Archäologisches Institut

Archäologische Ringvorlesung WS 2018/19

Montag 19:15 Uhr - Altes Auditorium, HS 11 - Weender Landstraße 2

 

Stand: 15.10.2018

 

29.10.

Prof. Dr. Louise Gestermann (Göttingen)
Auf den Spuren des Herrn Nacht: Ein altägyptischer Sarkophag wiederentdeckt

05.11.

Prof. Dr. Johannes Lipps (Tübingen)
Neue Ausgrabungen am Forum von Pompeji

12.11.

Dr. Ing. Felix Arnold (Madrid)
Madinat al-Zahra bei Córdoba (Spanien): Eine Kalifenstadt zwischen spätantiker Tradition und persischem Einfluss

19.11.

Prof. Dr. Torsten Mattern (Trier)
Kleonai auf der Peloponnes: Neue Forschungen zur Stadt, zum Heraklesheiligtum und seinem Kultbild?

26.11.

PD Dr. Martin Tombrägel (Tübingen)
Wassermanagement und wirtschaftliche Entwicklung der Villa „Metro Anagnina“ im Suburbium von Rom

03.12.

Prof. Dr. Thomas Terberger (Hannover)
Krieg vor 3300 Jahren? Die Funde aus dem Tollensetal, Mecklenburg-Vorpommern, und ihre Bedeutung für die Bronzezeit

10.12.

Prof. Dr. Christoph Reusser (Zürich)
Spina: Zürcher Ausgrabungen in der etruskischen Handelsstadt im Delta des Po

17.12.

Prof. Dr. Salvatore De Vincenzo (Göttingen – Viterbo)
Von Scipio Africanus bis Domitian. Archäologische Untersuchungen am Forum der römischen Kolonie von Liternum bei Neapel

07.01.

Prof. Dr. Manfred Luchterhandt (Göttingen)
Marc Aurel auf dem Capitol: Romexperten und Antikenwissen im Mittelalter - zwischen Archäologie und ›intellectual history‹

14.01.

Prof. Dr. Jan Pieper (Aachen)
Die Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen: Thron und Altar, Oktogon und Sechzehneck. Bauforschung zur Herrschaftsikonographie

21.01.

Prof. Dr. Joseph Maran (Heidelberg)
Tiryns: Architektonischer und politischer Wandel in mykenischer Zeit, 1400 – 1000 v. Chr.

28.01.

Prof. Dr. Johannes Bergemann – Dr. Rebecca Klug (Göttingen)
Sizilien von den punischen Kriegen bis zur Ankunft der Araber – Aufgelassene Städte und neue Siedlungsformen

 

 

Prof. Dr. Louise Gestermann (Göttingen)

Auf den Spuren des Herrn Nacht: Ein altägyptischer Sarkophag wiederentdeckt

Vor etwa 100 Jahren kam der Sarg eines Mannes namens Nacht aus Banī Ḥasan/Mittelägypten in die University Museums Aberdeen. Dort blieb das historisch hochinteressante Monument aus dem Mittleren Reich (ca. 1800 v. Chr.) lange unbeachtet. In einer Arbeitsgruppe mit Studierenden des Seminars für Ägyptologie und Koptologie wird eine Publikation vorbereitet, die wichtige neue Erkenntnisse zu Texten, bildlichen Darstellungen, zur Datierung und Person des Besitzers liefern wird.

 

Prof. Dr. Johannes Lipps (Tübingen)

Neue Ausgrabungen am Forum von Pompeji

Das sogenannte Comitium von Pompeji gilt seit seiner Ausgrabung im frühen 19. Jh. als ein Bau für Volksversammlungen und Wahlen der aus dem frühen 1. Jh. v. Chr.. Geophysikalische Untersuchungen und Grabungen der letzten Jahre haben unser Bild nun nachhaltig verändert. Demnach handelt es sich vielmehr um eine prächtig ausgestattete Platzanlage, die um die Zeitenwende geschaffen wurde, um das alte Forum zu erweitern und so zusätzlichen Raum für zahlreiche Belange des pompejanischen Gemeinwesens zu schaffen.

 

Dr. Ing. Felix Arnold (Madrid)

Madinat al-Zahra bei Córdoba (Spanien): Eine Kalifenstadt zwischen spätantiker Tradition und persischem Einfluss

Der Kalif Abd al-Rahman III. gründete 936 n. Chr. Madinat al-Zahra als Hauptstadt seines Reiches. Heute ist die Stadt einer der bedeutendsten archäologischen Fundplätze der islamischen Kultur im westlichen Mittelmeerraum. Bei den laufenden Grabungen des Deutschen Archäologischen Instituts und der Junta de Andalucía wurden ein Thronsaal in persischem Stil und eine weitläufige Gartenanlage entdeckt, die neues Licht auf die Entwicklung der Stadt und ihre kulturhistorische Bedeutung werfen.

 

Prof. Dr. Torsten Mattern (Trier)

Kleonai auf der Peloponnes: Neue Forschungen zur Stadt, zum Heraklesheiligtum und seinem Kultbild?

Die antike Kleinstadt Kleonai ist vor allem durch die Ausrichtung der panhellenischen Spiele in Nemea bekannt geworden. Zugleich ist die Stadt eine typische Vertreterin des 'Dritten Griechenlands', der kleineren Orte jenseits der großen kulturellen und politischen Zentren. Seit 2000 finden in der Stadt und ihrer Umgebung archäologische Feldforschungen statt, durch die einige Bereiche der Stadt untersucht werden konnten. In dem Vortrag werden die Ergebnisse der letzten Jahre vorgestellt.

 

PD Dr. Martin Tombrägel (Tübingen)

Wassermanagement und wirtschaftliche Entwicklung der Villa „Metro Anagnina“ im Suburbium von Rom

Die Entwicklungsgeschichte der Villa Metro Anagnina aus dem südöstlichen Suburbium von Rom kann vom 3. Jahrhundert v. Chr. ausgehend bis in die fortgeschrittene Kaiserzeit hinein verfolgt werden. In diesem Zeitraum wird der römische Gutshof mehrfach erweitert bzw. ausgebaut, ist aber auch von diversen Ereignissen katastrophaler Natur betroffen. Im Vortrag wird die Fragestellung diskutiert, wie sich die positiven und negativen Umbrüche auf das Wassermanagement und die wirtschaftliche Entwicklung der Villa ausgewirkt haben.

 

Prof. Dr. Thomas Terberger (Hannover)

Krieg vor 3300 Jahren? Die Funde aus dem Tollensetal, Mecklenburg-Vorpommern, und ihre Bedeutung für die Bronzezeit

Im Tollensetal in Mecklenburg-Vorpommern wurden seit 1996 Menschenreste zusammen mit Waffen wie z.B. Holzkeulen entdeckt. Verletzungsspuren an den Knochenresten ließen den Verdacht aufkommen, dass es sich hier um die Überreste eines Gewaltkonfliktes handeln könnte. Intensive Forschungen zeigen nun, dass es in dem unscheinbaren Tal um 1300 v.Chr. zu einem Kampfgeschehen von größerem Ausmaß mit Hunderten oder gar Tausenden Kriegern gekommen sein muss. Der Vortrag stellt die spektakulären Ergebnisse vor und versucht, Ablauf und Ursache der Auseinandersetzung sowie der Herkunft der Kämpfer zu klären.Im Tollensetal in Mecklenburg-Vorpommern wurden seit 1996 Menschenreste zusammen mit Waffen wie z.B. Holzkeulen entdeckt. Verletzungsspuren an den Knochenresten ließen den Verdacht aufkommen, dass es sich hier um die Überreste eines Gewaltkonfliktes handeln könnte. Intensive Forschungen zeigen nun, dass es in dem unscheinbaren Tal um 1300 v. Chr. zu einem Kampfgeschehen von größerem Ausmaß mit Hunderten oder gar Tausenden Kriegern gekommen sein muss. Der Vortrag stellt die spektakulären Ergebnisse vor und versucht, Ablauf und Ursache der Auseinandersetzung sowie der Herkunft der Kämpfer zu klären.

 

Prof. Dr. Christoph Reusser (Zürich)

Spina: Zürcher Ausgrabungen in der etruskischen Handelsstadt im Delta des Po

Das Spina-Projekt der Universität Zürich verfolgt das Ziel, durch eine begrenzte Ausgrabung im Innern der etruskischen Handelsstadt Spina im Po-Delta (Provinz Ferrara) Fragen zur Anlage und zur inneren Gliederung der Stadt, zur Hausarchitektur und zur zeitlichen Einordnung der verschiedenen Siedlungsphasen zu klären. Mit Hilfe verschiedener naturwissenschaftlicher Untersuchungen werden zudem Aspekte der naturräumlichen Umgebung, des Alltags und des Handwerks in etruskischer Zeit untersucht.

 

Prof. Salvatore De Vincenzo (Göttingen – Viterbo)

Von Scipio Africanus bis Domitian. Archäologische Untersuchungen am Forum der römischen Kolonie von Liternum bei Neapel

Liternum ist eine von fünf im Jahre 194 n. Chr. gegründeten römischen Kolonien. Der Ort ist vor allem aufgrund der Tatsache bekannt, dass sich Scipio Africanus am Ende seiner politischen Karriere hierhin zurückzog und auch in Liternum begraben wurde. Die archäologischen Kampagnen beschäftigten sich vor allem mit der Entwicklung des Forums und seinen Monumenten, nämlich mit dem Capitolium, der Basilica und dem Odeion.
Zu den hervorstechenden Erkenntnissen der Untersuchung zählt die nun gesicherte Chronologie des Forums, das ungefähr einhundert Jahre nach der Gründung fertiggestellt wurde. Weiterhin konnten zwei Phasen der Monumentalisierung der Stadt festgestellt werden, zum einen in augusteischer Zeit, zum anderen unter Domitian. Die letztgenannte Phase tritt am deutlichsten im Zusammenhang mit der Via Domitiana hervor.

 

Prof. Dr. Manfred Luchterhandt (Göttingen)

Marc Aurel auf dem Capitol: Romexperten und Antikenwissen im Mittelalter - zwischen Archäologie und ›intellectual history‹

Die Wahrnehmung antiker Bildwerke im römischen Mittelalter wurde bisher vorwiegend als Deutungs- und Aneignungsgeschichte gelesen, wobei politischer Zweck und transformative Distanz dieser Aneignung im Mittelpunkt standen. Vor dem Hintergrund aktueller Forschungen in der Mittelalterarchäologie soll jedoch die Frage gestellt werden, wie viel Antikenwissen im römischen Mittelalter überhaupt noch vorhanden war, wann es verlorenging und wann es durch eine »literarische Archäologie« kompensiert wurde. Fallstudien zeigen, dass das Wissen damaliger Betrachter um ihr Nicht-Wissen größer war, als vermutet und dass ihr Versuch, zu »verstehen« neben der Lektüre antiker Autoren auch vormoderne Formen von Rationalität erkennen lässt. Der Vortrag schließt Neuigkeiten zur Identifizierungsgeschichte des Marc Aurel im 15. Jahrhundert und zu seinem mittelalterlichen Standort.

 

Prof. Dr. Jan Pieper (Aachen)

Die Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen: Thron und Altar, Oktogon und Sechzehneck. Bauforschung zur Herrschaftsikonographie

Die Aachener Pfalzkapelle gehört zwar zu den architekturgeschichtlich bedeutendsten Bauwerken des frühen Mittelalters, doch haben neueste Forschungen zum Thron und zur Architektur wegweisend neue Ergebnisse ergeben. Der Thron konnte aufgrund von Vorritzungen aus der Erbauungszeit mit einer achteckigen Rückenlehne rekonstruiert werden. Zwischen den Maßen und Geometrien des Königsstuhls und des ganzen Gebäudes gab es eine genau kalkulierte Beziehung. Auch wurden zahlreiche vorkarolingische Graffiti auf den Marmorplatten des Throns gefunden, die Schlußfolgerungen zu Alter und Herkunft dieser Spolien erlauben. Der Vortrag berichtet über diese jüngsten Beobachtungen, die ein neues Licht auf die Herrschaftsikonographie des Bauwerks werfen.

 

Prof. Dr. Joseph Maran (Heidelberg)

Tiryns: Architektonischer und politischer Wandel in mykenischer Zeit, 1400 – 1000 v. Chr.

Gegenstand des Vortrags bildet derjenige Zeitraum, der von der Umformung der Gesellschaften der mykenischen Palastzeit in jene der Nachpalastzeit begleitet war. Am Beispiel des mykenischen Palastzentrums von Tiryns (Argolis) soll eine Neubewertung dieses historischen Wandlungsprozesses vorgenommen und dabei deutlich gemacht werden, dass eine pauschale Klassifizierung der Zeit nach 1200 v. Chr. als „Dunkle Jahrhunderte“ unzutreffend ist. Im Gegenteil lassen sich in Tiryns anhand neuester Ausgrabungsergebnisse erstaunliche Kontinuitätslinien zwischen den Jahrzehnten vor und nach der Zerstörung des Palastes um 1200 v. Chr. aufzeigen.

 

Prof. Dr. Johannes Bergemann – Dr. Rebecca Klug (Göttingen)

Sizilien von den punischen Kriegen bis zur Ankunft der Araber – Aufgelassene Städte und neue Siedlungsformen

Die Zeitspanne umfaßt die römische und byzantinische Phase. Am Anfang stehen die Umwälzungen durch die Kriege Roms gegen Karthago, die Gründung der ersten Provinz Roms und die Ausbeutung durch den Statthalter Verres. Dann tritt Sizilien in der Sicherheit der Kaiserzeit in eine ruhigere Entwicklung ein. Einige griechische Städte erleben einen Boom, Agrigent, Syrakus, andere werden aufgelassen, Gela, Selinunt, Kamarina und Himera. An ihre Stelle treten neue Siedlungsformen, Villae rusticae, reiche Mosaikvillen (Piazza Armerina) und Dörfer (vici). Der Vortrag zeigt zahlreiche teils wenig bekannte Fundstellen aus ganz Sizilien.