Dr. Christina Beimforde

Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen die Paläoökologie und die Systematik phanerozoischer Pilze. Ich fokussiere dabei auf das Phylum Ascomycota, die mit Abstand größte Gruppe der Pilze. Funde fossiler Individuen dieser Pilzgruppe erlauben Rückschlüsse auf ihre frühere Lebensweise sowie auf Wechselbeziehungen mit anderen Organismen der damaligen Ökosysteme.



Generell sind Weichkörperorganismen nur sehr spärlich im Fossilbeleg repräsentiert. Bernstein zeichnet sich in dieser Hinsicht als besonderes Medium aus, da er (neben Hornstein) die Fähigkeit besitzt, Pilze über Jahrmillionen in besonders gutem Zustand zu überliefern. Die außerordentlich gute Erhaltung von Bernsteinfossilien erlaubt daher die detaillierte Untersuchung der eingeschlossenen Organismen bis in den ultrastrukturellen und molekularen Bereich. Eine der kürzlich entdeckten Inklusen repräsentiert beispielsweise die bisher älteste fossile Ektomykorrhiza, die mit Angiospermen gebildet wurde.



Mycorrhiza

Ektomykorrhiza im Bernstein aus dem Eozän Indiens.



Einen weiteren Schwerpunkt meiner Arbeit stellt die molekulare Evolution der Ascomycota dar. Bernsteininklusen können in Kombination mit molekularen Daten rezenter Vertreter bedeutende Informationen über die zeitliche Entwicklung der untersuchten Linien geben. Durch die hervorragende Erhaltung der Inklusen und die Kenntnis des Alters und der Herkunft der Bernsteine eignen sich Bernsteinfossilien ganz besonders für die Kalibrierung phylogenetischer Stammbäume.



Zudem interessiere ich mich für die (Paläo-) Ökologie harzassoziierter Mikroorganismen. Beispielsweise sind einige Vertreter der Ascomyceten (wie z.B. Chaenothecopsis) in der Lage, flüssiges und ausgehärtetes Harz zu besiedeln. Dabei nutzen sie vermutlich Komponenten des Harzes als Nahrungsquelle.



Chaenothecopsis

Chaenothecopsis (Ascomycota, Mycocaliciales) im Baltischen Bernstein.