Die Schreibberater_innenausbildung

Hintergrund

Die stetig wachsende Zahl an Schreibzentren im deutschsprachigen Raum zeigt, dass sich an der Hochschule und anderen Lehr-Lern-Kontexten ein verändertes Verständnis von Schreiben und Schreibenlernen durchsetzt: Schreiben wird mehr und mehr als komplexer Prozess und als soziale Aktivität gesehen; damit einher geht die Erkenntnis, dass Schreibende Unterstützung und vor allem Austausch über ihren Schreibprozess und ihre entstehenden Texte benötigen.
Um Schreibende adäquat unterstützen zu können, ohne sich ihre Texte anzueignen oder in ihre Autonomie als Autor_innen einzugreifen, bedarf es einer gezielten Schulung. Darauf reagieren viele Schreibzentren, indem sie Studierende zu studentischen Schreibberater_innen ausbilden. Die Ausbildung Studierender zu Schreibberater_innen hat mehrere Vorteile: Zum einen wird hierdurch der Nachwuchs für die Schreibzentren gesichert, zum anderen dienen die ausgebildeten Schreibberater als Multiplikatoren. Denn ihre erworbenen Kompetenzen lassen sich nicht nur in universitären Schreibzentren, sondern auch in vielen anderen Bereichen einsetzen. Insbesondere Lehramtsstudierenden kommt eine schreibdidaktische Zusatzqualifikation zu gute, z.B. dann, wenn sie im Lehrerberuf Facharbeiten betreuen oder wenn sie eine Schülerschreibberatung, wie es sie bereits an einigen Schulen gibt, einrichten oder fördern möchten. Aber auch Studierende mit anderen Berufszielen profitieren von einer solchen Zusatzqualifikation: Sie erwerben und schulen - insbesondere durch die in die Ausbildung integrierte Praxis - diverse für das Berufsleben relevante Kompetenzen, wie z.B. kommunikative Fertigkeiten, Empathiefähigkeit, interkulturelle Kompetenz, Rückmeldekompetenzen, Reflexionsvermögen sowie die Fähigkeit andere Standpunkte nachzuvollziehen und sich schnell in (fach)fremde Sachverhalte einzudenken.

Ziele

Ziel der Schreibberaterausbildung am Internationalen Schreibzentrum der Universität Göttingen ist es, interessierten Studierenden aus allen Fächern (insbesondere den geistes- und sozialwissenschaftlichen) schreibdidaktische und beratungspsychologische Grundlagen zu vermitteln, die sie befähigen, Schreibende individuell angemessen zu ihrem Arbeitsprozess zu beraten und konstruktives Textfeedback zu geben. Zusätzlich erwerben die AbsolventInnen der Schreibberaterausbildung berufsrelevante Kompetenzen (s.o.), darunter insbesondere Reflexionsfähigkeit hinsichtlich des eigenen (professionellen) Handelns.

Zielgruppe

Die Ausbildung steht Studierenden aller Fächer offen, die bereits über akademische Schreiberfahrung verfügen und vor diesem Hintergrund eigene Schreibprozesse reflektieren können und ein Basiswissen über Anforderungen an akademische Textsorten besitzen. Insbesondere angesprochen sind Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften, die sich selbst in beruflichen Kontexten sehen, die Lehr- und Beratungstätigkeiten beinhalten. Hierzu zählen z.B. Tätigkeiten an Schulen, Hochschulen oder Beratungseinrichtungen. Abhängig von fachlichen, beruflichen und persönlichen Interessen können die Teilnehmenden sich auf das Beraten zum Schreiben in der Erstsprache Deutsch oder auf das Beraten zum Schreiben in der Mehrsprachigkeit spezialisieren.

Inhalte

Die Schreibberater_innen-Ausbildung umfasst Module im Umfang von insgesamt 18 ECTS-Punkten im Bereich der Schlüsselkompetenzen; die Studierenden können auch lediglich einzelne Module absolvieren, um einen Einblick in schreibdidaktische Grundlagen zu erhalten. Im Rahmen des Zertifikats haben die Teilnehmenden die Wahl zwischen dem Schwerpunkt "Schreiben in der Erstsprache Deutsch" und dem Schwerpunkt "Schreiben in der Mehrsprachigkeit".
Beide Gruppen absolvieren zunächst ein Theoriemodul, das in die Erforschung und die Didaktik des Schreibens einführt, beim zweiten Schwerpunkt bezogen auf das Schreiben im mehrsprachigen Kontexten. In diesem Seminar lernen sie für die Schreibberatung relevante Grundlagen kennen, darunter Hintergrundwissen zu Schreibphasen, Schreibstrategien, Schreibtypen, Schreibschwierigkeiten und Schreiben als Instrument des Lernens.
In einem weiteren Modul (das beide Gruppen gemeinsam absolvieren und das im Sinne einer flexiblen Ausgestaltung der Ausbildung auch vor dem Theoriemodul besucht werden kann) machen sich die Teilnehmenden mit Grundsätzen des Beratens und insbesondere der Schreibberatung vertraut. Sie erfahren und erproben, was es heißt, person-zentriert und effektiv zu beraten, lernen verschiedene Beratungsansätze und -techniken kennen und übertragen diese auf den Kontext von Schreibberatung.
In einem anschließenden Praktikum setzen sie dieses erworbene Wissen um, indem sie bei Schreibberatungen und Lehrveranstaltungen zum akademischen Schreiben, die vom Internationalen Schreibzentrum angeboten werden, hospitieren und eigene (teils angeleitete) erste Schreibberatungen durchführen, die sie protokollieren und reflektieren. Parallel nehmen die Studierenden an einem Begleitseminar teil, in dem sie Erkenntnisse aus dem Praktikum vorstellen und gemeinsam Lösungen für auftretende Schwierigkeiten und Fragen ihrer Beratungspraxis finden. Alternativ können die Teilnehmenden ihre praktischen Erfahrungen im Bereich der Online-Schreibberatung sammeln und das Seminar "Schreiben und Beraten online" besuchen, das im Rahmen der akademischen Schreibpartnerschaften (Zertifikat InDiGu) stattfindet.
Beendet wird die Ausbildung mit einem Abschlussprojekt, in dem die Studierenden ihr erworbenes schreibdidaktisches Wissen in die Praxis umsetzen: Das Abschlussprojekt gestalten die Teilnehmenden - mit Unterstützung der Ausbildenden - individuell angepasst an ihre Interessen und möglichen Berufsziele. Dabei sollte es sich um die Konzipierung einer schreibdidaktischen Maßnahme handeln, die die Studierenden eigenständig an der Universität Göttingen oder einer anderen Institution (z.B. Schule, Sprachschule, Volkshochschule) für eine bestimmte Zielgruppe (z.B. Studienanfänger_innen bestimmter Fächer, Schüler_innen und Schüler...) durchführen. Das Abschlussprojekt wird gemeinsam mit den Ausbildenden reflektiert und evaluiert.
Diejenigen, die sich für den Schwerpunkt "Schreiben in der Mehrsprachigkeit" entschieden haben, können anstelle eines Abschlussprojektes auch das Seminar "Methodik und Didaktik der Vermittlung Interkultureller Kompetenz" besuchen. Da sie auch im Rahmen dieses Seminars eigene Lehreinheiten konzipieren und durchführen müssen, hat das Seminar den gleichen Umfang wie das Abschlussprojekt.
Die Absolvent_innen der SchreibberaterInnen-Ausbildung erhalten neben den 18 ECTS-Punkten im Bereich Schlüsselkompetenzen ein Zertifikat, das ihnen die Inhalte ihrer Ausbildung, ihre individuelle Schwerpunktsetzung sowie die erworbenen Kompetenzen bescheinigt.

Verlauf der Ausbildung - Überblick

Den konkreten Verlauf der Schreibberater_innen Ausbildung mit den Schwerpunkten "Schreiben in der Erstsprache Deutsch" und "Schreiben in der Mehrsprachigkeit" finden Sie in diesem pdf-Dokument.