Archäologisches Institut Berlin)
Die antiken Reiche am Horn von Afrika – Neue Forschungen des Deutschen Archäologischen Institutes in Äthiopien

27.01.

Prof. Dr. Johannes Bergemann und MitarbeiterInnen
Die Göttinger Ausgrabungen in Kamarina (Sizilien) und Thorikos (Griechenland) im Sommer 2019: Neue Forschungen und erste Ergebnisse

03.02.

Dr. Holger J. Wienholz (Berlin)
Vom Libanon nach Göttingen: Der Tempel des Jupiter Heliopolitanus in Baalbek – Neue Forschungen zur Achitektur, Polychromie und Bedeutung

 

 

21.10.

Prof. Dr. Philipp Stockhammer (München)

Wein oder Bier? Naturwissenschaftliche Analysen zur attischen Keramik und zum Symposion bei den frühen Kelten

Die mediterranen Importfunde aus den frühkeltischen „Fürstensitzen“ und „Fürstengräbern“ (7.-5. Jh. v. Chr.) in Mitteleuropa zeigen, dass das Gelage eine herausragende Bedeutung in der frühkeltischen Gemeinschaft besaß. Die importierte Keramik und Bronzen aus Griechenland und Italien, darunter zahlreiche attische Gelagegefäße und der berühmte Krater von Vix, deutet man bislang vor allem als Versuch einer lokalen, frühkeltischen Elite, mediterrane Gelagesitten nachzuahmen. In unserem Forschungsprojekt verbinden wir chemische Nahrungsrückstandsanalysen und Gebrauchsspurenanalysen mit der archäologischen Analyse, um zu zeigen, was die frühen Kelten wirklich mit der Importkeramik gemacht haben: Haben sie Wein aus den Krateren getrunken? Oder ganz andere Getränke wie Met oder Milch?  Rückstände in panathenäischen Preisamphoren und attischen Lekythen aus der Münchner Antikensammlung wurden zum Vergleich untersucht. Es wird deutlich, wofür die Bewohner der frühkeltischen Höhensiedlungen wirklich ihre eigene und die importierte, mediterrane Keramik verwendet haben.

 

28.10.

Prof. Dr. Achim Arbeiter (Göttingen)

So eloquent, so verschwiegen: Theodosius und seine dubiosen Mitkaiser auf der größten erhaltenen Silberplatte der Antike

Das Madrider 'Theodosius-Missorium', ein Jubiläums-Geschenkteller von kapitaler Größe (74 cm), gilt als das erhabenste und für die Herrschaftsikonographie anschaulichste Werk der bewahrten spätantiken Silbertoreutik. Die Inschrift und zwei mit dargestellte Kaiserkollegen wollen selbstredend eine festumrissene historische Situation widerspiegeln – aber welche: die von 388 oder die ganz andere von 393? Zu dieser spannenden Debatte wägt der Vortrag Gesichtspunkte und Möglichkeiten ab.

 

4.11.

Dr. Sabine Feist (Halle/München)

Aus Alt mach Neu. Innovatives Byzanz versus Dunkle Jahrhunderte

Die Dunklen Jahrhunderte, die Zeit zwischen Spätantike und Mittelalter, gelten als dorniges Terrain der byzantinischen Architekturgeschichte. So überrascht es nicht, dass diese Epoche meist vorschnell als bloße Vorstufe mittel- und spätbyzantinischer Entwicklungen abgetan wird. Eine neue Perspektive, die nicht nur Nachfolgendes, sondern auch Spätantikes in den Blick nimmt, gibt jedoch ungeahnte Facetten der damaligen Kirchenarchitektur zu erkennen, die im Rahmen dieses Vortrages präsentiert werden.

 

11.11.

Prof. Dr. Tonio Hölscher (Heidelberg)

Der Taucher von Paestum. Das Meer und andere liminale Orte griechischer Epheben und Mädchen

Das einzigartige Gemälde aus einem Grab in Paestum, das einen Epheben beim Kopfsprung in das Meer zeigt, wird von der Forschung nahezu einstimmig als symbolische Darstellung des Eintauchens in den Tod und das Jenseits interpretiert. Dem gegenüber wird in dem Vortrag eine sozialgeschichtliche Deutung im Rahmen kultureller Praktiken der Adoleszenz, von jungen Männern wie von Mädchen, in den liminalen Zonen der Meeresküsten begründet. Das Gemälde in Paestum weist auf eine homoerotische Jugendkultur, die sich in Bildwerken, in realen Treffpunkten am Meeresufer wie auch in Mythen von archetypischen Helden aufzeigen lässt.

 

18.11.

Prof. Dr. Thomas Schäfer (Tübingen)

Der Reliefzyklus Medinaceli (Sevilla - Budapest) – Ein Ehrenmonument des Augustus zwischen der Schlacht von Actium und dem Tod des ersten Kaisers

Nach einer kurzen Vorstellung der Reliefserie Medinaceli werden zwei ausgewählte Problemfelder behandelt. Dabei geht es einerseits um den Prunkwagen (tensa) für vergöttlichte Kaiser und dessen eigenartige Präsenz in der augusteischen Münzprägung. Andererseits werden die überlieferten Namen der Schiffe von Octavian und Marcus Antonius in der Schlacht von Actium, auf ihren Realitätsgehalt und ihre propagandistische Wirkung hin untersucht.

 

25.11.

Dr. Ulrike Brinkmann – Prof. Dr. Vinzenz Brinkmann (Frankfurt)

Ästhetik und Erzählung der Bronzen vom Quirinal in Rom. Ein archäologisches Experiment am sog. ‚Boxer‘ und ‚Thermenherrscher‘

Das Team des Polychromy Research Projects der Liebieghaus Skulpturensammlung in Frankfurt hat einen aufwendigen Nachguss des sogenannten Thermenherrschers und des sogenannten Boxers durchgeführt. Neue naturwissenschaftliche Untersuchungen waren die Voraussetzungen für die experimentelle Wiedergewinnung des ursprünglichen Erscheinungsbildes. Die Nachgüsse dienen der Überprüfung der These von Phyllis Williams und Rhys Carpenter, die besagt, dass beide Figuren von einer Statuengruppe stammen und ein berühmtes Abenteuer aus der Argonautensage wiedergeben, nämlich den Boxkampf zwischen dem Dioskuren Polydeukes und dem Bebrykerkönig Amykos.

 

2.12.

Prof. Dr. Helmut Brückner (Köln)

Deltas, Flussauen und Häfen als Archive der Landschaftsgeschichte – 7000 Jahre Mensch-Umwelt-Interaktion in Westanatolien

Der menschliche Eingriff in den mediterranen Naturhaushalt verursachte bereits in der Antike einen bedeutenden Landschaftswandel. Das lässt sich anhand von Deltas, Flussauen und Häfen als Archive der Landschaftsgeschichte gut dokumentieren. Große Meeresbuchten sind in den letzten siebentausend Jahren durch kontinuierlichen Deltavorbau verlandet, was zum Niedergang bedeutender Hafenstädte führte. In Hafensedimenten sind Erosions- und Akkumulationsprozesse, Vegetationsentwicklung, Umweltbelastungen und auch menschliche Krankheiten archiviert. Das wird am Lebenszyklus der Hafenstädte Ephesos im Kaystrostal (Küçük Menderes) und Milet im Mäandertal (Büyük Menderes) exemplifiziert

 

9.12.

PD Dr. Holger Baitinger (Mainz)

Fernkontakte Siziliens im Spiegel der Metallobjekte zwischen dem 7. und 1. Jahrhundert v. Chr.

Die Insel Sizilien bildete stets eine wichtige Drehscheibe im westlichen Mittelmeer und war Anlaufstelle für Seefahrer aus verschiedensten Regionen. Die daraus resultierenden weitreichenden Verbindungen spiegeln sich auch im archäologischen Fundstoff wider, in besonderem Maße in zahlreichen Objekten aus Buntmetall. Der Vortrag beleuchtet diese Fernkontakte insbesondere anhand von Funden aus der griechischen Koloniestadt Selinunt im Südwesten Siziliens und aus der zentralsizilischen Stadt Morgantina.

 

16.12.

Prof. Dr. Adelheid Otto (München)

Wie lebte man vor 3900 Jahren in Mesopotamien? Neue Ausgrabungen im Haus des Tempelintendanten in Ur (Irak)

Die Stadt Ur in Südmesopotamien (Irak) war im dritten und frühen zweiten Jahrtausend durch ihre Funktion als Handelszentrum und Hauptkultort des Mondgottes eine der bedeutendsten Metropolen Vorderasiens. Erstmals seit den aufsehenerregenden Ergebnissen von Sir Leonard Woolley 1922-34 konnten dort jetzt (2017 und 2019) wieder Ausgrabungen durchgeführt werden. Der Vortrag legt die Ergebnisse des Münchener Teams dar, das mittels der Ausgrabung des Hauses des Tempelintendanten und seiner ebenfalls schriftkundigen Gattin exemplarisch das Leben um 1850 v. Chr. rekonstruieren kann.

 

6. 1.

Prof. Dr. Mark Janse (Gent und Harvard)

Die Wiedergeburt einer ‘toten’ Sprache: Der Fall des kappadokischen Griechisch

Das kappadokische Griechisch wurde in Zentralkleinasien bis zum Bevölkerungsaustausch zwischen der Türkei und Griechenland in den 1920er Jahren gesprochen. Traditionell interessierten Sprachforscher sich dafür wegen der Beeinflussung des Griechischen durch das Türkische in dieser Varietät. Nach 1920 schien das Kappadokische in den mutterländisch griechischen Gemeinschaften absorbiert worden zu sein. In den letzten 10 Jahren ist es Prof. Mark Janse jedoch gelungen winzige Enklaven kappadokisch sprechender Bevölkerung zu identifizieren und dadurch deren Sprache als lebende wiederzugewinnen. Er wird über seine Beschäftigung mit den Kappadokiern und ihrer Sprache sprechen und einen prämierten Film über diese Entdeckung zeigen mit dem Titel 'Last words' (www.seriousfilm.nl/projects/last-words).

 

13. 1.

Dr. Uroš Matić (Münster/Wien)

Neue Forschungen aus Tell el-Dab’a im Nildelta

Die Hauptstadt der Hyksos, Avaris – heute: Tell el-Dab’a, gehört zu den aufregendsten Ausgrabungen im Nildelta. Herrscherliche Residenzen, Tempel und Siedlungsareale belegen bronzezeitliche Fernkontakte nach Syrien-Palestina, Nubien, Zypern und Kreta. Die neue Forschungsprojekte des Österreichischen Archäologischen Instituts untersuchen vor allem die Landschaft, Siedlungsareale mit Gräber (intra muros) und den Haupthafen von Avaris. Dieser Vortrag wird sich in erster Linie mit dem Phänomen des Grabraubes in der antiken Stadt beschäftigen.

 

20. 1.

Dr. Sarah Japp (Deutsches Archäologisches Institut Berlin)

Die antiken Reiche am Horn von Afrika – Neue Forschungen des Deutschen Archäologischen Institutes in Äthiopien

Äthiopien ist vor allem durch seine spektakulären Funde an Hominiden bekannt, doch existierten dort in späterer Zeit auch zwei kulturell hochstehende Reiche: das äthio-sabäische Gemeinwesen Da’amat während der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. und das Reich Aksum in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends n. Chr. Neben der Präsentation bisheriger archäologischer und historischer Erkenntnisse wird ein besonderes Augenmerk auf den Kontakten zwischen dem Horn von Afrika und Südarabien liegen.

 

27. 1.

Prof. Dr. Johannes Bergemann und MitarbeiterInnen

Die Göttinger Ausgrabungen in Kamarina (Sizilien) und Thorikos (Griechenland) im Sommer 2019: Neue Forschungen und erste Ergebnisse

Die Göttinger Grabungen des vergangenen Sommers haben neue Wege beschritten und zielten auf völlig unerforschte Bereiche. In Thorikos gelang es, einen bisher unbekannten Teil des Stadtberges Velatouri mit griechischem Leben zu füllen, Gräber, Steinbrüche und den Spuren eines veritablen Grabbaus. In Kamarina wurde nach einem griechischen Heiligtum in der ländlichen Umgebung der Stadt gesucht. Und tatsächlich wurde neben rätselhaften Becken ein sakraler Bereich mit einem Votivdepot aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. identifiziert.

 

3.2.

Dr. Holger J. Wienholz (Berlin)

Vom Libanon nach Göttingen: Der Tempel des Jupiter Heliopolitanus in Baalbek – Neue Forschungen zur Achitektur, Polychromie und Bedeutung

Der Tempel in Baalbek gehört zu den bekanntesten Bauten der römischen Kaiserzeit. Doch so wie in diesem Vortrag haben Sie ihn noch nie gesehen: bunt, im Detail und auf Augenhöhe. Die neuen Forschungen in Baalbek haben die unübertroffene Qualität der Ornamentik deutlich gemacht und zu einer neuen Datierung sowie der Lesung einer expliziten politischen Botschaft geführt. Im Anschluß werden die Architekturproben aus Baalbek in Göttingen präsentiert.