Forschung

Projekt

Regelhüter für die Welt? Eine Kulturgeschichte des Schiedsrichters, ca. 1860–1980

Das Projekt untersucht Schiedsrichter(*innen) als zentrale Institution des modernen Sports und – weiter gefasst – ‚moderner‘ Gesellschaften. Es geht von der Beobachtung aus, dass Schiedsrichter unverzichtbare Akteure im Beziehungsquadrat von Regelwerk, Sportler*innen, Publikum und Verbänden sind und zugleich als Garanten für die Herstellung und Einhaltung regionaler, nationaler und internationaler Vergleichbarkeitsstandards fungieren. Auf diese Weise wurden sie einer der essentiellen Faktoren für die Etablierung und Stabilisierung des transnationalen Vergleichszusammenhangs ‚Weltsport‘, der heute eines der plastischsten Globalisierungsphänomene darstellt. Trotz dieser wesentlichen Funktion der Schiedsrichter, deren Wirken als metaphorisches Modell deutlich über den Sport hinausreicht, ist ihre Geschichte bislang kaum – und nie in einer systematisch angelegten Langzeitperspektive – untersucht worden. Diese Forschungslücke will das Projekt schließen. Es verfolgt am Beispiel zweier gezielt ausgewählter Sportarten (Fußball und Tennis), die sich durch eine ähnliche Institutionalisierungsgeschichte, aber markante Unterschiede in der Rolle des Schiedsrichters auszeichnen, die grundlegende Frage nach der Entwicklung von Aufgaben, Agieren und Ansehen der Schiedsrichter zwischen viktorianischem England und dem Weltsport der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei ist die Untersuchung als Sonde in zwei grundlegende soziale Prozesse konzipiert, die in der Genese des Schiedsrichters vereint und ausgesprochen anschaulich zu analysieren sind: einerseits die Geschichte von Autoritätserlangung (u.a. durch Institutionalisierung und Professionalisierung), Autoritätsstabilisierung (z.B. mittels systematischer Schulung und Verwissenschaftlichung) und Autoritätsgefährdung (etwa aufgrund von Gewalt, eigenem Fehlverhalten und Skandalen), andererseits die Geschichte sukzessiver internationaler Angleichung und Standardisierung. Mithin verbindet das Projekt gesellschafts-, internationalisierungs- und globalisierungsgeschichtliche Erkenntnisinteressen. Das für die so angelegte Analyse herangezogene Quellenkorpus ist breit gefächert und umfasst die Dokumentenbestände der entsprechenden Weltsportverbände genauso wie printmediale Quellen, Lehrbücher und – teils autobiografische – Reflexionen, die Schiedsrichter selbst verfassten.

Publikationen

Monografie:

‚Wirtschaftskrisen‘. Effekt und Faktor politischer Kommunikation. Deutschland 1929–1976 (= Historische Semantik, Bd. 28), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2019.

[rezensiert – soweit mir bekannt – von: Martin Wengeler, in: Archiv für Sozialgeschichte 60 (2020), URL: http://library.fes.de/pdf-files/afs/81923.pdf (27.04.2020); Wencke Meteling, bei: H/SOZ/Kult (10.09.2020), URL: https://www.hsozkult.de/review/id/reb-28929?title=k-klammer-wirtschaftskrisen; Sina Fabian, in: Central European History 53/3 (2020), S. 676f.; Marion Ronca, in: VSWG 108 (2021), Nr. 2, S. 265f.]

Aufsätze und Artikel:

Gewinn oder neue Hürde im politischen Alltag? Sprachreflexion als Element politischer Kommunikation und gegenwärtige Herausforderung (1949–2021) [Manuskript abgeschlossen, 33 S.]

Making Refereeing Global? How FIFA’s international courses for referees helped lay the groundwork for football’s commercialisation, 1948–1976 [Manuskript abgeschlossen, 31 S.]

Entscheidungsautoritäten und elementare Akteure des ‚Weltsports‘. Pfade einer Kulturgeschichte der Schiedsrichter [zum Druck angenommen, erscheint in: STADION. Internationale Zeitschrift für Geschichte des Sports – International Journal of the History of Sport – Revue Internationale d’Histoire du Sport, 28 S.]

Erwartungen, Erfahrungen und Emotionen. Beobachtungen zu drei Wirtschaftskrisen im 20. Jahrhundert, in: Sanne Ziethen / Nina Peter (Hg.), Währung – Krise – Emotion. Kollektive Wahrnehmungsweisen von Wirtschaftskrisen, Bielefeld: transcript 2021, S. 165–201, URL: https://www.transcript-verlag.de/media/pdf/35/80/da/oa9783839455043TzUvpqIIU3WfW.pdf

(Wirtschafts-)Krisen als politische Kommunikation. Über wiederkehrende Muster zahlreicher Krisen zwischen Schwarzem Donnerstag und Corona-Pandemie, in: Zeitgeschichte-online, Februar 2021, URL: https://zeitgeschichte-online.de/node/58322

Körper und Krankheit, Mechanik und Maschine. Formen und Funktionen von Metaphern in ökonomischen Krisendiskursen, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte / Economic History Yearbook 2016/2, S. 397–422.

Vom Ölpreisschock zur ‚kleinen Weltwirtschaftskrise‘. Zeitdeutungen und Interpretationsweisen im bundesdeutschen Krisendiskurs 1973–75, in: Meik Woyke / Johannes Platz (Hg.), Arbeitnehmerinteressen in Krisenzeiten [seit 2014 i.E., 17 S.]

Die ‚(Wirtschafts-)Krisen‘ von 1966/67 und 1973–75. Annäherungen aus historisch-semantischer Perspektive, in: Inga Klein / Sonja Windmüller (Hg.), Kultur der Ökonomie. Zur Materialität und Performanz des Wirtschaftlichen, Bielefeld: transcript 2014, S. 215–234.

Rezensionen und Tagungsberichte:

Rez. zu Fritz Hieber, Arbeitslosigkeit in der Weimarer Republik. Eine interdisziplinäre und zeithistorische Analyse – The Great Depressions 1929ff. / 2020ff., Berlin: Duncker & Humblot 2021, in: VSWG 108 (2021), Nr. 4, i.E.

(zusammen mit Marcel Streng) „Writing Political History Today“, 23.02.2012, URL: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=4079

(zusammen mit Arthur Schlegelmilch) „IEV-Symposion 2005 – ‚Verfassungskultur‘ in Europas Geschichte und Gegenwart“, URL: https://www.fernuni-hagen.de/dtiev/veranstaltungen/2005_Symposion.shtml