Agrarforschung in Göttingen: Daten von Boden und Pflanzen für den modernen Ackerbau

Ministerin Otte-Kinast zu Besuch an der Fakultät für Agrarwissenschaften

besuch otte-kinast hofAuf ihrer diesjährigen Sommerreise besuchte Niedersachsens Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Barbara Otte-Kinast Anfang August das Versuchsgut Reinshof bei Göttingen und informierte sich dort über ausgewählte Schwerpunkte der Agrarforschung der Universität.

Auf dem Reinshof und weiteren Standorten in der Nähe Göttingens betreibt die Universität auf mehreren hundert Hektar modernste Landwirtschaft. Konventioneller und ökologischer Landbau, Tierhaltung sowie eine Biogasanlage bilden Betriebszweige ab, die in Niedersachsens Landwirt-schaft eine bedeutende Rolle spielen. Prof. Dr. Henner Simianer, der Dekan der Fakultät für Agrarwissenschaften unterstrich zur Einführung die herausragenden Bedingungen für eine wissenschaftliche wie auch praxisorientierte Agrarforschung am Standort Göttingen, da hier sowohl im Parzellenversuch als auch im Landschaftsmaßstab geforscht werden kann.

Die Versuchsbetriebe bieten Raum für exakte Zuchtgärten, in denen Mitglieder des an der Fakultät gegründeten Zentrums für integrierte Züchtungsforschung an Raps, Mais und Ackerbohnen arbeiten. Andere Versuche erfordern starke Eingriffe in den Boden: Bodenforscher Dr. Christian Ahl stellte eine Versuchsparzelle vor, in der die Auswirkungen einer Hochspannungserdverkabe-lung auf Boden und Pflanzen analysiert werden. Auf diese Weise untersuchen Wissenschaftler*innen die Auswirkungen der geplanten Stromleitungsnetze.

besuch otte-kinast agrartechnik Ministerin Otte-Kinast konnte sich auf ihrem Rundgang überzeugen, dass auch moderne Technologien in die Göttinger Agrarforschung Einzug halten. Prof. Frank Beneke und Andreas Heckmann aus der Abteilung Agrartechnik führten Systeme vor, mit denen Messdaten aus den Feldbeständen unmittelbar verarbeitet und für die pflanzenbauliche Anbauplanung genutzt werden können. Dieses System soll bald zur Marktreife gebracht werden. „Auf dieser Basis könnten betriebliche Entscheidungen ganz anders getroffen werden,“ betonte Ministerin Otte-Kinast. Mit Hilfe von Modellierungen können mittlerweile auch die Entwicklungen der Pflanzenbestände an jedem Punkt vorausgeschätzt werden. Göttingen ist im Verbund mit weiteren Partnern an der bundesweiten Förderlinie zu „Digitalen Experimentierfeldern“ beteiligt, so Beneke. „Diese modernen Techniken sollen in Forschung und Lehre weiter ausgebaut werden, um auch die Ausbildung der Studierenden zukunftsfähig zu machen,“ pflichtete Prof. Dr. Klaus Dittert der Abteilung Pflanzenernährung und Ertragsphysiologie bei.

Dass die Agrarlandschaft nicht nur Produktionsort sondern auch Lebensraum ist, spiegelt sich in der Göttinger Agrarforschung eindrucksvoll wider. „Am Reinshof haben wir vor 30 Jahren die ersten Felder mit Blüh- und Krautstreifen versehen,“ erklärte Dr. Horst-Henning Steinmann vom Zentrum für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung. „Seitdem sind zahlreiche Konzepte zur Verbesserung der Biologischen Vielfalt hier in Göttingen weiterentwickelt worden.“

Die Ministerin und Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne, die als Vizepräsidentin die Universitätsleitung vertrat, zeigten sich zum Abschluss des Besuches einig, dass Politik und Wissenschaft in einem engen Dialog bleiben sollen.