Geschichte

Das Institut und der Lehrstuhl für Bodenkunde (ab 1977/78 Bodenwissenschaften) gingen 1965 mit der Fertigstellung und dem Bezug eines neuerrichteten Institutsgebäude an der von-Siebold-Straße aus der Teilung des "Agrikulturchemischen und bodenkundlichen Institutes" hervor. Der damalige Direktor Fritz Scheffer übernahm das neue Institut und leitete es bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1967. Die Nachfolge in der Institutsleitung fiel an Brunk Meyer (Emeritierung im September 1997). Prof. Meyer starb am 1. September 2005.

Bis 1973 oblag dem Institut noch die chemische Grundausbildung von Studierenden der Landwirtschafts- und Naturwissenschaften unter Leitung des wissenschaftlichen Rates Wolfgang Ziechmann. Diese Aufgabe entfiel mit der Ausgliederung des "Interfakultativen Lehrgebietes Chemie" und dessen Übersiedlung in ein neuerrichtetes Nachbargebäude. Mit der Pensionierung von W. Ziechmann ging die Aufgabe der Chemieausbildung an die Fakultät für Chemie über, die seit 1990 das Gebäude übernommen hat. Die Leitung obliegt seitdem L. Fietjer. Diese Abt. ist mit dem Ruhestand von Prof. Fitjer aufgelöst worden, das Gebäude ist unter der Präsidentenzeit von Prof. von Figura in ein Verwaltungsgebäude umgewidmet worden (Bezug Juli 2012).

In den Jahren seines Bestehens erfuhr das Institut einen materiellen und personellen Ausbau, der es bis in die 80er Jahre hinein gestattete, die international der Bodenkunde zugeordneten Wissenschaftsbereiche in der Lehre aspektmäßig und in der Forschung methodisch zu vertreten. Zu diesen Teilgebieten zählten - gemäß der Gliederung der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft - die Bodenphysik und -hydrologie, die ökologisch pflanzenproduktionstechnisch und umweltbezogene angewandte Bodenkunde, die Bodenbiologie, die Bodengenetik und -systematik, die regionale Bodenkunde (Bodengeographie, Bodenkartographie), die auf Analytik und Prozeßerkundung gerichtete anorganische und organische Bodenchemie und Bodenmineralogie. Nach der Umgliederung und Stellenumwidmung an der Fakultät im Zuge der Sparmaßnahmen der Nds. Landesregierung sind die Schwerpunkte gesetzt worden, die sich in den Publikationen der Mitarbeiter widerspiegeln.

In den früheren Jahren wurde das Lehrgebiet Kulturtechnik (Boden- und Landeskultur) an der Fakultät institutionell und stellenmäßig nicht vertreten und durch einen Lehrauftrag durch Herbert Kuntze, dem früheren Präsidenten der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, vom Niedersächsischem Landesamt für Bodenforschung, Außenstelle Bremen, wahrgenommen. In Zukunft soll die C-3 Professur Landespflege/Landnutzungsysteme an der Außenstelle der Universität in Vechta diese Aufgaben mitübernehmen.

Im Rahmen der Diplomstudiengänge der Agrarwissenschaften, der Geowissenschaften, ferner auch der Ausbildung von Archäologen und Biologen, fallen dem Institut als Lehraufgabe die Vermittlung bodenkundlicher Grundlagen und Aspekte im Grundstudium und fachbezogener spezieller Kenntnisse im Fortgeschrittenen- und Diplomstudienabschnitt zu. Hier wurden schwerpunktmäßig und mit Rücksicht auf die Berufsbilder drei Curricula ausgebaut: die regionale Bodenkunde, die Agrar- und Ökopedologie und die Bodenaufnahme im Gelände mit Laboranalytik.

Die Forschungstätigkeit des Instituts ist auf die weitergehende Qualifikation graduierter Studenten, Doktoranden und ausländischer Stipendiaten für Berufsziele im Wissenschaftsbereich, im Umweltsektor und im Ingenieurdienstleistungsgewerbe angesiedelt, um die für eine effiziente Lehre durch Forschung heute erforderlichen methodischen und consiliarischen Potentiale zu wahren. Dies bietet zugleich eine der Voraussetzungen, um neben einer langfristigen naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung, z.B. auf den Gebieten der Bodengenese oder -physik, die Flexibilität für das rasche Einstellen auch auf aktuelle wissenschaftliche Probleme zu gewinnen (so z.B. Bodenvielfalt und Wassereinzugsgebiet), wie sie in den letzten Jahren außer aus dem Bereich der landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion auch aus anderen technologischen Regionen und besonders aus dem Fragenkreis der Umweltsteuerung und Daseinsvorsorge sowohl aus dem In- wie aus dem Auslande verstärkt an die deutsche Bodenkunde herangetragen wurden. Dieses Konzept der Forschungsgestaltung verfolgt darüber hinaus den Zweck, den zahlreichen an die Bodenkunde aus dem inner- und außeruniversitären Raum, aus der Öffentlichkeit wie der Wissenschafts-, Entwicklungs- und Umweltpolitik gerichteten Wünschen nach Beratung, Begutachtung, Entwicklungshilfe und Kontrolle durch Sicherung einer leistungsfähigen experimentellen Basis gerecht zu werden.

Gegenwärtige Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Sektor Boden- und Landschaftswasserhaushalt und Stofftransport im Hinblick auf anthropogene Beeinflussungen und Steuerungsmöglichkeiten. Hierzu sind in den letzten Jahren verschiedene Wassereinzugsgebiete bezüglich der landwirtschaftlichen Nutzungsstruktur, der N-Bilanz und den Steuerungsmöglichkeiten exemplarisch bearbeitet worden. Für direkte Bestimmungen und Variationen einzelner Wasserhaushaltsgrößen wurde eine Grundwassergroß-lysimeteranlage im Institutsgelände errichtet. Diese Anlage wird im Jahr 2004 erneuert.

HOK 20003/04

Mit dem Hochschuloptimierungskonzept des Landes Niedersachsen übernahm die Universität Göttingen die Kürzungsauflagen. Die Umverteilung auf die Fakultäten sah eine ca. 6 % Kürzung der Haushalte vor. Hiervon wurden die zum damaligen Zeitpunkt nicht besetzten Stellen des Institutes betroffen. Der schon ergangene Ruf an den zukünftigen Stelleninhaber wurde zurückgezogen, die freigehaltenen und zufällig freigewordenen Stellen wurden gestrichen. Nach dem SS 2005 werden in dem ehemaligen Institut für Bodenkunde (Prof. Dr. Scheffer) bzw. dem Institut für Bodenwissenschaften (Prof. Dr. Meyer) noch 1 AOR, 3 TA und 1 Handwerker beschäftigt sein. Über eine Zusammenfassung von Instituten und Abteilungen (Pflanzenbau, Pflanzenzüchtung, Grasland, Phytopathologie, Pflanzenschutz, Entomologie, Agrartechnik, Agrarökolgie) wird versucht, u.a. der Rest-Bodenkunde einen einigermaßen sicheren Ort zu geben und weitere Streichungsvorstellungen abzuwehren.

Seit Mai 2008 befindet sich die Abt. Agrarpedologie im Büsgenweg 2, wissenschaftlich eingegliedert in das Büsgen-Institut, der bodenkundlichen Abteilungen der humiden und tropischen Zonen. Die Abt. Agrarpedologie gehört weiterhin organisatorisch zur Fak. für Agrarwissenschaften.

Zur Zeit ist Prof. Y. Kuzjakov Leiter der Abt.